20. April 2021
20.04.2021
Mallorca Zeitung

Wie die Agromart-Märkte auf Mallorca den Markt aufrollen

In den zehn Jahren ihres Bestehens ist die mallorquinische Kette auf 21 Filialen angewachsen, weitere sind in Planung. Das Konzept: frisch und von hier - zumindest meistens

20.04.2021 | 12:58
Sprühnebel inklusive: Die Filialen von Agromart gleichen heute stylischen Gourmetmärkten.l

Es reicht schon, Fotos der neuen Agromart-­Filiale im Gewerbegebiet Son Rossinyol in Palma de Mallorca anzuschauen, um Lust auf einen Einkaufsbummel zu bekommen. Frisches Gemüse, ­ansprechend drapiert in modernen Kühlbehältern, schmucke Holzregale voller hochwertiger Säfte, ausgefallener Nudelsorten, Marmeladen und Gewürzen, dazu eine Käsetheke mit zig verschiedenen Sorten von der Insel gleich neben der Fischausgabe. Der neue Agromart, der Anfang April eröffnet hat, erinnert an eine Kreuzung aus Bioladen, Gourmet­abteilung und Marktstand.

Das war nicht immer so. Noch vor zehn Jahren war das Sortiment ungleich kleiner – und wurde ausschließlich in einer alten Lagerhalle in Porreres verkauft. „Wir hätten damals selbst nie gedacht, dass wir einmal 21 Filialen auf ganz Mallorca betreiben würden", sagt ­Rafel Figuera. Er ist einer der Gründer von Agromart und erinnert sich noch gut daran, wie er und seine Geschwister Miquel und ­Apolonia sich im Jahr 2010 mit ihrem bisherigen Konkurrenten Tomeu Lliteras zusammenschlossen. Sowohl die Figueras als auch Lliteras hatten bis dahin als landwirtschaft­liche Unternehmer in Porreres Gemüse und Obst angebaut, um es an Großkunden wie Mercapalma zu verkaufen. „Das Übliche: ­Auberginen, Tomaten, Paprika, Kürbisse, Ar­tischocken, Melonen – alles, was hier über das Jahr so wächst", so Figuera. „Es waren die Menschen im Dorf, die uns auf die Idee brachten, doch in den Direktverkauf einzusteigen. Wir wurden sehr oft danach gefragt."


Beliebt bei Ausländern

Also gründeten sie eine „Sociedad Agraria de Transformación" – die Voraussetzung dafür, eine Genehmigung für den Verkauf an den Endkunden zu bekommen. „Die Anfangsbuchstaben unserer Namen haben den Namen mitbestimmt", verrät der Agraringenieur. 2011 ­eröffnete dann der erste Laden in Porreres. „Damals hatten wir etwa 20 verschiedene Produkte im Angebot. Mittlerweile sind es über das Jahr 2.500 bis 3.000." Statt eingebettet in ein mo­dernes Einrichtungskonzept wurde das Obst und Gemüse anfangs frisch vom Feld auf einfachen Holzregalen oder direkt in den Transportkisten präsentiert. Das große Geschäft machten die Landwirte in den ersten Monaten noch nicht. „Wir nahmen vielleicht 300 Euro am Tag ein, aber das war besser, als auf die Auszahlung der Großhändler zu warten." Schnell sprach sich auch in den umliegenden Orten herum, dass es in Porreres nun Erntefrisches zu kaufen gab. „Von Anfang an hatten wir viele Kunden aus Nord- oder Mitteleuropa, häufig Residenten oder Zweithausbesitzer, die das Angebot zu schätzen wussten."

Nach und nach wurde das Konzept ausgefeilter, das Sortiment größer, und es eröffneten weitere Filialen. „Zunächst beschränkten wir uns auf die Dörfer der Insel, Palma war uns eine Nummer zu groß", so Figuera. Doch wieder waren es die Kunden, die den Anstoß ­gaben, es vor knapp drei Jahren auch in der ­Balearen-Hauptstadt zu wagen. Neben Lokalen in Artà, Binissalem, Bunyola, Campos, Inca, Pollença, Manacor, am Lokal Es Cruce, in Sa Pobla, Puerto Portals, Sa Cabaneta, Sineu, Santanyí und Sóller sind in Palma jetzt Filialen in den Straßen Blanquerna und Catalunya, in den Stadtvierteln Es Secar de la Real, Son Oliva und Son Rapinya sowie im Gewerbegebiet Son Rossinyol angesiedelt. Zwei weitere sollen in den kommenden Monaten am Carrer 31 de Desembre und an der Via Portugal öffnen.


Nicht alles ist Bio

Dass die Gründer schon lange nicht mehr in der Lage sind, die große Auswahl an Produkten allein von ihren eigenen Feldern zu beziehen, versteht sich von selbst. Mittlerweile arbeitet rund ein Dutzend ­landwirtschaftliche Unternehmen zu. „Aber selbstverständlich kommt ein nicht unerheblicher Teil noch immer von unseren eigenen Feldern bei Porreres und Felanitx. Und bei den zugekauften Produkten achten wir darauf, dass sie, wenn möglich, ebenfalls von der Insel stammen." Das geht bei exotischeren Früchten wie Ananas oder Kiwi natürlich nicht. „Aber alles, was hier wächst und gerade Saison hat, kommt auch von hier."

Nicht zuletzt hätten die Anregungen der Kunden auch die Produktauswahl geprägt. „Einige Leute fragten nach Honig, also fingen wir an, mit einem Imker zusammenzuarbeiten. Genauso ging es bei Marmelade, Wein, Käse, Fleisch und Fisch", so Figuera. Auch ausgefallenere Produkte für Veganer oder Allergiker sind mittlerweile im Programm.
Wer ausschließlich auf der Suche nach Bioprodukten ist, sollte allerdings aufpassen. „Wir haben viele Artikel aus biologischem Anbau, aber nicht alle zählen dazu", sagt Figuera. Vielmehr setze man auf integrierte Produk­tion, also eine Vorstufe der ökologischen Landwirtschaft. Immerhin sind die Unterschiede in den Läden verbraucherfreundlich gekennzeichnet: Grüne Schilder weisen die Bioartikel aus, schwarze Schilder den Rest. Hinzu kommen Fairtrade-Produkte wie beispielsweise Schokolade oder Kaffeekapseln aus recycelbaren Materialien.


Expansion trotz Corona

Dass das Unternehmenskonzept aufgeht, ist offensichtlich – schließlich hört Agromart sogar mitten in der Pandemie nicht auf zu wachsen. Allein in den vergangenen vier Monaten kamen drei neue Filialen hinzu. Die in Son Rossinyol ist mit Abstand die größte. Hier gibt es sogar Snacks zum Mitnehmen wie frisch belegte Brötchen oder Vorgekochtes. Insgesamt sind mittlerweile knapp 220 Mitarbeiter direkt bei Agromart angestellt. „Natürlich haben wir in Orten wie Artà oder Santanyí wegen Corona Verkaufsrückgänge verzeichnet, denn dort leben viele ausländische Teilzeitresidenten, die nun nicht auf die Insel kommen können. Gleichzeitig scheinen die Insulaner durch die Krise aber mehr Wert auf Produkte von hier zu legen."

Der Mentalitätswandel schlage sich in Zuwächsen beim Umsatz mit Einheimischen von knapp zehn Prozent nieder. Und das, obwohl viele Artikel etwas teurer sind als im Super­markt. Letztlich hätten sich Zuwächse und Rückgänge in der Jahresbilanz 2020 in etwa ausgeglichen, so Figuera. „Wir haben es nicht erwartet, aber wir sind nicht zu stoppen."

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