12. April 2021
12.04.2021
Mallorca Zeitung

Prozess gegen Mallorca-Prinzen nach Sturz erst einmal ausgesetzt

Jürgen zu Hohenlohe war am ersten Verhandlungstag in einer Pause gestürzt und liegt jetzt im Krankenhaus. Ihm und seiner Frau wird Anlagebetrug in Höhe von 8 Millionen Euro vorgeworfen. Staatsanwaltschaft sieht keine Beweise

12.04.2021 | 17:51
Die Angeklagten vor dem balearischen Oberlandesgericht.

Die Geschichte des "Mallorca-Prinzen" Jürgen zu Hohenlohe war schon immer für überraschende Wendungen gut, nun ist eine weitere hinzugekommen. Sein Prozess vor dem balearischen Oberlandesgericht musste bereits am zweiten Verhandlungstag erst einmal wieder ausgesetzt werden, weil der österreichische Unternehmer am ersten Tag in einer Verhandlungspause gestürzt war und ins Krankenhaus gebracht werden musste

Dort befand sich Jürgen zu Hohenlohe auch noch am Dienstagnachmittag und wartete auf eine Computertomographie am Mittwoch. In einer Mail an die Mallorca Zeitung schrieb er: "Ferner möchte ich klarstellen, dass ich nicht versucht habe, mich durch einen vorgetäuschten Unfall der Befragung zu entziehen. Ich bin in der Pause auf dem Weg zum Innenhof in der elektrischen Verkabelung der Sprechanlage hängengeblieben, deren Klebestreifen sich gelöst haben. Ich bin gestürzt und mit dem Kopf seitlich ohne Abstützung direkt auf den Fliesenboden geknallt. Resultat, schweres Schädeltrauma, Schulter und Beckenprellung und wahrscheinlich eine ganz kleine Absplitterung am Halswirbel."

Zu Hohenlohe soll gemeinsam mit seiner Frau Beatriz zwischen 2008 und 2011 fast 200 Anleger über ein Schneeballsystem um ihr Geld gebracht und damit 8 Millionen Euro erschwindelt haben. Die Anklage lautet auf Betrug und Veruntreuung. Die insgesamt 29 Nebenkläger fordern dafür acht Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft sieht hingegen keine Beweise für diese Anklage und hatte schon 2016 auf Freispruch plädiert.

Der Österreicher und seine spanische Frau waren im März 2012 festgenommen worden und verbrachten acht Monate in Untersuchungshaft. Zuvor hatten sie über ihre Gesellschaft European Investment hochrentable Investitionen, Kredite und Immobiliengeschäfte angeboten. Insgesamt nahmen sie damit an die 8 Millionen Euro ein.

Von den versprochenen Erträgen bekamen die zumeist deutschen und britischen Kunden aber nur gut 400.000 Euro ausbezahlt. Jürgen zu Hohenlohe und seine Frau argumentieren, dass sie als Finanzberater lediglich Vermittler zwischen Kreditnehmern und Kreditgebern gewesen seien. So sah das 2016 auch die Staatsanwaltschaft, als sie die Ermittlungen einstellte. Die Nebenkläger legten jedoch Einspruch ein und erwirkten letztlich den Prozessbeginn.

European Investment versprach zum Teil Renditen von 18 Prozent, nahm dafür eine Kommission und gab bis 2010 zunächst auch entsprechende Zinszahlungen an die Kunden weiter. Dann wurden die Zahlungen plözlich eingestellt. Die Geschädigten sahen ihr Geld nicht wieder, unter anderem dürfte es in der Gerichtsverhandlung darum gehen, wo es abgeblieben ist.

Der Prozess, der sich auch deswegen verzögerte, weil die Verteidigung die Übersetzung von 25 Ermittlungsordnern ins Deutsche beantragte, soll sich über mehrere Wochen hinziehen. Jürgen zu Hohenlohe beantragte gleich zu Beginn, den Verhandlungen aus gesundheitlichen Gründen nicht beiwohnen zu müssen, und legte dafür ein ärztliches Attest vor.

Zudem verwies der Österreicher auf eine Lese-Rechtschreib-Schwäche, Verständnisprobleme sowie die Notwendigkeit, ein Medikament einzunehmen. Die vorsitzende Richterin gab seiner Einlassung statt, verpflichtete den Angeklagten jedoch zur Anwesenheit am letzten Verhandlungstag. In einer darauffolgenden Verhandlungspause stürzte Jürgen zu Hohenlohe. Eine Ambulanz musste ihn zur Untersuchung ins Krankenhaus bringen. /ck

Mit dem Sturz aktualisiert am Dienstag 13.4, 19 Uhr

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