16. November 2020
16.11.2020
Mallorca Zeitung

Nach Mallorca nur mit PCR-Test: Fällt der Flug zu Weihnachten aus?

Zahlreiche Hindernisse beim Reiseverkehr zwischen Deutschland und der Insel machen ein gemeinsames Weihnachtsfest schwierig bis unmöglich. Vor allem dürfte es kompliziert werden, den vorgeschriebenen Test in Deutschland aufzutreiben

16.11.2020 | 15:31
Ein medizinischer Angestellter mit einem PCR-Abstrich in Berlin.

Der kurze Trip über die Weihnachtsfeiertage nach Deutschland zu den Verwandten dürfte in diesem Jahr für viele Mallorca-Residenten ganz ausfallen oder zumindest zu einem Vabanque-Spiel werden, wie etwa für Klaus Gärtner (Name geändert). Der Norddeutsche lebt eine Zeit des Jahres auf Mallorca und beabsichtigt, über Weihnachten seine Familie in Deutschland zu besuchen. Der Hinflug soll am 20. Dezember, der Rückflug am 27. Dezember gehen.

Abgesehen von den Quarantäne-Regeln, die seit 9. November bei der Einreise in Deutschland gelten, und den Turbulenzen im Flugplan plagt Gärtner vor allem die Anordnung der spanischen Regierung, dass alle in Spanien einreisenden Personen ab dem 23. November einen negativen PCR-Test vorweisen müssen, der maximal 72 Stunden alt sein darf. Denn in Deutschland ist es, anders als auf der Insel, derzeit ein kompliziertes Unterfangen, außer an Flughäfen überhaupt an einen freiwilligen PCR-Test zu kommen.

Kaum Tests ohne Symptome

Eine Pressesprecherin des Robert-Koch-Instituts rät Reisenden auf Anfrage der MZ, sich jeweils vor Ort über die Möglichkeiten zu informieren. „Eine pauschale Aussage darüber, wo Tests möglich sind, ist sehr schwierig zu treffen", sagt die Sprecherin. Einfach zum nächstbesten Hausarzt zu gehen, ist für die meisten dabei keine Option.  Allgemeinärzte dürfen normalerweise keine PCR-Tests vornehmen, wenn sich keine Symptome zeigen. In vielen Städten allerdings gibt es Praxen, die gegen Bezahlung PCR-Tests vornehmen, beispielsweise kann man für Berlin hier ein siebenseitiges PDF-Dokument mit Adressen herunterladen.

Das Problem dabei: Die Testkapazitäten in Deutschland sind in weiten Teilen der Republik am Anschlag. So heißt es am Institut für Virologie und Immunbiologie in Würzburg etwa, man befinde sich im „roten Bereich". Im Prinzip gehe man mit der Maßgabe heran, innerhalb von zwölf Stunden das Ergebnis zu haben, derzeit seien es aber üblicherweise zwischen 24 und 72 Stunden, die allein das Labor für die Verarbeitung des Materials benötigt. Da ist die Zeit für das Hin- und Herschicken der Proben noch nicht mitgerechnet. Und auch die 72-Stunden-Obergrenze könne man derzeit nicht garantieren, heißt es gegenüber der MZ.

Weniger Personal über die Feiertage

Allgemeinärzte kalkulieren derzeit mit einer Zeitspanne von zwei bis fünf Tagen für ein PCR-Resultat, wie etwa die Sekretärin eines Hausarztes in Rheinland-Pfalz der MZ mitteilt. Wenn beispielsweise ein Mallorca-Resident nun seine Familie in Deutschland für sieben Tage über Weihnachten besuchen will, wird es mit dem Testergebnis vor dem Rückflug auf die Insel schon sehr eng. Zumal man damit rechnen müsse, dass die Labore über die Weihnachtstage mit weniger Personal arbeiteten.

Zusätzlich beschränkten sich viele Labore derzeit vor allem auf Tests von Patienten, die tatsächlich mit Symptomen zum Arzt kommen. Freiwillige und kostenlose PCR-Tests können deshalb in Deutschland am ehesten in den sogenannten Abstrichstellen oder Corona-Teststellen genommen werden. Dort können die Bearbeitungszeiten allerdings noch deutlich länger sein. In manchen Städten vergehen hier vom Moment des Abstrichs bis zum Ergebnis zehn Tage. Unmöglich, wenn man nur für eine Woche in Deutschland bleiben will. 

Und Privatkliniken? 

Und wie auf Mallorca in eine Privatklinik zu fahren und einen kostenpflichtigen PCR-Test vornehmen zu lassen, ist in Deutschland ebenfalls nicht so einfach. Auch hier sind die Kapazitäten derzeit anderen Gruppen vorbehalten, wie etwa der Sprecher der Asklepios-Kliniken, Mathias Eberenz, mitteilt. „Als Klinikbetreiber ist es unsere Aufgabe, Patienten und Mitarbeiter zu testen. Wir treten nicht als Labordienstleister für Reisende oder Reiserückkehrer auf. Dazu sollten sich Reisende an Flughäfen oder Bahnhöfen melden." Das dürfte tatsächlich die schnellste und effektivste Variante sein.

Wer sich mit der Flugbuchung über Weihnachten noch Zeit lassen kann, sollte das wohl besser auch tun. Denn man sollte sich das Prozedere ab dem 23. November erst einmal anschauen. Vielleicht ändert sich ja auch noch das ein oder andere. Der Druck, vor allem von den Kanarischen Inseln, auf die spanische Zentralregierung wächst zusehends, statt der PCR-Tests auch die Antigen-Schnelltests zuzulassen, um den gerade wieder langsam anspringenden Tourismus in der Hochsaison auf den Inseln nicht zu gefährden. Tui-Chef Sebastian Ebel steht nach Angaben des Konzerns im ständigen Kontakt mit den Kanaren. Nach einem Treffen mit dem kanarischen Ministerpräsidenten Victor Torres wies Ebel darauf hin, dass es in Deutschland derzeit gar nicht die Kapazitäten gebe, Urlaubern einen PCR-Test im vorgeschriebenen Zeitfenster zu ermöglichen.

Gurgeltests von Reiseveranstaltern

Auch andere deutsche Reiseveranstalter haben damit begonnen, sich auf die veränderten Modalitäten einzustellen. So bietet DER Touristik in allen Reisebüros von Dertour, ITS, Jahn Reisen, Meiers Weltreisen und Travelix kostenpflichtige PCR-Gurgeltests an, die bei einer Reise- oder Flugbuchung über die jeweiligen Anbieter vor der Reise daheim vorgenommen werden können. Die Standardversion kostet für Einzelpersonen 129 Euro, zwei Personen zahlen 199 Euro. Das Ergebnis soll ein bis zwei Tage später vorliegen. Ein Expresstest für 24 Euro Aufpreis soll das Ergebnis bereits in maximal 24 Stunden liefern. Der Reiseveranstalter arbeitet dafür mit einem Labor in der Oberpfalz zusammen. 

Service: So halten es die Flughäfen in Deutschland mit den Corona-Tests

Klaus Gärtner will unterdessen auf Risiko spielen, wie er sagt. Er werde über Weihnachten auf jeden Fall eine Woche nach Deutschland fliegen und bei der Ankunft auf dem Flughafen in Palma wohl oder übel versuchen, ohne PCR-Test einzureisen. Für solche Fälle ist allerdings vorgesehen, dass ein Test angeordnet, das Gesundheitsprotokoll aktiviert und ein Geldbußverfahren eingeleitet wird. Ein Sprecher der Delegation der Zentralregierung verweist auf mögliche Geldstrafen bis zu 3.000 Euro bei leichten Verstößen, schwere Verstöße könnten sogar mit bis zu 60.000 Euro geahndet werden.

Das sind die aktuellen Corona-Zahlen auf den Balearen

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