30. Juli 2020
30.07.2020
Mallorca Zeitung

Erfolg bei Suche nach Franco-Opfern auf Mallorca

Ein Ausgrabungsteam hat auf einem Friedhof nahe Manacor zahlreiche Beweise für die Gräueltaten in der Zeit des spanischen Bürgerkriegs zutage gebracht

30.07.2020 | 10:38
Die Archäologen fanden auf dem alten Friedhof bei Manacor auf Mallorca Knochenreste, die aus der Bürgerkriegszeit stammen dürften

Auf dem ehemaligen Pest-Friedhof Son Coletes bei Manacor auf Mallorca kommen die Ausgrabungsexperten bei der Suche nach sterblichen Überresten von Opfern des Franco-Regimes weiter voran: Am Mittwoch (29.7.) stießen die Archäologen nach zwölf Tagen intensiver Arbeit erstmals auf Knochenreste, die tatsächlich aus der Zeit des spanischen Bürgerkriegst stammen dürften.

Weitere Hinweise verdichten den Verdacht: So konnten die Experten auch eine 9-Milimeter-Munitionskugel sicherstellen - jene Munition, die die Franco-treuen Falangisten gewöhnlich benutzten. "Dieses Fundstück ist ein weiterer Beweis dafür, dass die Fundstücke mit absoluter Sicherheit aus dem Jahr 1936 stammen", so Projektleiter Cesc Busquets. "Die Kugel weist Fasern von Kleidung auf, sie hat also einen Menschen getroffen." Auch seien Reste von in den 30er Jahren typischer Kleidung gefunden worden.

Die Fundstücke wurden östlich des ehemaligen steinernen Friedhofskreuzes sichergestellt. Zahlreiche Zeugenberichte hatten nahegelegt, dass die Anhänger des Franco-Regimes 1936 zahlreiche politische Gegner erschossen und in Gräben nahe des Kreuzes verscharrt hatten. Dass die Ausgrabungen nun nicht nur das Fundament des Kreuzes, sondern nun auch konkrete Hinweise auf die Hinrichtungen zutage gebracht haben, wertet die balearische Landesregierung, die die Arbeiten in Auftrag gab, als Erfolg im Kampf um die Aufarbeitung der spanischen Geschichte.

"Eine demokratische Gesellschaft kann es sich nicht erlauben, Opfer in Massengräbern verscharrt zu haben. Die Aufarbeitung der Wahrheit ist notwendig", so die balearische Ministerin Isabel Castro."Endlich beginnt die Gerechtigkeit", betonte auch Manacors Bürgermeister Miquel Oliver (Més), der allen dankte, die "nie die Hoffnung aufgegeben hatten, zu finden, was wir nun gefunden haben". Nur dadurch, dass die Gräueltaten des Diktators Francisco Franco aufgedeckt würden, könne die Geschichte ruhen. "Wir sind sehr zufrieden, obwohl wir eine Gänsehaut bekommen, wenn wir uns bewusst machen, was damals geschehen ist", so Oliver weiter. "Ich hoffe, es ist der Anfang vom Ende."

Laboruntersuchungen der Knochenreste sollen nun weiteren Aufschluss über die Opfer geben. Bis zum 9. August werden die Ausgrabungen in Son Coletes weiterlaufen. Auch in anderen Gemeinden sind ähnliche Projekte geplant. /somo

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