27. Dezember 2020
27.12.2020
Mallorca Zeitung

Parken für die Energiewende auf Mallorca

Stellflächen, Gewerbegebiete, öffentliche Verwaltung: Die balearische Linksregierung treibt die Installation von Fotovoltaikanlagen auf den Inseln nicht nur im Bereich größerer Solarparks voran. Der Weg ist noch lang – und der Fortschritt dabei sehr unterschiedlich

27.12.2020 | 01:00
Eine Pergola mit Solarmodulen obendrauf: Wie bei diesem Pilotprojekt am Krankenhaus von Inca soll es bald auf allen größeren Parkplätzen Mallorcas aussehen.

Wenn es um das Thema Fotovoltaik auf Mallorca geht, richtet sich der Blick vor allem in zwei Richtungen – auf den ländlichen Raum, wo Solarparks zur Einspeisung ins Netz ent­stehen, und auf die Dächer von Privat­häusern, wo Anlagen zur Eigenversorgung ­aufgesattelt werden. Im balearischen Energieinstitut dagegen, das seit inzwischen einem Jahr besteht und die bislang verschleppte Energiewende auf den Inseln vorantreiben soll, gibt es eine Reihe weiterer Baustellen. Wie kann es gelingen, dass alle größeren Parkplätze auf den ­Balearen mit Solarmodulen ausgestattet werden? Wie können die Gewerbegebiete in den Dienst der Sonnenenergie gestellt werden? Oder auch vor der eigenen Haustür: Welches Potenzial bietet die öffentliche Verwaltung für Fotovoltaik und Energieeffizienz?

Angesichts eines Anteils von gerade einmal drei Prozent der erneuerbaren Energien an der Produktion auf den Balearen soll keine dieser Baustellen brachliegen. Am meisten passiert derzeit in Sachen Parkplätze. Ferran Rosa, Direktor des Energieinstituts, kündigt im Gespräch mit der Mallorca Zeitung für den 23. Dezember die Vorstellung einer interaktiven ­Karte an, die das Potenzial aller Parkplätze auf den Inseln für die Aufrüstung mit Fotovoltaik­anlagen anzeigen soll. Für die Investitionen gibt es eine Frist, die das balearische Gesetz zum Klimaschutz vorgibt: Bis 2025 müssen alle größeren Parkplätze auf den Inseln mit Fotovoltaikanlagen zur Eigenversorgung ausgestattet sein. Konkret bedeutet das, dass alle neuen Stellflächen mit mehr als 1.000 Quadratmetern und alle bestehenden Stellflächen mit mehr als 1.500 Quadratmetern über Pergolen mit Solarmodulen verfügen müssen.

Wie das aussieht, lässt sich auf dem Parkplatz des Krankenhauses von Inca ansehen, wo zumindest eine Reihe von Stellflächen als Muster schon einmal umgerüstet worden ist. Weil die Krankenhäuser in die Zuständigkeit der Landesregierung fallen, kann hier direkt investiert werden. So fließen im Fall des Krankenhauses von Maó auf Menorca 2,6 Millionen Euro. Im Fall der weiteren Krankenhäuser sind angesichts fehlender Mittel öffentliche Ausschreibungen geplant: Die Parkplätze der Krankenhäuser von Inca, Manacor und Son Llàtzer sollen über Konzessionen aufgerüstet werden, die Firmen können ihre Investitionen dann über den Verkauf der Energie zurückholen. Im Fall von Son Espases, das bereits über eine Konzession verwaltet wird, ist dagegen wenig zu machen, die meisten Stellflächen befinden sich in einer Tiefgarage.

Da viele weitere Parkplätze in die Zuständigkeit der Gemeinden fallen, können diese für die Umrüstung Subventionen der Landesregierung beantragen. Eine ganze Reihe von Rathäusern sei bereits mit dabei, so Rosa, auch wenn sich die Auftragsvergabe wegen der ­Corona-Krise verzögert habe. Das Subventionsprogramm soll aber auch privaten Unternehmen zur Verfügung stehen. Vom Einkaufszentrum FAN über Alcampo bei Pont d'Inca bis hin zum Mallorca Fashion Outlet in Marratxí – vielerorts dürften in den kommenden Jahren Pergolen entstehen, die die Einkaufszentren mit Energie und ganz nebenbei die parkenden Pkw mit Schatten versorgen.

Was tun im Gewerbegebiet?

Sehr viel komplizierter ist die Situation in den Gewerbegebieten Mallorcas – auch wenn Landschaftsschützer immer wieder fordern, Fotovoltaikanlagen hier zu installieren anstatt auf der grünen Wiese. Die Reihe von Problemen, mit denen das balearische Energieinstitut in den polígonos zu kämpfen hat, ist lang und beginnt schon mit der Vielzahl unterschiedlicher Eigentümer, die mit in den Prozess der Energiewende einbezogen werden müssen. Übermäßigen eigenen Strombedarf haben die meisten Betriebe nicht, da es auf der Insel wenig produzierendes Gewerbe gibt.

Um die erzeugte Energie einzuspeisen, müsste wiederum vielerorts erst einmal das Leitungsnetz deutlich ausgebaut werden, wie Rosa zu bedenken gibt. Hinzu kommt der Zustand der Dächer vieler Betriebe in den Gewerbegebieten: Viele von ihnen müssten von Asbest befreit werden, zudem eigne sich wegen ihrer Ausrichtung auch nur rund die Hälfte für die Installation von Fotovoltaik, wie eine Studie ergab. Würde man dennoch das gesamte vorhandene Potenzial ausschöpfen, könnte man gerade einmal fünf Prozent des Energiebedarfs auf den Inseln decken – so die Rechenspiele im Energieministerium.

Das Potenzial ist Lichtjahre von unserem Bedarf entfernt", so Rosa. Aber damit die Gewerbegebiete zumindest ein Teil der Lösung werden, führe man derzeit Gespräche mit den Vertretern der Branche, bei denen man eine gemeinsame Strategie erarbeiten wolle. Eine solche könnte zum Beispiel darin bestehen, dass man den Auftrag zur Aufrüstung der Dächer in den polígonos in einer öffentlichen Ausschreibung gemeinsam vergibt.

Vier Megawatt Verwaltung

Wie viel einfacher ist da die Installation auf Gebäuden der öffentlichen Verwaltung – zumindest seitdem es dafür eine zentrale Stelle gibt. Anstatt dass jedes Ministerium und jede Stelle eigene Lösungen sucht, werden die balearenweit 813 bestehenden Verträge zur Energie­versorgung innerhalb der Landesregierung ­einer Konzessionsfirma unterstellt. Derzeit fällt ­Endesa die Aufgabe zu, in Energieeffizienz zu investieren und Solarmodule zu installieren. „Wir schaffen pro Jahr weitere rund 800 Kilowatt, inzwischen haben wir vier Megawatt installiert", so Rosa. Die meisten Solarparks auf Mallorca liefern jeweils weniger Leistung.

Es blieben kaum noch geeignete Dach­flächen von Gebäuden der Landesregierung, da neben architektonischen Gründen auch Denkmalschutzauflagen berücksichtigt werden müssten, so Rosa. In den Fokus rücken deswegen zunehmend Gebäude der Kommunen wie Schulen, Sporthallen oder etwa Seniorenheime. Auch in diesem Bereich stehen Subventionen der Landesregierung zur Verfügung.

Einfacher wäre es zumindest in der Theorie, mittels eines einzigen, riesigen Solarparks die Inseln mit Sonnenenergie zu versorgen. Laut Berechnungen wäre dafür rund ein Prozent der Fläche ausreichend. In der Praxis dagegen wird weiter um jeden Quadratmeter gekämpft.

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