29. Oktober 2020
29.10.2020
Mallorca Zeitung

Hotels in Palma stehen vor schweren Entscheidungen

Eigentlich ist die Stadt ein Ganzjahresziel, doch schon bald hat nur noch ein Drittel der Häuser geöffnet. Die Frage ist, womit man weniger Geld verliert, erklärt Verbandssprecher Javier Vich

29.10.2020 | 01:00
Javier Vich ist Präsident der Hoteliersvereinigung Palma/Cala Major.

Javier Vich ist seit neun Jahren Präsident der Hoteliersvereinigung Palma/Cala Major. Noch nie habe er ein Jahr wie dieses erlebt, sagt das Aufsichtsratsmitglied der Kette The Morgana Group mit drei Boutique-Hotels in Palma, einem nahe Inca und einem Haus in Kolumbien. Noch nie habe er erlebt, wie im Zentrum von Palma ein Hotel nach dem anderen schließe. „Palma ist ein klassisches Ganzjahresziel", sagt Vich. Im Jahr der Pandemie gilt das nicht mehr.

Wie viele Hotels haben in Palma derzeit noch geöffnet?
Momentan sind noch 32 von 72 Hotels offen. Zehn davon sind Boutique-Hotels. Ab dem 1. November werden dann nur noch 25 Hotels offen haben, die nach jetzigem Stand - das kann sich natürlich in diesem Jahr auch schnell wieder ändern - den ganzen Winter über geöffnet bleiben sollen.

Ist das denn rentabel?
Das ist eine Frage, die sich jeder Unternehmer selbst stellen muss. Es kommt dabei immer auf die Unterkunft an, auf die Lage, auf die Situation der Angestellten, die man vielleicht aus der Kurzarbeit holen muss. Da gibt es Hotels, die mit 20 Prozent Auslastung zwar defizitär sind, aber weniger Verluste haben, als wenn sie ganz geschlossen wären. Das Ziel in diesem Winter ist: weniger Geld verlieren.

Wie ist die Auslastung derzeit?
Sehr niedrig. Wir bewegen uns irgendwo zwischen 15 und 20 Prozent der Kapazitäten. Einige wenige haben vielleicht 25 Prozent, aber in jedem Fall sind es Auslastungen, die wir so noch nie erlebt haben in Palma.

Angesichts des kaum vorhandenen Tourismus scheinen 25 geöffnete Hotels in Palma im Winter viel. Woher sollen all die Gäste kommen?
Derzeit sind es vor allem Menschen, die ihre Reisen nicht verschieben können. Leute, die einen Angehörigen besuchen, die zum Arbeiten kommen oder Bewohner der anderen Balearen-Inseln, die einen Arztbesuch auf
Mallorca haben oder auch Teilnehmer von Sportereignissen, von denen ja doch ein paar stattfinden. Vor ein paar Wochen gab es etwas Bewegung, vor allem im skandinavischen Markt. Hinzu kommen noch ein paar Leute, die nach Palma fliegen, um etwa eine Immobilie zu besichtigen. Was es zurzeit so gut wie nicht gibt, ist die klassische Urlaubsreise oder der Wochenendtrip aus Spaß an der Freude.

Wenn es im Oktober schon so schlecht aussieht, wie sind die Aussichten für die Boutique-Hotels im Winter?
Ganz mies. Wir haben nicht die geringste Hoffnung, dass sich da noch etwas bessert. Historisch gesehen war der November immer ein schlechter Monat, aber in diesem Jahr sind keine Kreuzfahrtschiffe da, es gibt keine Kongresse, keine Marathons und sonstigen Sportereignisse. Dezember war meistens besser, aber in diesem Jahr sehe ich auch hier keine Besserung, gerade auch angesichts der Entwicklung der Pandemie zurzeit in Europa.

Es ist das erste Mal, dass Boutique-Hotels in Palma im Winter schließen müssen. Das deutet aber auch darauf hin, dass die Betreiber in den vergangenen Jahren so gut verdient haben, dass sie einen mauen Winter gut wegstecken können.
Das stimmt. Ein Anzeichen dafür ist ja, dass zurzeit kein Hotel in Palma zum Verkauf steht. Noch halten alle durch. Die meisten sind familiengeführte Häuser oder gehören zu Familien­unternehmen. Natürlich fordert uns die Situation alle. Es gibt hier in Palma Hotels, die in 40 Jahren nicht einen Tag zugemacht hatten. Klar ist, dass wir jetzt nicht dasitzen und warten dürfen, bis es eine Impfung gibt. Wir müssen an den sicheren Reisekorridoren arbeiten. Wir sind nun mal auf den See- oder den Luftweg angewiesen. Das ist aber auch eine Chance. Auf den Inseln können wir Pioniere für den kommenden Sommer sein. Wenn es dann genügend Schnelltests gibt und sich alle Urlauber vor der Abreise und der Rückreise testen lassen, ist das eine sichere Sache. Aber man muss damit anfangen. Denn es ist klar, dass es kein Unternehmen gibt, das noch einmal ein solches Jahr wie 2020 überleben kann.

Braucht die Politik zu lange, diesen Korridor einzurichten?
Auf jeden Fall.

Machen die Hoteliers genügend Druck?
Ja, wir arbeiten alle daran und wir können nicht noch länger warten. Seit Monaten redet man nun über die Korridore. Wir fordern für die kommende Saison einheitliche Regelungen für Mobilität in ganz Europa. Es kann doch nicht sein, dass jedes Land und dann auch noch jede Region einzeln anfängt, Regeln aufzustellen. Die Essenz des Schengen-Raumes ist doch das freie Reisen in Europa.

Lange Zeit schien es, dass der Boom der Boutique-Hotels in Palma kein Ende findet. Rächt es sich nun dieses Jahr, dass in den vergangenen Jahren so viele Häuser öffneten?
Das ist offensichtlich. In den vergangenen Jahren waren die Boutique-Hotels ein Zugpferd des Tourismus in Palma. Sie haben die gesamte Destination verändert und aufgewertet. In der Altstadt von Palma gibt es inzwischen 25 Boutique-Hotels. Jetzt, in einer solchen Ausnahmesituation, stehen wir plötzlich vor dem Problem, viel mehr Angebot als Nachfrage zu haben. Ich rechne fest damit, dass zwar zwei schwierige Jahre kommen, aber dass wir ab 2022 die Gästezahlen von 2019 haben werden. Palma ist auch weiterhin angesagt.

Trotzdem erstaunt, dass mitten in der Krise zwei neue Boutique-Hotels in der Altstadt geplant werden, eines am Borne und eines in der Straße Forn de la Glòria.
Das waren beides Projekte, die bereits vor der Krise angefangen wurden.

Gibt es neue Projekte, die der Krise zum Opfer gefallen sind?
Es gab das ein oder andere Renovierungsprojekt, das verschoben wurde. Die Betreiber warten nun erst einmal ab, wie die kommende Saison läuft. Wer hat schon den Mut, gerade ein paar Millionen in einen Umbau zu stecken?

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