21. Januar 2021
21.01.2021
Mallorca Zeitung

Ruf nach strengeren Corona-Regeln auf Mallorca

Der Druck in den Krankenhäusern nimmt weiter zu. Vor allem auf Ibiza schnellen die Zahlen in die Höhe

21.01.2021 | 09:29
Schon bislang gilt die Empfehlung an alle Bürger auf den Balearen, spätestens um 20 Uhr zu Hause zu sein.

Man muss intensiv suchen, um den aktuellen Corona-Zahlen überhaupt einen positiven Aspekt abgewinnen zu können. Eine „Tendenz zu einem leichten Rückgang" auf weiterhin hohem Niveau glaubte Corona-Sprecher Javier Arranz am Dienstag (19.1.) zumindest für Mallorca auszumachen, als er sich zuletzt zur Entwicklung äußerte. Am Mittwoch dann wurden balearenweit 770 weitere Neuinfektionen gemeldet – neuer Höchststand und noch einmal 242 mehr als am Vortag, was sich auch nicht mehr mit dem Wochenendeffekt er­klären lässt. Mehr als die Hälfte entfällt auf die kleine Nachbarinsel Ibiza, wo die Lage als sehr ernst beschrieben wird.

Die Höchstwerte bei den Todeszahlen – dienstags und mittwochs wurden balearenweit je zehn Corona-Tote vermeldet – werden unterdessen zum Teil mit Nachmeldungen von Anfang Januar erklärt. Gleichzeitig hat die Belegung der Intensivbetten einen neuen ­Rekordstand erreicht: Die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Balearen stieg im Wochenvergleich um weitere zehn auf 125.

Mehr Restriktionen gefordert

Vor diesem Hintergrund mehren sich die Stimmen, die eine weitere Verschärfung der Restriktionen auf den Balearen fordern. Im Gespräch war vor allem, den Beginn der nächtlichen Ausgangssperre von 22 auf 20 Uhr ­vorzuziehen. Die Grundlage dafür sollte am Mittwoch beim virtuellen Treffen von Vertretern der Regionen und der Zentralregierung gelegt werden, doch dazu kam es nicht. Corona-Sprecher Arranz hatte die Maßnahme im Vorfeld befürwortet. Dies wäre das richtige Signal an die Bevölkerung, der schon jetzt empfohlen wird, ab 20 Uhr zu Hause zu sein. Damit würde jedem der Ernst der Lage bewusst, ohne dass das öffentliche Leben noch weiter heruntergefahren werden müsse.

Doch genau dafür spricht sich ein anderer Berater der Landesregierung aus, Jordi Reina, Leiter der Abteilung für Virologie im Landesklinikum Son Espases, das die Hauptlast der Corona-Krise trägt. Mit einem neuen strengen Lockdown von zwei oder drei Wochen könnte das Gesundheitssystem wieder „zu Atem kommen". Es habe sich gezeigt, dass die bisherigen Restriktionen nicht ausreichten. Die Lage in den Krankenhäusern sei „dramatisch", auch wenn man nicht von einem Kollaps sprechen könne. Zudem verschärfe die auch auf den ­Balearen nachgewiesene britische Virus-Muta­tion die Lage zusätzlich. Wenn der Rhythmus der Infektionen unverändert anhalte, werde ein Zeitpunkt erreicht, zu dem die Betten eben nicht mehr ausreichten. „Die Bevölkerung muss sich vor dem Virus verstecken, das derzeit überall droht", so Reina gegenüber der MZ-Schwesterzeitung „Diario de Mallorca". Weitere Mediziner im balearischen Gesundheitssystem sprachen sich öffentlich ähnlich deutlich für einen harten Lockdown aus.

Gerade im Vergleich zu Deutschland fallen die derzeit geltenden Restriktionen noch ­immer weich aus. Die 7-Tage-Inzidenz ist im bundesweiten Schnitt inzwischen auf 123 registrierte Fälle pro 100.000 Einwohner gesunken. Für die Balearen gab das spanische ­Gesundheitsministerium am Mittwoch (20.1.) einen Wert von 315,8 Fällen an. Inzwischen ist zwar ähnlich wie in Deutschland die Gastronomie geschlossen. Doch geöffnet bleiben die Schulen sowie unter strengen ­Auflagen auch Geschäfte bis zu 700 Quadrat­metern.

So läuft es bei der Impfung

Von der Impfkampagne ist unterdessen keine schnelle Abhilfe zu erwarten. Bislang sind auf den Balearen mit einer Bevölkerung von knapp 1,2 Millionen Personen erst rund 23.200 Dosen eingetroffen, gut 15.400 davon wurden bis Dienstag verimpft. Rund die Hälfte entfällt auf Bewohner und Angestellte in Seniorenheimen, wo drei Wochen nach dem Impfstart nun die zweite Impfrunde begonnen hat. Da fast die Hälfte der bislang 538 Corona-Toten auf Heimbewohner entfällt, hatte die Impfung dieser Risikogruppe höchste Priorität. Im balearischen Gesundheitssystem haben derweil fast alle Angestellten, die an vorderster Front im Corona-Einsatz sind, zumindest die erste Dosis erhalten. Die Oppositionsparteien, aber auch Més, Juniorpartner in der Linksregierung, fordern ein schnelleres Impftempo, wofür aber auch mehr geliefert werden müsste. Mit einer Verimpfungsquote, die das spanische Gesundheitsministerium auf einer Basis von noch 17.340 gelieferten ­Dosen mit 84,5 Prozent angibt, liegen die ­Balearen genau im spanischen Mittel.

Die Prognosen zum Fortschritt der Impfung sind genauso vage wie heikel. Die Balearen-­Regierung geht von rund 60.000 Geimpften im ersten Quartal des Jahres aus, rechnet aber dank vermehrter Lieferungen auch neuer Impfstoffe „bis Sommer" mit bis zu 70 Prozent der Be­völkerung. Spanien-Premier Pedro ­Sánchez sprach am Dienstag von landesweit rund 70 Prozent bis „Ende des Sommers" – und löste damit einen Proteststurm bei den Hoteliers­verbänden aus: Der Sozialist solle seine Worte sorgfältiger wählen und alles daran setzen, dass die Herdenimmunität früher erreicht werde.

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