03. April 2021
03.04.2021
Mallorca Zeitung

Berliner Start-up schafft Tonnen von Hilfsgütern nach Mallorca

"Tech for Good": SPRK leitet über einen digitalen Marktplatz Lebensmittelüberschüsse in Deutschland unter anderem nach Mallorca weiter. Auch eine Spedition aus Rheinland-Pfalz ist mit von der Partie

03.04.2021 | 01:00
So standen die für Mallorca bestimmten Lebensmittel am Mittwoch (24.3.) im SPRK-Lager in Berlin.

Einige der Lebensmittel, die in deutschen Supermärkten übrig bleiben, landen nun nicht mehr im Müll, sondern auf dem Tisch von Bedürftigen auf Mallorca. „Am 26.März gingen die ersten zehn Tonnen raus", bestätigt Alexander Piutti, Gründer des Berliner Start-up-Unternehmens SPRK der MZ am Telefon. In der Osterwoche erreiche die Lieferung die Insel. Die von deutschen Residenten gegründete Hilfsorganisation Hope Mallorca verteilt sie dann an ihren Essensausgaben, darunter etwa 2,5 Tonnen Mehl, 1,5 Tonnen Wasser sowie eine Tonne H-Milch und Fruchtsaft. Auf den restlichen Paletten befinden sich verschiedene Lebensmittel sowie Hygiene- und Reinigungsmittel.

Und bei diesen zehn Tonnen soll es nicht bleiben. „Wir wollen viele Unternehmen in der Lieferkette begeistern, für eine gute Sache zu spenden", sagt Piutti. Auch dem deutschen Kinderhilfswerk Die Arche habe man „gerade 35 Tonnen bester Ware geliefert". Nach Mallorca wolle man „so viel Lebensmittel wie ­möglich" bringen. Den Transport sponsert die Normann Spedition aus Bendorf am Rhein.

Die Mallorca-Connection macht es möglich. Dass an dem Projekt ein Berliner Techie aus der internationalen Start-up-Szene, ein rheinland-pfälzischer Spediteur und die in Santanyí gegründete NGO an einem Strang ziehen, entstand über das „warme Netzwerk", wie es Piutti nennt. Die Kontakte stellte ­Sebastian Konrad her, der sowohl in Berlin als auch auf Mallorca zu Hause ist, sowohl mit ­Piutti als auch mit Hope-Mallorca-Mitgründerin Heimke Mansfeld befreundet ist und beruflich zudem gute Kontakte in die deutsche Lebensmittelindustrie pflegt. „Das ist dann alles sehr schnell gegangen", bestätigt Konrad der MZ. Nur etwa drei Wochen nach seiner ersten Idee stehen die ersten 28 Paletten nun lieferbereit in der SPRK-Halle in Berlin.

„Da braucht man keinen Antrag im Aufsichtsrat. Ich bin Gründer und kann das entscheiden", so Piutti, dessen innovatives Projekt bei der Extreme Tech Challenge (XTC) gera­de den ersten Platz in der Kategorie Smart ­Cities belegt hat. Der XTC gilt als der größte ­Wettbewerb für Tech-Unternehmen, die Gutes bewirken wollen – Tech for Good, wie das im ­Silicon Valley genannt wird. Aber auch das ­bodenständigere Bundesministerium für ­Ernährung und Landwirtschaft nominiert SPRK (ausgesprochen „Spark", wie der eng­lische Funke) für den Bundespreis 2021.

Der Funke überzeugt und soll schnell überspringen. Über ausgeklügelte Technik und ­einen digitalen Marktplatz will SPRK Lebensmittelüberschüsse möglichst effizient umverteilen und so die Verschwendung reduzieren. Das Unterstützen von NGOs wie auf Mallorca ist dabei eher ein positiver Nebeneffekt. Geld verdienen und Gutes tun, ist bei SPRK kein ­Widerspruch. Lebensmittel, die sonst beim Produzenten, im Großhandel oder im Einzelhandel übrig bleiben, werden zum Beispiel an zahlende Krankenhäuser geliefert. Das vermeidet Überproduktion und reduziert un­nötige CO2-Emissionen, erklärt der Gründer.

Was auf Mallorca gebraucht wird, stimmen die Chefs dann schnell mal per WhatsApp ab: „Alex schickt mir eine Nachricht, ob ich dieses oder jenes gebrauchen kann, und ich sag: ,Ja, schick her'", meint Mansfeld von Hope Mallorca. „Ich bin ein Pirat, ich nehme eigentlich alles", fügt sie hinzu. Mit dieser „konstanten Pipeline" wolle man künftig einmal im Monat Lieferungen organisieren. „Der Bedarf ist hier so groß, ich könnte pro Monat 45 Tonnen umsetzen", so Mansfeld.

Die meisten Lebensmittel, die Hope Mallorca an inzwischen sieben Essensausgaben verteilt, stammen natürlich nach wie vor von der Insel: von der Organisation Banco de Alimentos, vom Lions Club und vom Landwirt Matías Adrover, auf dessen Felder die ehrenamtlichen Helfer ernten dürfen. Hinzu kommt das, was man dank der vielen Spendengelder jede Woche in lokalen Geschäften auf der Insel einkaufen kann: palettenweise Reis und Nudeln zum Beispiel. „Im Moment verteilen wir etwa 34 Tonnen im Monat", so Mansfeld. „Wenn über Ostern doch noch ein paar deutsche Touristen auf die Insel kommen, dürfen sie gern morgens zu unseren Ausgaben kommen und volle Einkaufstaschen abgeben."

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