25. April 2021
25.04.2021
Mallorca Zeitung

In Sóller verfällt ein Stück Geschichte

Anwohner ärgern sich, dass der alte Weg nach Palma de Mallorca nicht ausgebessert wird

25.04.2021 | 01:00
Die neue Straße über den Coll de Sóller hatte zur Folge, dass der Camí Pujol d'en Banya plötzlich an Bedeutung verlor.

Um zu seinem Ferienhaus im Camí Pujol d'en Banya in Sóller auf Mallorca zu kommen, muss Dieter Peters eine äußerst ungemütliche Autofahrt auf sich nehmen: Der enge Weg, der von Palma de Mallorca kommend an der Ortseinfahrt von der Hauptstraße in Richtung Bahntrasse des „Roten Blitzes" nach oben abzweigt, ist voller Schlaglöcher, Risse und Geröll. Auch einige der Stützmauern am Straßenrand sind eingestürzt. „Jeder Regen spült die Löcher noch mehr aus und lässt weitere Mauern einfallen. Hier kommt im Notfall kein Feuerwehrfahrzeug hoch", so Peters gegenüber der MZ. „Und weil der Lkw über drei Tonnen schwer ist, kann ich mir nicht mal mehr Öl liefern lassen. Wir Anwohner befürchten, dass Teile der Straße bald ganz abrutschen werden und auch wir dann nicht mehr zu unseren Häusern kommen – es sei denn mit dem Esel wie früher."

Bis zur Fertigstellung der Straße über den Coll de Sóller Mitte des 19. Jahrhunderts (siehe Foto) war der Weg die einzige Verbindung aus dem Orangental nach Palma de Mallorca, hat also große historische Bedeutung. „Der Weg bestand ursprünglich, wie im Barranc de Biniaraix, aus Kopfsteinpflaster", erklärt Stadtarchivar Toni Quetglas. „Er war dafür ausgelegt, dass Menschen mit Lasttieren auf ihm entlanggehen. Später wurde der Weg dann dem Autoverkehr angepasst. Zwar nutzen mittlerweile nur noch Anwohner und Wanderer die Straße. Doch in den vergangenen 30 Jahren stieg die Zahl der Anwohner, die auf den Weg angewiesen sind.

Im Rathaus scheint die historische Bedeutung des Wegs in Vergessenheit geraten zu sein. „Die Stadtverwaltung hat bereits seit Längerem die Erlaubnis des Inselrats, die Straße zu erneuern, handelt aber nicht", kritisiert Peters. Rund 70 Anwohner seien betroffen, die ihren Wohnsitz, ein Wochenendhäuschen oder aber Olivenhaine an der Straße haben. Um nicht untätig zuzuschauen, haben sie sich in der Anwohnervereinigung Asociación de Usuarios del Camino Es Pujol organisiert und jedes Jahr Beiträge von den Mitgliedern für die Sanierung der Straße eingesammelt. Da sie jedoch zum Teil öffentlich, zum Teil privat ist, lässt das Rathaus die Anwohner nicht tätig werden. Zudem sind mit der Sanierung hohe Kosten verbunden. Immer wieder bessern die Anwohner mit Zement sporadisch einige der tieferen Schlaglöcher aus, wie Peters berichtet. Doch da die Straße mehrere Kilometer lang ist, käme man gegen die Schäden allein nicht an. „Es handelt sich auch um eine historische Straße, die erhalten werden sollte", argumentiert der 72-jährige pensionierte Arzt, der die meiste Zeit des Jahres in Münster lebt.

Die Gemeinde vertröste die Anwohner seit Jahren regelmäßig. „Erst hieß es, es gebe kein Geld, dann war die Pandemie der Grund", so Peters. Erschwerend käme hinzu, dass mit den Wahlen alle vier Jahre der Ansprechpartner wechsele. Der für die Erhaltung der Straßen zuständige Gemeinderat Juan Ruiz räumt ein, dass die Gemeinde bisher vor allem in die Aufhübschung des Ortskerns investiert habe. „So wie es andere Orte eben auch machen", sagt Ruiz. Wegen der Pandemie mussten zudem Gelder in andere Projekte fließen. Da die Straße durch ihre Lage in der Tramuntana Kulturgut sei, müsse der Inselrat auch bei der Frage miteinbezogen werden, mit welchem Material die Ausbesserung erfolgen soll. „Wohl mit ­gepresster Erde oder Beton, mit Asphalt jedenfalls nicht", so Ruiz. Vor allem der untere, stärker befahrene Straßenabschnitt solle zeitnah erneuert werden. „Hier wohnt der Großteil der Anwohner", so Ruiz, der selbst auch auf den Weg angewiesen ist, wenn er seine Verwandten besuchen will. „Die Anwohner können ­unbesorgt sein, wir werden die Straße ausbessern", verspricht er. Schon im Juni könnten die Bauarbeiten beginnen, wenn der Inselrat sein endgültiges Okay gegeben habe.

Man kann es für Peters und die Bewohner nur hoffen. „Von Alaró weiß ich, dass sie die Straße zur Burg hoch für 60.000 Euro erneuert haben. So etwas wäre bei uns auch notwendig. Sóller ist doch eigentlich eine reiche Stadt", wundert sich der Rentner.

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