17. November 2020
17.11.2020
Mallorca Zeitung

Die Kunsthandwerker auf Mallorca hoffen auf die Weihnachtsmärkte

Abgesagte Herbstmessen, ausbleibende Kunden und so gut wie keine staatliche Hilfen: Die Branche bangt um ihre wirtschaftliche Existenz. Dabei müsste das Geschäft jetzt eigentlich brummen

17.11.2020 | 01:00
Produziert totzdem weiter Siurells: Maria Amengual töpfert neben Krippen auch zeitlose Figuren.

Eigentlich würde Maria Amengual gerade in Arbeit untergehen. Im November und Dezember ist sie jedes Jahr neben der Produktion für den Weihnachtsmarkt in Palma de Mallorca mit Belieferungen von Geschenkläden und Preisen für Kongressteilnehmer oder andere Events voll ausgebucht. „Doch wegen Corona war ich seit der Fira del Fang im März auf keinem Markt mehr. Und selbst der nächste, für den ich mich angemeldet habe, der Weihnachtsmarkt in Palma, kann jederzeit wieder abgesagt werden", sagt die Kunsthandwerkerin, die in ihrer Werkstatt in Sa Cabaneta Siurells herstellt – typisch mallorquinische Tonfiguren. Nur da sie zum Glück keine Miete zahlen muss, könne sie sich derzeit über Wasser halten. Ein paar Aufträge habe sie zwar noch, die würden jedoch gerade einmal reichen, um die laufenden Kosten zu decken, sagt sie.

Problem "secondhand"


Kunsthandwerker wie Amengual gehören zu den am stärksten betroffenen Berufsgruppen in der Corona-Krise. Derzeit erlauben nur wenige Rathäuser auf den klassischen Wochenmärkten neben den Ständen mit Lebensmitteln auch noch welche mit Kunsthandwerk und Trödel aufzustellen. Der beliebte Sonntagsmarkt in Consell, mit der größte der Insel, fand im August noch statt, musste aber wenig später wieder schließen. „Wir können die Gesundheit der Gäste und Betreiber nichts aufs Spiel setzen. Auf dem Flohmarkt werden Dinge verkauft, die weitergereicht werden, das hohe Infektionsrisiko stecke schon im Namen „segunda mano" (secondhand), sagt die zuständige Gemeinderätin Margalida Llabrés. Der Markt werde erst eröffnet, wenn die spanische Regierung Lockerungen beschließt. Danach sieht es im Moment nicht aus. Anderswo versucht man, das Marktgeschehen ein wenig aufrechtzuerhalten.

Wie alle anderen Gemeinden auch hatte Llucmajor im Frühling während der Ausgangssperre alle Nicht-Lebensmittelstände verboten. Mittlerweile gibt es in Arenal wieder donnerstags, in Llucmajor freitags, jeweils von 9 bis 13 Uhr, auch andere Artikel, etwa Kleidung oder Kunsthandwerk. Das Angebot aber ist längst nicht mehr so groß wie vor der Pandemie. In engeren Gassen könnten wegen der vorgeschriebenen Sicherheitsabstände nicht mehr so viele Stände aufgebaut werden, sagt Gemeinderätin Noemí Getino. „Und für viele Standbetreiber lohnt es sich derzeit nicht, da deutlich weniger Besucher kommen als in Vor-Corona-Zeiten, vor allem in Arenal", so Getino.

Dennoch wolle man den Standbetreibern auch weiterhin die Möglichkeit bieten, an den Märkten teilzunehmen. Llucmajor hat die Standgebühr bis Ende Dezember um 20 Prozent reduziert. Solange sich die Situation nicht verschlimmert, wolle man an den Märkten festhalten. „Bisher ist schließlich noch kein Fall bekannt geworden, in dem sich ein Covid-19-Patient dort angesteckt hat", so Getino.

Und die Weihnachtsmärkte?


Derzeit sind auch die Verantwortlichen der Gemeinde Llucmajor mitten in den Vorbereitungen der Weihnachtsmärkte. Nach aktuellem Stand wird es wohl drei geben, jeweils einen in Llucmajor und Arenal, einen weiteren in den Urbanisationen. Die Daten stehen noch nicht fest. Statt überdachte zeltartige Stände zu mieten, setzen die Organisatoren in diesem Jahr auf Verkaufsstände an der frischen Luft und genügend Abstände zwischen ihnen.
Andernorts, etwa in Santa Ponça oder Port Adriano (Gemeinde Calvià), haben private Veranstalter die mercadillos de Navidad schweren Herzens schon abgesagt. Auch der vor allem bei Deutschen beliebte Weihnachtsmarkt im Pueblo Español wird der Pandemie zum Opfer fallen. Nach einer Outlet-Messe will das Pueblo Español erst wieder öffnen, wenn der Tourismus in Gang gebracht worden ist, teilte Sprecher Barney Ordinas auf MZ-Anfrage mit.

Puerto Portals will es unterdessen mit einem Sicherheitskonzept, ähnlich dem des „Sunset Markets" im August, vom 16. Dezember bis 6. Januar zumindest probieren. Auch eine Weihnachtsausgabe des alternativeren Rata-Markets ist für den 12. und 13. Dezember im Innenhof des Kulturzentrums Misericordià in Palma de Mallorca geplant. Das Tanzen zu Livemusik mit einer caña in der Hand und das gemeinsame Schlemmen an Foodtrucks fielen aber in diesem Jahr aus, heißt es auf der Website.

Das plant Palma de Mallorca

Im Rathaus von Palma beschäftigen sich die Verantwortlichen schon seit August damit, einen Corona-Plan für die Weihnachtsmärkte im Zentrum zu erarbeiten. „Wir tun alles dafür, dass sie stattfinden können. Das letzte Wort allerdings werden die Behörden haben, etwa das spanische und balearische Gesundheitsministerium", so Stadträtin Maria Antònia Comas. Auf der Plaça Major, wo dann hoffentlich auch Maria Amengual stehen wird, beginnt der Markt bereits am 20. November, an den anderen Orten, etwa den Ramblas oder der Plaça d'Espanya, am 26. November. Geöffnet bleiben soll bis zum 5. Januar, dem Vorabend des Dreikönigtags.

Damit die Besucher Abstand halten können, werden die Stände entweder nur auf einer Straßenseite aufgebaut oder so, dass sie mit der Hinterseite aneinander stehen. Nur knapp über 80 Standbetreiber hätten sich bisher angemeldet, deutlich weniger als in den Vorjahren. Die Standgebühr für einen Meter und Tag bleibt trotz Corona bei 1,28 Euro. „Für Strom und Sicherheitsdienst müssen die Interessenten in diesem Jahr aber weniger zahlen, unter anderem da der Standort in der Vía Roma wegfällt", so Maria Antònia Comas.

„Bei mir macht das gerade einmal einen Euro weniger aus als im vergangenen Jahr", sagt Maria Amengual. Das Rathaus und die Regierung setze sich nicht genug für die artesanos ein. „Arbeitnehmer aus anderen Branchen bekommen Kurzarbeitergeld, auch Geschäftsleute werden unterstützt. Und wir?", sagt sie. Wenn es keinen Weihnachtsmarkt geben sollte, werde Palma de Mallorca noch leerer sein, als es sowieso schon ist, so die 47-Jährige.


Inselrat setzt auf eine bessere Vermarktung

Um „Made in Mallorca"- Produkte bekannter zu machen, will der Inselrat in den kommenden Monaten eine Website schaffen, die alle möglichen Produkte bündelt. Ein weiterer Teil eines 1,7-Millionen- Euro-Budgets soll in Werbe­anzeigen fließen, mit denen heimische Firmen ihre Stoffe, Glasbläserei, Sobrassada oder Weine bewerben können. Zur besseren und einheitlichen Vermarktung der hier hergestellten Produkte hat der Inselrat die Marke „Producto de Mallorca" anmelden lassen. Zudem sollen Kunsthandwerker und andere kleine Hersteller künftig offiziell als „artesanos" anerkannt werden und damit mehr Hilfen beantragen können.

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