27. Januar 2021
27.01.2021
Mallorca Zeitung

Bullterrier-Attacke: Deutsche Residentin warnt vor Kampfhund

Die Frau war am Abend in der Innenstadt von Palma de Mallorca unterwegs, als ihr eigener Hund von dem Angreifer fast zerfleischt wurde. Die Polizei schaute erst einmal weg

27.01.2021 | 17:03
Der verletzte Hals des Mischlings kurz nach dem Angriff.

Den Abend des 19. Januar wird Iris Wenskowski nicht so schnell vergessen. An diesem Montag wurde der zwölfjährige Mischlingshund der deutschen Mallorca-Residentin Opfer einer Kampfhund-Attacke. Wenskowski war, so berichtet sie der MZ, kurz vor 22 Uhr mit ihrem kleinen Mischling am Mercat de l'Olivar im Zentrum von Palma de Mallorca unterwegs, um ihre letzte Runde vor der Ausgangssperre zu drehen.

Unvermittelt riss sich im Carrer Sant Miquel, rund 100 Meter von Iris Wenskowski und ihrem Ratero-Dackel-Mischling entfernt, ein großer Bullterrier samt Leine von seinem Halter los und stürmte auf die Deutsche und ihr Tier zu. Der Terrier, dessen Maulkorb nicht ordnungsgemäß über dem Maul angebracht war, sondern lediglich um seinen Hals hing, verbiss sich in Nacken und Hals des kleinen Mischlings. „Der Besitzer kam zwar direkt angerannt, konnte seinen Hund, der extrem aggressiv war, aber nicht von meinem Tier abbringen", erzählt Wenskowski der MZ am Telefon.

Bestimmt „fünf bis sieben Minuten" habe der Bullterrier seine Zähne im Hals ihres Hundes gehabt, schätzt Wenskowski, die laut um Hilfe rief. Ein Mitarbeiter der Tiefgarage des Mercat de l'Olivar eilte daraufhin herbei. Gemeinsam mit dem Besitzer des Terriers schaffte er es, die beiden Hunde zu trennen. „Verletzt und völlig verängstigt suchte mein Hund das Weite, und ich bin erst mal hinter ihm her", berichtet Wenskowski weiter. In der Zwischenzeit habe der zu Hilfe geeilte Mitarbeiter der Tiefgarage versucht, den Besitzer des Bullterriers - dem Akzent nach zu urteilen ein Südamerikaner - zur Rede zu stellen und seinen Namen zu erfahren, doch dieser sei nach einem kurzen Gespräch mit seinem Tier weitergegangen, ohne sich zu erkennen zu geben.

Der Hund von Iris Wenskowski zog sich bei dem Angriff schwere Verletzungen zu und musste noch in der Nacht in der Tierklinik Canis operiert werden. Eine zweite Operation wurde fünf Tage später nötig. Nun befindet sich das Tier auf dem Weg der Besserung. „Er hat wirklich Glück gehabt. Der Bullterrier hat haarscharf an der Luftröhre vorbei gebissen. Auch Muskeln oder Halswirbel wurden nicht durchtrennt", erzählt Wenskowski, die nun Angst hat, mit ihrem Hund auf die Straße zu gehen. Zwar habe sie den Bullterrier und ihren Besitzer seit dem Angriff nicht mehr gesehen, doch wohne der etwa 40 bis 50 Jahre alte Mann offenbar in der Nähe. Bereits vor der Attacke hatte Wenskowski das Tier hin und wieder bei ihren Spaziergängen angetroffen, wobei ihr nach eigener Aussage bereits das aggressive Verhalten aufgefallen war.

„Der Halter hat offensichtlich keinerlei Kontrolle über den Hund. Jetzt hat er mein Tier angefallen, aber wenn es das nächste Mal ein Kind ist?", fragt Wenskowski, weshalb sie am Tag nach dem Angriff zur Nationalpolizei ging, um Anzeige zu erstatten, „nicht aufgrund der Attacke an sich, sondern wegen der Gefahr, die von dem Bullterrier ausgeht", sagt sie.

Zunächst schickte man sie dort weg und verwies sie an die Ortspolizei, die über das Register gefährlicher Hunde verfüge. Bei der Policía Local war gerade Schichtwechsel, sie müsse sich auf eine zweistündige Wartezeit einstellen, wurde ihr gesagt. Außerdem habe es sich ja nur um eine „Auseinandersetzung zwischen Hunden" gehandelt, man fühle sich nicht zuständig. „Ich bin dann nochmal zur Nationalpolizei, um mitzuteilen, dass auch die Ortspolizei nicht zuständig ist. Dort war allerdings die Beamtin am Empfang entsetzt, wie man mit mir bei der Ortspolizei umgegangen ist und bat mich in den Aufnahmeraum für Anzeigen."

So konnte die Deutsche schließlich ihre Anzeige aufgeben. Hoffnung, dass diese etwas bewirkt oder sie die Kosten für die beiden Operationen - gut 400 Euro - ersetzt bekommt, hat Wenskowski allerdings kaum. Die Ortspolizei war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

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