26. Oktober 2020
26.10.2020
Mallorca Zeitung

Protest gegen "Klein-Afghanistan" bei Villenviertel Son Vida

Am Fuße der Tramuntana will das spanische Heer Soldaten in der Terrorismusbekämpfung trainieren - Umweltschützer kritisieren Betonbauten

26.10.2020 | 11:31
Auf Mallorca stationierte Soldaten sollen hier das Aufspüren von Terroristen üben.

Während die Restriktionen für Neubauten auf Mallorca immer strenger werden, darf das spanische Militär anscheinend bauen, wo und was es will. Zum Beispiel eine Betonsiedlung für einen Schießübungsplatz im Unesco-Weltkulturerbe des Tramuntana-Gebirges und in unmittelbarer Nähe zur Luxussiedlung Son Vida. Das spanische Heer zieht dort gerade Mauern hoch, die einer schlichten Siedlung in Ländern wie Afghanistan oder Irak nachempfunden sind, wie die MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" berichtet. Mitten im mallorquinischen Berg-Idyll sollen spanische Soldaten künftig das Aufspüren verschanzter Terroristen üben.

Im Volksmund heißen die elf ein- oder zweistöckigen Betonklötze längst „afghanisches Dorf". Allerdings fehlen den Baracken auf dem Schießungübungsplatz die Dächer. Stattdessen führen Metallstege über die Gemäuer, in denen sich in den Manövern die aufzuspürenden Terroristen verschanzen. Der Übungsplatz gehört zum militärischen Schutzgebiet der Kaserne Jaime II., deren Bewohner an Missionen in Afghanistan beteiligt waren.

Für Umweltschützer ist das Vorhaben laut "Diario de Mallorca" ein Skandal. Joan Prats, Vorsitzender der Bürgerinitiative Son Quint-Parc Natural de Ponent ist fassungslos: „Man beruft sich hier auf die Landesverteidigung, um in der zur Tramuntana gehörenden Natur ein Dorf zu bauen." Verdächtig findet Prats auch, dass man den Schießübungsplatz in direkter Nähe zu Son Vida errichte – „knapp 100 Meter neben der teuersten Siedlung Spaniens" – , wo die Schießerei „offensichtlich zu Lärmbelästigung" führen werde. Da das Militär Alternativen für den Standort gehabt hätte, hegt Prats einen Verdacht: „Ich will doch nicht hoffen, dass man diese Lage aus Spekulationsgründen gewählt hat." Was wäre, wenn die Kaserne Son Busquets nun in Wohnungen umgebaut würde?

Da das Bauprojekt für das Militär dem Interesse der Landesverteidigung diene, habe man keine Umweltverträglichkeitsstudie einfordern können, bedauert Antoni Alorda von der balearischen Umweltkommission. Zum Schutz der nationalen Sicherheit könne das Militär theoretisch „ein Hochhaus auf dem Puig Major" bauen, so Alorda.

Ein Sprecher der Streitkräfte auf den Balearen wiegelt gegenüber dem "Diario de Mallorca" ab. Das Projekt erfülle „alle regionalen und kommunalen Vorschriften". Das militärische Schutzgebiet um die Possessió Son Suredeta sei schon seit Jahren als Schießübungsplatz genutzt worden. Nun habe man lediglich ein paar Mauern hochgezogen. Wäre das Gebiet in der Nachbarschaft zu Son Vida nicht vom Militär genutzt worden, wäre es längst in Bauland umgewidmet und erschlossen worden. /tg

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