26. September 2020
26.09.2020
Mallorca Zeitung

Großbrand in Albufera hinterlässt Spur der Zerstörung

Das am Freitagabend (25.9.) im Norden von Mallorca ausgebrochene Feuer hat mehrere Wohnhäuser und Teile des empfindlichen Naturschutzgebiets zerstört und ist am Sonntagmittag noch immer aktiv, aber unter Kontrolle. Anwohner sind fassungslos

26.09.2020 | 09:19
Fassungslose Anwohner bei der Besichtigung der zerstörten Anwesen
Das Feuer war am Freitagabend (25.9.) entdeckt worden. Auch am Samstagvormittag war es noch nicht unter Kontrolle. Mehrere Wohnhäuser mussten evakuiert werden

Ein Großbrand in dem Feuchtgebiet S'Albufera in der Gemeinde Muro im Norden von Mallorca hat die Feuerwehr in der Nacht auf Samstag (26.9.) auf Trab gehalten. Rund 20 Wohnhäuser in der Gegend Cases de Son Sant Martí mussten evakuiert werden. Erst am Sonntagmittag (27.9.) gaben die Rettungskräfte an, das Feuer gänzlich unter Kontrolle zu haben, wenn auch der Brand weiterhin aktiv sei. Die Notrufzentrale 112 hatte am Samstagmorgen (26.9.) auf ihrem Twitter-Account gewarnt, die Gegend rund um die S'Albufera zu meiden. Neben dem Naturschutzgebiet Albufera breiteten sich die Flammen auch in Richtung der Kläranlage von Muro aus.

Wie die MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" berichtet, war vor allem der starke Wind schuld daran, dass sich das Feuer ungehindert ausbreiten konnte. Böen von bis zu 90 Stundenkilometer heizten die Flammen weiter an. Auch die balearische Forstbehörde Ibanat arbeitete auf Hochtouren daran, den Brand unter Kontrolle zu bringen.

"Wir konnten uns nur wie durch ein Wunder retten", wird ein Anwohner im "Diario de Mallorca" zitiert, der die gut 1,5 Kilometer lange Flammenfront immer näher kommen sah. Ersten Einschätzungen der Notrufzentrale 112 zufolge sind drei Wohnhäuser komplett durch die Flammen zerstört worden, es handele sich jedoch um zum Zeitpunkt des Brands leerstehende Ferienhäuser. Bei zahlreichen weiteren Häusern sei der Außenbereich in Mitleidenschaft gezogen worden. Es handelte sich hierbei um meist unbewohnte landwirtschaftliche Hütten und Gebäude, in denen Werkzeug aber auch Nutztiere untergebracht waren. Menschen wurden nicht verletzt. Aufgrund der teils panischen Zustände entschieden sich aber auch mehrere Anwohner der kleinen Küstensiedlung Capellans, ihre Häuser vorübergehend zu verlassen - auch, weil die Rauchentwicklung enorm gewesen sei, wie ein anderer Zeuge berichtet. Zerstört wurden Einschätzungen von Sonntag zufolge knapp 440 Hektar Landschaft. "Es gibt hier öfter kleine Brände, aber so etwas habe ich noch nie erlebt", berichtet ein Landwirt fassungslos.


Zerstörung im Naturschutzgebiet

Wie der Leiter des Naturschutzgebiets Albufera, Maties Rebassa, am Samstagnachmittag gegenüber der MZ angab, liegen rund 80 Prozent des betroffenen Gebiets innerhalb der Grenzen des Naturschutzgebiets Parque Natural Albufera. "Wobei es für exakte Angaben noch zu früh ist, das Feuer ist ja noch nicht gelöscht", so Rebassa. Die Ausguckhäuschen und das Besucherzentrum im Park seien nicht vom Brand getroffen.

Für das empfindliche Ökosystem in Mallorcas ältestem Naturschutzgebiet sei der Brand aber in jedem Fall "kleines Desaster". Zwar seien die zahlreichen Vögel, die sich in dem Feuchtgebiet aufhalten, sicherlich nicht Opfer der Flammen geworden, und auch die Schilfpflanzen erholten sich in der Regel schnell. "Angst haben wir aber vor allem davor, dass viele Binsenpflanzen zerstört worden sein könnten", so der Biologe. Diese böten wertvollen Lebensraum für viele Arten von Tieren. "Wenn wir Pech haben, werden sie nicht nachwachsen und von der sogenannten Queller-Pflanze ersetzt werden", fürchtet der Parkleiter. Queller fühlten sich in Gegenden mit hohem Salzgehalt wohl, böten für viele Tiere aber nicht den gleichen Schutz wie die Binsen.

Hintergrund: Hilferuf aus dem ältesten Naturschutzgebiet von Mallorca


Dass das Salzgehalt in den Kanälen des Feuchtgebiets steigt und das empfindliche Ökosystem bedrohen, ist schon seit Jahren bekannt. Auch Probleme mit Abwässern und Fäkalien, die ungefiltert in das Kanalsystem gelangen, beklagen Tierschützer und auch Parkleiter Maties Rebassa bereits seit Jahren. Brände würden die Brisanz noch erhöhen. Tatsächlich kämen häufiger Brände in der Albufera vor, so Rebassa. Erst im März dieses Jahres hatte ein Feuer für Zerstörung gesorgt. In dem Ausmaß, wie es dieses Mal der Fall ist, jedoch nicht. "Man hätte das Feuer nicht verhindern können, indem man die Landschaft besser instand hält. Dieses Jahr war nicht einmal ein besonders trockenes. Die einzige Möglichkeit, solche Großbrände zu verhindern, ist zu vermeiden, dass sie überhaupt entstehen."


Brandstiftung nicht ausgeschlossen

Entdeckt worden war das Feuer gegen 18 Uhr am Freitag (25.9.) am Camí de S'Amarador nahe der Landstraße, die Muro mit Can Picafort verbindet. Das durch den Wind relativ trockene Schilfrohr der Albufera brannte schnell lichterloh. Drei Helikopter des Ibanat waren bis zum Einbruch der Dunkelheit im Einsatz, danach mussten die Bodentruppen übernehmen.

Gegen 20 Uhr rief Ibanat die Gefahrenstufe 1 aus, da Wohngebiete und wichtige Infrastruktur in Gefahr seien. Eine Stunde später wurde die Gefahrenstufe auf 2 erhöht, da Menschen in direkter Gefahr seien. Im Laufe des Samstags wurde das Risiko wieder auf 1 herabgestuft, am Sonntag dann auf 0. Die starken Regenfälle in der Nacht hätten geholfen, die Flammen weiter einzudämmen, heißt es von der Notrufzentrale 112.

Auch am Sonntag waren noch immer zahlreiche Mitarbeiter der Forstbehörde sowie ebenso viele Einsatzkräfte der Feuerwehr von Inca und Alcúdia im Einsatz. Auch Löschflugzeuge aus Ibiza halfen beim Löschen. Über die Brandursache ist bisher nichts bekannt, es gebe jedoch Hinweise darauf, dass es sich um Brandstiftung handelt, wie das Ibanat am Samstagmittag bekannt gab.

Balearen-Präsidentin Francina Armengol beteuerte am Samstag via Twitter ihre Unterstützung für die Rettungskräfte und die geschädigten Besitzer der Häuser und Ländereien. Am Sonntag beklagte sie öffentlich, dass es lange dauern werde, bis "die Wunde der Albufera" heilen werde. "Sie schmerzt uns alle", so die Sozialistin. /somo

(Aktualisierungen folgen)

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