07. Januar 2021
07.01.2021
Mallorca Zeitung

Warum es derzeit so schwierig ist, von Deutschland nach Mallorca zu fliegen

Das Reisen in Pandemie-Zeiten bleibt ein Vabanque-Spiel: An manchen Flughäfen wird reihenweise Passagieren mit unvollständigen Corona-Unterlagen das Boarding verweigert

07.01.2021 | 09:57
Eine der wenigen Möglichkeiten, sich als Reisender in Deutschland auf das Coronavirus testen zu lassen: Centogene-Teststation am Flughafen Düsseldorf.

Was war es noch vor einem Jahr einfach, zwischen Mallorca und Deutschland hin- und herzufliegen. Online einchecken, zum Flughafen fahren und in die Maschine steigen, das war's. Die Realität in diesem Winter sieht anders aus. Nervös bis zum Anschlag steht man am Check-in-Schalter und bangt, dass man auch tatsächlich an alle Papiere, Tests, QR-Codes und andere Anforderungen gedacht hat, die die Pandemie mit sich gebracht hat. Zwar sind diese Anforderungen alle irgendwo im Internet zu finden, sie ändern sich aber auch immer wieder.

Aktueller Stand: Spanien schreibt seit dem 23. November ein negatives Testergebnis (PCR oder die in Deutschland weitgehend unbekannte Methode TMA) vor, um überhaupt einreisen zu dürfen. Dieses darf nicht älter als 72 Stunden sein, sprich, der Test darf nicht mehr als 72 Stunden vor der Einreise nach Spanien vorgenommen worden sein. Außerdem muss auf dem Dokument die Ausweis- oder Personalausweisnummer unbedingt vermerkt sein. Für Deutschland gilt ab dem 11. Januar: Wer aus einem auslän­dischen Risikogebiet wie etwa Mallorca einreist, muss sich künftig testen lassen - direkt bei der Einreise oder bereits in den 48 Stunden davor. Die Pflicht zu einer zehntägigen Quarantäne bleibt bestehen. Sie kann weiterhin durch ein negatives Ergebnis eines weiteren, frühestens am fünften Tag nach der Einreise vor­genommenen Corona-Tests verkürzt werden.

Wer also über Weihnachten oder Silvester die Familie in Deutschland besuchen wollte, der erlebte - wie der MZ-Redakteur - groteske Situationen am Flughafen. Geschätzt etwa die Hälfte der von Nürnberg nach Palma gebuchten Passagiere, die am Sonntag (3.1.) am Flughafen erschienen waren, durften aufgrund von Formfehlern nicht einsteigen. Am Schalter von Ryanair standen am Vormittag etwa 15 Personen an, um mit dem einzigen Direktflug im gesamten Januar nach Palma zu kommen. Die beiden Mitarbeiter am Schalter mussten dabei einen nach dem anderen abweisen, weil eine der Anforderungen nicht erfüllt war. Eine Frau stand mit ihrem kleinen Sohn an und legte einen PCR-Test vor, der bei der Ankunft in Palma 74 Stunden alt gewesen wäre und damit älter als die maximal erlaubten 72 Stunden. Die beiden Ryanair-Mitarbeiter ließen die Frau nicht einchecken, sie musste sich von einem anderen Flughafen einen Flug suchen und einen neuen PCR-Test organisieren.

Ebenfalls in der Schlange: Mallorca-Residentin Christina Immler (Name geändert) mit ihrem Partner und dem gemeinsamen Sohn . Auch die junge Familie wurde nicht an Bord gelassen, weil auf ihren PCR-Testergebnissen eine Ausweisnummer fehlte. „Ich konnte es erst gar nicht glauben", erzählt Immler der MZ. Beim kostenlosen PCR-Test an der tschechischen Grenze, der dort für Grenzgänger eingerichtet wurde, habe sie ihren Ausweis vorgelegt und war davon ausgegangen, dass die Nummer automatisch in den Test mit aufgenommen werde. Das war nicht der Fall.

Genauso wenig bei ihrem Freund, der sich in einem Krankenhaus hatte testen lassen. So musste die junge Familie einen neuen Flug buchen, diesmal von Frankfurt aus. „Wir haben uns noch einmal an der tschechischen Grenze testen lassen und darauf geachtet, dass auch tatsächlich die Ausweisnummer im Testergebnis eingetragen wird", erzählt Immler. Am Montag ging es dann zum Frankfurter Flughafen, wo die dortigen Ryanair-Mitarbeiter den Test zwar kontrollierten, aber nicht sehen wollten, ob eine Ausweisnummer darauf vermerkt war. Für den neu gebuchten Flug von Frankfurt aus fielen 160 Euro Mehrkosten an.

Wer nur mit Handgepäck verreiste, konnte auch noch direkt am Gate abgewiesen werden. Ein Fluggast hatte einen negativen PCR-Test mit Ausweisnummer dabei, allerdings war die Nummer fehlerhaft. Auch er musste am Boden bleiben und konnte sich kaum beruhigen.

Offenbar kommt es neben dem Abflughafen in Deutschland auch darauf an, mit welcher Airline man unterwegs ist. So kategorisch wie Ryanair gibt sich Eurowings laut einem Sprecher nicht. Die Mitarbeiter kontrollierten zwar, ob die Passagiere einen PCR-Test dabeihätten. „Für diejenigen ohne einen solchen Nachweis bieten wir eine kostenfreie Umbuchung an. Eine aktive Abladung erfolgt aber nicht durch uns als Eurowings", erklärt der Sprecher weiter. Man weise die Passagiere allerdings darauf hin, dass sie ohne Test in Palma Schwierigkeiten bekommen könnten.

Bei der Ankunft auf Mallorca stellt sich häufig heraus, dass sich niemand für den PCR-Test interessiert. Lediglich der QR-Code wird kontrolliert. Der MZ-Redakteur wurde nur gefragt, ob er einen PCR-Test gemacht hatte.

Der Aufwand, in Deutschland an ein negatives Testergebnis zu kommen, ist derweil unverändert hoch. Vielen bleibt nichts anderes übrig, als mehrstündige Autofahrten auf sich zu nehmen und sich in einer der von der Firma Centogene betriebenen Teststationen in Frankfurt, Hamburg, Berlin oder Düsseldorf testen zu lassen. Dort bekommt man auch als asymptomatische Person einen kostenpflichtigen Rachenabstrich, dessen Ergebnis häufig bereits nach wenigen Stunden eintrifft.

Dementsprechend hoch ist der Andrang, kurz vor Weihnachten mussten die Menschen teilweise mehr als sechs Stunden in der Warteschlange ausharren. Bei Facebook berichtet eine Userin, dass sie vormittags um 11 Uhr am Flughafen war, um sich testen zu lassen. Die Teststation schloss um 15 Uhr, aber wegen der langen Schlange kam sie nicht mehr an die Reihe. Am nächsten Tag musste sie sich erneut drei Stunden in die Warteschlange stellen. Seit dem Jahreswechsel ist der Andrang geringer. Die Übermittlung der Ergebnisse klappt meist innerhalb weniger Stunden, auch wenn man nicht den deutlich teureren Express-Test kauft.

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