17. Mai 2021
17.05.2021
Mallorca Zeitung

Megapark-Schläger in Palma de Mallorca zu zwei Jahren Haft verurteilt

Gefängnisstrafe wird fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Die beiden Hooligans und Neonazis hatten 2019 einen senegalesischen Türsteher schwer verletzt

17.05.2021 | 11:20
Polizisten vor dem Vergnügungslokal Megapark, auf einem Archivbild.

Die beiden rechtsradikalen Hooligans aus Leipzig, die 2019 einen senegalesischen Türsteher in der Großdiskothek Megapark so schwer verletzten, dass er nunmehr linksseitig gelähmt ist und seiner Arbeit nicht mehr nachgehen kann, sind am Montag (17.5.) in Palma de Mallorca zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.

Dank einer außergerichtlichen Einigung, die auch die Zahlung von 150.000 Euro Schmerzensgeld vorsieht, wird die Gefängnisstrafe für fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Das Geld haben die Deutschen bereits überwiesen.

In den fünf Jahren dürfen sie auch nicht auf die Balearen reisen. Bei Verstoß müssen sie die zweijährige Haftstrafe antreten. Das Gericht verordnete zudem ein zwölfjähriges Kontaktverbot, von dem nun noch zehn Jahre ausstehen. In dieser Zeit dürfen die Deutschen dem Senegalesen nicht näher als 500 Meter kommen und ihn auch nicht über soziale Medien oder sonstige Wege kontaktieren.

Das Urteil bleibt weit hinter den je 13 Jahren Haft zurück, die die Staatsanwaltschaft wegen schwerer Körperverletzung mit fremdenfeindlichem Hintergrund gefordert hatte. Auch einer der Anwälte der Verurteilten sagte der MZ, dass ohne die Einigung sicherlich eine Haftstrafe von sieben bis acht Jahren auf seinen Mandanten zugekommen wäre. 

Die beiden Verurteilten Robert F. und Johannes H. waren zum Prozessauftakt per Videokonferenz aus Deutschland zugeschaltet worden. Sie beschränkten sich jedoch darauf, der Einigung mit einem "Ja" zuzustimmen und in die ihnen auferlegten Bedingungen einzuwilligen.

Beim Prozess wirkten die Deutschen gefasst. Da der Bildschirm der Richterin zugewandt war, kam es zu keinem Blickkontakt mit dem Opfer. Der Senegalese kam mit etwas Verspätung leicht humpelnd mit einem freundlichen Lächeln in den Gerichtssaal und nahm unter den Zuschauern Platz.

Nach dem kurzen Prozess verließ er mit seinem Anwalt das Gerichtsgebäude, ohne Pressefragen zu beantworten. "Ich würde gerne reden, aber mein Anwalt hat mir davon abgeraten. Ich soll das Kapitel abschließen", sagte er auf MZ-Nachfrage.

Brutale Attacke im Megapark

Robert F. und Johannes H. waren im Juni 2019 mit einer größeren Gruppe gewaltbereiter Fußballfans der Region Leipzig nach Mallorca gereist. Zu dem Streit im Megapark war es gekommen, nachdem der Türsteher während eines Marc-Terenzi-Konzerts einen Freund der beiden Leipziger dazu aufgefordert hatte, die Bühne zu verlassen. Die hinzugekommenen Robert F. und Johannes H. seien dann auf den Türsteher losgegangen. Robert F. habe ihm einen Faustschlag in den Nacken versetzt, Johannes H. ihm die Beine wegzogen und zu Boden gestoßen. Danach sollen beide auf ihr Opfer eingetreten und eingeschlagen und dabei rassistische Beleidigungen geschrien haben.

Der Türsteher trug schwere Verletzungen an der Wirbelsäule und am Rückenmark davon und musste ein halbes Jahr lang auf der Intensivstation, im Krankenhaus und bei der Reha ärztlich behandelt werden. Er hat seither linksseitig Lähmungen an Arm und Bein. Entschuldigt für die Tat habe sich bei ihm noch keiner, sagte er vor dem Prozess der MZ.

Die beiden Deutschen waren nach dem Angriff von anderen Besuchern sowie Megapark-Mitarbeitern festgehalten worden. Die Ortspolizei entdeckte bei der Überprüfung der Personalien auf ihren Handys Ku-Klux-Klan- und Hakenkreuz-Bilder. Sie wurden festgenommen und verbrachten zunächst ein Jahr in Untersuchungshaft auf Mallorca. Seither befinden sie sich wieder in Deutschland.

Laut Anklageschrift sind die beiden Deutschen nicht vorbestraft. Wie Leipziger Medien berichten, sollen sie aber ständige Mitglieder in der Hooligan- und Neonazi-Szene sein. So soll Robert F. an organisierten Schlägereien teilnehmen und in einem Kampfsportclub, das von einem Neonazi betrieben wird, trainieren. Johannes H. soll sich der Querdenkerbewegung angeschlossen haben. /rp

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