23. Februar 2021
23.02.2021
Mallorca Zeitung

So erlebte Mallorca den Putsch in Madrid am 23. Februar 1981

Der Befehlshaber der Truppen auf den Balearen galt als Hardliner der Rechten. Viele linke Politiker fürchteten Repressionen wie zu Zeiten des Bürgerkriegs

23.02.2021 | 12:27
Der damalige Bürgermeister von Palma de Mallorca, der Sozialist Ramón Aguiló (rechts im Bild, mit Schnauzer) während des Protests gegen den Aufstand der Putschisten.

Wenn Spanien am Dienstag (23.2.) dem Putschversuch vor 40 Jahren gedenkt, erinnern sich viele Menschen auf Mallorca an die Angst, die sie an diesem Tag erlebten. Der "23-F", wie die Spanier den Putsch am 23. Februar 1981 nennen, gilt im Land als zweite Geburtsstunde der Demokratie, nachdem die Franco-Diktatur mit dem Tod des Diktatoren 1975 beendet, die Demokratie aber alles andere als gefestigt war.

Am Nachmittag des 23. Februar 1981 hatte sich in Madrid das noch junge spanische Parlament versammelt, um Leopoldo Calvo Sotelo zum neuen Regierungschef zu wählen, nachdem Adolfo Suárez dem starken Druck großer Teile in der spanischen Gesellschaft nachgegeben hatte und zurückgetreten war. Um den Regierungswechsel zu stoppen und die Geschicke des Landes wieder dem Militär zu übertragen, stürmte Antonio Tejero Molina zusammen mit 200 Bewaffneten der Guardia Civil das Parlament und erklärte, dass er "im Befehl des Königs" handele.

Die Spanier verfolgten das Geschehen im Fernsehen. Auf Mallorca kamen berechtigte Ängste hoch, dass sich eine ähnliche Situation wie zum Beginn des Spanischen Bürgerkriegs ergeben könnte. Den Oberbefehl über die Soldaten auf den Balearen hatte Manuel de la Torre Pascual, der zu den Hardlinern der Militärs gerechnet wurde. Manche Militärs auf Mallorca feierten den Putsch bereits als Sieg.

Andere mussten Angst haben, dass es wie 1936 erneut zu einer Verfolgung linker Politiker kommen würde. Stellvertretend für viele erzählte die heutige balearische Ministerpräsidentin Francina Armengol, die damals neun Jahre alt war, dass sie  sich Sorgen um ihren Vater machte, der als sozialistischer Ratsherr den Abend über im Rathaus von Palma de Mallorca blieb.

Palmas Bürgermeister war damals der Sozialist Ramón Aguiló, der zusammen mit anderen linken Politikern auf die Straße ging, um gegen den Aufstand der Putschisten zu demonstrieren. Einer seiner Amtsvorgänger, Emili Darder, war 1937 von den Schergen-Francos exekutiert worden. 

Der Putsch endete, als der damalige König Juan Carlos I. sich in einer Fernsehansprache für die Demokratie aussprach und den Militärs den Rückzug befahl. Der gescheiterte Putsch hinterließ eine gefestigte Demokratie und eine gestärkte Monarchie. /tg

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