04. Januar 2021
04.01.2021
Mallorca Zeitung

Balkonsturz auf Mallorca beschäftigt weiter Italiens Gerichte

Zehn Jahre ist es her, dass die 20-jährige Martina Rossi aus dem sechsten Stock eines Hotels in Cala Major in den Tod stürzte. Bald sollen Richter endgültig darüber urteilen, ob zwei Landsmänner sie mit einem Vergewaltigungsversuch dazu getrieben haben

04.01.2021 | 10:12
Freunde und Verwandte von Martina Rossi fordern noch immer Gerechtigkeit in dem Fall

Zehn Jahre ist es her, dass die 20-jährige Italienerin Martina Rossi während ihres Mallorca-Urlaubs im August 2011 von einem Balkon aus dem sechsten Stock eines Hotels in Cala Major in den Tod stürzte. Während die Gerichte auf Mallorca den Fall schnell als "balconing" - also als Balkonsturz leichtsinniger oder gar angetrunkener junger Urlauber - zu den Akten legten, beschäftigt er die italienischen Gerichte noch immer.

Zwei junge Männer, ebenfalls Italiener, waren bereits 2018 zu sechs Jahren Haftstrafe verurteilt worden, weil sie kurz vor dem Sturz versucht haben sollen, Rossi in ihrem Hotelzimmer zu vergewaltigen. Ein erstinstanzliches Gericht sah das als erwiesen an. Dem widersprach im vergangenen Juni ein Berufungsgericht, das die beiden Männer aus Mangel an Beweisen für ihre Schuld freisprach.

Nun steht ein erneutes Urteil bevor. Und auch zwei Freunden der Verurteilten drohen Haftstrafen. Sie sollen die Ermittler angelogen haben, um ihre Freunde zu schützen.

Dass der Fall in Italien überhaupt weiter verfolgt wurde, hatte die Familie der Verstorbenen erreicht. Die Eltern der jungen Frau hatten nie an die Version der Ermittler auf Mallorca geglaubt und waren selbst auf die Insel gereist, um Nachforschungen anzustellen. Sie brachten bereits im Jahr 2012 einen italienischen Staatsanwalt dazu, den Fall neu aufzurollen und im Sommer 2014 eine erneute Autopsie von Martinas Körper zu veranlassen.

Ein Selbstmord galt für die Familie als völlig ausgeschlossen. Martina sei ein fröhliches Mädchen gewesen, das sich sehr auf ihren Urlaub auf Mallorca gefreut hatte. Auch an einen Unfall infolge von Alkoholgenuss glaubten ihre Eltern nicht. Die Studentin soll nie Alkohol getrunken haben. Die Obduktion bestätigte, dass die junge Frau weder Alkohol noch Drogen zu sich genommen hatte

Hintergrund: Das Verbrechen hinter dem Balkonsturz

Die beiden Hauptverdächtigen hatten sich im Lauf der Ermittlungen in Widersprüche verwickelt. Gegenüber der Nationalpolizei in Palma hatten sie ausgesagt, in jener Nacht nicht mit Martina Rossi zusammen gewesen zu sein. Bei Befragungen in Italien gaben sie später zu, dass die junge Frau doch bei ihnen im Zimmer war.

Gegen ihre Verurteilung zu sechs Jahren Haft wegen versuchter Vergewaltigung mit Todesfolge gingen sie jedoch in Berufung. Ihre Anwälte argumentierten, dass die Vergewaltigung bereits verjährt sei und zudem nicht genügend Beweismittel für den Tathergang vorlägen. Das Berufungsgericht gab ihnen recht. Der Freispruch hatte eine Welle des Protests in Italien hervorgerufen. Auch feministische Gruppierungen gingen auf die Straße, die Eltern fochten das Urteil erneut an. Ein endgültiger Urteilsspruch wird für den 21. Januar erwartet.

Wie die MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" berichtet, droht auch den Freunden der Verurteilten eine Haftstrafe von bis zu vier Jahren. Die beiden hatten sich bei ihren Aussagen immer wieder in Widersprüche verstrickt. Auch sollen sie sich nachher dazu gratuliert haben, die Polizei hintergangen zu haben. Das Verfahren gegen sie war gestoppt worden, um zunächst den Ausgang des Hauptverfahrens abzuwarten. Ein Urteil wird für März erwartet. /somo

 

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