29. April 2021
29.04.2021
Mallorca Zeitung

Auftakt im Sa Nostra-Prozess: Ex-Direktor Batle bestreitet Vorwürfe

Der ehemalige Chef der früheren Mallorca-Sparkasse bestritt am Mittwoch (28.4.), dass seine Fehlentscheidungen das Institut in finanzielle Schieflage gebracht hätten

29.04.2021 | 17:34
Der mallorquinische Ex-Sparkassenchef Pere Batle am Mittwoch (28.4.) vor der Nationalaudienz in Madrid.

Die ehemaligen Direktoren der zwischenzeitlich in einer Fusion aufgegangenen Mallorca-Sparkasse Sa Nostra müssen sich seit Mittwoch (28.4.) als Angeklagte vor dem Spanischen Gerichtshof (Audiencia Nacional) in Madrid verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, während der Finanzkrise ab 2008 mutwillig oder fahrlässig Entscheidungen getroffen zu haben, die 2010 zur finanziellen Schieflage des Finanzinstituts geführt haben. Sa Nostra ging später in der Bank BMN auf, die wiederum in Bankia aufging, die nun mit CaixaBank fusioniert.

Fragwürdiger Millionen-Deal mitten in der Krise

Angeklagt sind drei führende ehemalige Mitarbeiter des Geldinstituts Sa Nostra sowie ein ehemaliger Manager der Firma des inzwischen verstorbenen Unternehmers Martín Gual. Am Mittwoch (28.4.) wurde der Ex-Sparkassen-Direktor Pere Batle vernommen. Er bestritt, dass er absichtlich oder fahrlässig ein riskantes Geschäft eingegangen sei, als er dem Unternehmer Martín Gual einen Kredit über 70 Millionen Euro vermittelte, um die drei Grundstücke Son Bordoy, Morlà und Son Bordanet in Palmas Küsten-Stadtviertel Molinar zu kaufen. Die Grundstücke gehörten zwei Unternehmen, die sich in großen finanziellen Schwierigkeiten befanden und die ebenfalls Sa-Nostra-Kredite erhalten hatten. Batle erklärte vor Gericht, dass er die Entscheidung auch aus heutigen Gesichtspunkten für richtig halte, dass das einzige Ziel des Projekt darin bestanden habe, ein gutes Geschäft für die Sparkasse zu machen, und dass er die Entscheidung jederzeit wieder treffen würde.

Gutachten hatten die Finanzaktion als riskant und kritisch bewertet, zumal sie die Bonität der Unternehmen von Martín Gual anzweifelten. Laut Anklage handelte es sich bei der Kreditvergabe um eine nicht rechtmäßige Aktion. Der Sparkassen-Direktor hielt dagegen, dass es sich bei Gual um einen langjährigen und sehr erfahrenen Kunden der Sparkasse handelte, der sein vollstes Vertrauen genoss. Die zu kaufenden Grundstücke sollten in Bauland umgewidmet und mit bis zu 750 Wohnungen bebaut werden. Die Krise machte die Pläne zunichte. Außerdem steckte Gual das Geld teilweise in andere Projekte. Die Grundstücke gingen schließlich für einen Preis von 15 Millionen Euro an Sareb, die spanische "Bad Bank".

Vier Jahre Haft und 125 Millionen Euro Entschädigung gefordert

Am Donnerstag (29.4.) werden drei weitere Angeklagte vernommen. Dabei handelt es sich um Pau Dolç, ebenfalls ehemaliger Direktor der Sparkasse Sa Nostra; Rafel Oliver, Geschäftsführer der zur Sparkasse gehörenden Gesellschaft Invernostra, sowie einen leitenden Angestellten der Firma des verstorbenen Unternehmers Martín Gual. Die Staatsanwaltschaft fordert vier Jahre Haftstrafe wegen Wirtschaftsdelikten. Außerdem fordert die Nachfolgebank Bankia Entschädigungen in Höhe von 125 Millionen Euro. /tg

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