19. Februar 2021
19.02.2021
Mallorca Zeitung

Polizei zerschlägt Netzwerk, das Einwanderern zu Papieren verhalf

Die Marokkaner zahlten vierstellige Summen für Arbeitsbescheinigungen, die eine Aufenthaltsgenehmigung ermöglichten. Mitarbeiter der Ausländerbehörde festgenommen

19.02.2021 | 09:10
Die Fassade des Büros in Palma, in dem die beiden festgenommenen Anwälte arbeiteten.

Die Nationalpolizei hat in Palma de Mallorca ein Netzwerk ausgehoben, das Einwanderer aus Marokko gegen Zahlung vierstelliger Beträge ein Aufenthaltsrecht auf Mallorca verschafft hat. Besonders delikat an der Geschichte: Unter anderem wurde am Donnerstag (18.2.) ein Mitarbeiter der Ausländerbehörde Extranjería aufgrund seiner mutmaßlichen Verwicklung in das Netzwerk festgenommen. Daneben führte die Nationalpolizei zwei Anwälte aus Palma sowie einen 33-jährigen Unternehmer aus der Fitness-Szene aus Calvià ab, wie die MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" berichtet.

Noch steht nicht fest, wie viel Geld die mutmaßlich beteiligten Personen erschlichen haben. Die Vorgehensweise war nach den Ermittlungen der Polizei stets dieselbe. Der 33-jährige Unternehmer, der laut Informationen der Zeitung "Última Hora" bereits seit mehreren Tagen in Haft sitzt und die Vorwürfe zugegeben hat, soll mehreren illegalen Einwanderern aus Marokko gegen Geld Papiere für eine Aufenthaltsgenehmigung verschafft haben.

Dafür verlangte er von den Immigranten zwischen 5.000 und 8.000 Euro pro Person und organisierte ihnen im Gegenzug eine Bescheinigung über ein angebliches Schlichtungsverfahren, das sie als scheinbar Angestellte in seinem Unternehmen mit ihm ausgehandelt hätten. Damit war ein Arbeitsverhältnis auf der Insel dokumentiert, was eine Aufenthaltsgenehmigung zur Folge haben konnte.

Um dieses Schlichtungsverfahren ordnungsgemäß durchzuführen, benötigte der Unternehmer die Mithilfe eines Anwalts, der die Papiere sammelte und dem Schlichtungstribunal vorlegte. Eine andere Anwältin soll dann mit der erfolgreichen Schlichtung zur Ausländerbehörde gegangen sein, die das Verfahren abgesegnet hat. Wie das "Diario de Mallorca" schreibt, soll der Mitarbeiter der Ausländerbehörde zusammengebrochen sein, als er zu den Vorwürfen befragt wurde.

Die Nachforschungen der Polizei unterliegen derzeit noch dem Ermittlungsgeheimnis. Es ist aber wahrscheinlich, dass es weitere Festnahmen gibt. Der 33-jährige Fitness-Unternehmer ist darüber hinaus kein Unbekannter. Bereits 2017 wurde er wegen des Handels von Drogen und Anabolika festgenommen. /jk

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