30. Januar 2021
30.01.2021
Mallorca Zeitung

Mallorcas erstes Restaurant für Vegetarier macht zu

Nach 42 Jahren schließt das Bon Lloc in der Altstadt von Palma de Mallorca. Besitzer Juanjo Ramírez erinnert sich an Treffen alternativer Gruppen nach dem Tod des Diktators Franco in dem Lokal und an die Vorreiterrolle, die es auch im Schutz der katalanischen Sprache einnahm

30.01.2021 | 17:15
Carlos Ramírez, Àlex Ramos, Juanjo, Mercè und Paula Ramírez vor dem Bon Lloc.

Nach 42 Jahren schließt mit dem Bon Lloc das erste vegetarische Restaurant auf Mallorca. Grund ist laut den Betreibern die aktuelle wirtschaftliche und soziale Situation auf der Insel infolge der Pandemie. Vor allem für Vegetarier sind das traurige Neuigkeiten. "Es ist eine notwendige Entwicklung, die Veränderungen und neue Chancen mit sich bringt", äußerte sich Restaurant-Besitzer Juanjo Ramírez gegenüber der MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" zur Schließung. 

Das Bon Lloc wurde 1978 von Aina Llucia Clar, Mikel Mantxola und Macià Bibiloni gegründet. Damals lag es noch im Carrer del Morer, hinter der basílica de Sant Francesc im Zentrum. Es war längst nicht nur ein Restaurant. Vielmehr fanden dort auch Yoga-Stunden oder Workshops zu Ernährungsthemen statt. Das Bon Lloc wurde in einer Zeit voller Umbrüche eröffnet. Drei Jahre nach dem Tod des spanischen Diktators Franco und in dem Jahr, ab dem Frauen die Pille als legale Verhütungsmethode einnehmen konnten. Auch die Mitglieder verschiedener sozialer Bewegungen trafen sich regelmäßig im Bon Lloc, etwa die der LGBT-Bewegung (Lesbian, Gay, Bisexual and Transgender) oder Umweltaktivisten, die für den Schutz der Inseln Cabrera, Dragonera oder der Tramuntana kämpften.

"Zudem waren wir das erste Restaurant, das seine Speisekarte auf Katalanisch hatte", erinnert sich Ramírez, der die jahrzehntelang unterdrückte Insel-Sprache damit wieder aufleben lassen wollte. 

Mit den Jahren hatte sich eine Genossenschaft gebildet, die das Restaurant gemeinsam leitete. Juanjo Ramírez stieß 1986 hinzu, zeitgleich mit Tolo Ferrer, Fußballer beim RCD Mallorca, und Rafa Bermejo. Von 1990 an leitete Ramírez das Restaurant dann alleine. Im selben Jahr ist er damit dann auch in den Carrer Sant Feliu umgezogen, eine Seitenstraße des Borne. Dort sei er früher in engem Kontakt mit den Besitzern der nahegelegenen Frisör- und Weinläden oder dem Fotografen Manolo Romeu gewesen und man habe gemeinsame Sache gemacht. "Mittlerweile gibt es dort nur noch Kunstgalerien und Immobilienbüros und die Preise sind sehr hoch", so Ramírez.

Fortan konzentrierte er sich darauf, aus dem vegetarischen ein veganes Restaurant zu machen, also vollends auf tierische Produkte zu verzichten. "Hier waren wir eindeutig Vorreiter. Damals war es unvorstellbar, sich fleischlos zu ernähren. Mittlerweile ist es das Normalste der Welt", so Ramírez. Viele andere Restaurants hätten ihr Angebot dann an das des Bon Lloc angepasst. "Wir waren zudem die Ersten, in deren Lokal man nicht mehr rauchen durfte, dafür waren Hunde gestattet", erzählt Ramírez.

Die Entscheidung, zu schließen, habe er über einen längeren Zeitraum gefasst. "Ich glaube, dass die Krise eine Chance bietet, neue Herausforderungen anzunehmen", so Ramírez. Künftig will er seine Kinder und seinen Schwiegersohn (Mercè, Paula, Carlos und Àlex) bei deren Gemeinschafts-Projekt unterstützen, bei dem es ebenfalls um das Bekanntmachen der vegetarischen Ernährungsweise und von Gerichten geht. "Sie sind noch jung und voller Energie", so Ramírez.

Künftig fiebert er nun auch weiter mit den über die letzten vier Jahrzehnte gewonnenen Freunde und Gleichgesinnten der Gastronomiebranche mit: "Uns wurde zwar Mietaufschub gewährt, zahlen mussten wir die Miete später trotz sehr geringer Einnahmen dennoch. Arbeitnehmer sind durch das Kurzarbeitergeld ERTE abgesichert, uns Unternehmern aber hat man bei Krediten, Zahlungen von Strom-, Telefon- oder Internetrechnungen nicht geholfen. Wir mussten alles von unserem Ersparten bezahlen." Die Hilfen von 1.500 Euro für Gastronomen von der Balearen-Regierung und dem Inselrat begrüßt er zwar, dennoch ist die Nachfrage wegen der aktuellen Bestimmungen, die lediglich die Lieferung oder Abholung von Essen erlauben, viel zu gering, um ein Geschäft aufrecht erhalten zu können. Vor allem, wenn die Eigentümer auf die Mietzahlungen pochen, hätten die Betreiber kleiner Restaurants keinerlei Chance. /sw

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