28. Oktober 2020
28.10.2020
Mallorca Zeitung

Auswandern mit drei Generationen

Roy Brummund ist zusammen mit seiner Frau Saskia, Sohn Aaron und den Schwiegereltern 2016 nach Mallorca ausgewandert. Wie seine Familie die Folgen der Corona-Pandemie beruflich und privat zu meistern weiß, hat er uns verraten.

28.10.2020 | 16:42
Fühlen sich in ihrem Haus in Son Veri Nou richtig wohl: Saskia und Roy Brummund mit den Kindern Aaron (9) und Lia (3).

Roy Brummund blickt durchaus entspannt auf die vergangenen Wochen zurück. Während viele Auswanderer wegen der Corona-Pandemie beruflich ums Überleben kämpfen müssen, hat ihn die Krise nur wenig getroffen. „Aber nur, weil ich von Beginn unserer Auswanderung an beruflich auf mehrere Standbeine gesetzt habe." Mehrere Geschäfte unterschiedlicher Branchen stemmte der 48-Jährige auch schon vor der Krise. Während des Lockdowns zeigte sich, dass sich dies auszahlte. „So war es möglich, Ausfälle zu kompensieren."

Ausgewandert ist Brummund mit seiner Frau Saskia, Sohn Aaron und den Schwiegereltern im März 2016. „Ich wollte schon immer aus Deutschland weg", erzählt er dem MZ-Reporter auf der Terrasse seines Mietshauses in Son Veri Nou. „Es war alles so spießig dort, und außerdem machte mich das Wetter einfach nicht glücklich." Den Traum, nach Mallorca auszuwandern, habe er schon lange gehabt. Doch seine Frau spielte zunächst nicht mit. „Ich wollte meine Eltern nicht allein lassen, und außerdem mochte ich meinen Job", so ­Saskia Brummund. Als die heute 44-Jährige dann aber ihre Anstellung wechseln musste, beschäftige auch sie sich mit dem Ortswechsel.

Durch die TV-Sendung „Mieten, kaufen, wohnen" inspiriert konnten sich schließlich auch Saskias Eltern ein Leben in Spanien ­vorstellen – und der Beschluss, die Drei-Generationen-Auswanderung anzugehen, war gefasst. Schnell war das Haus in Deutschland ­verkauft und neue Wohnungen zunächst in Es Puigderrós gefunden. Rund ein Jahr später wurde die kleine Lia geboren. „Eine waschechte Mallorquinerin", sagt Saskia Brummund.

Auch beruflich glückte der Start ins neue ­Leben: „Die Idee war, dass ich zunächst mein Business, das ich vorher schon hatte, von Mallorca aus weiter betreibe", so Roy ­Brummund. Mit einem Partner hatte der Unternehmer unter anderem die Lizenzo Trends 24 GmbH auf­gebaut, die Komplettlösungen für E-Com­merce-Shops und Online-Marktplätze anbietet. „Mein Partner und die Mitarbeiter arbeiteten weiter in Ahrensburg und ich von Mallorca aus." ­Immer wenn es nötig war, flog Brummund für Termine nach Deutschland.

Irgendwann fehlte dem gebürtigen Stader aber der Kontakt zu Kunden. „Ich wollte davon weg, nur virtuell zu arbeiten", erinnert sich der heutige Mallorca-Resident. Als ein Bekannter ihm das Angebot unterbreitete, in ein gemeinsames Immobilienbüro zu investieren, griff Brummund im April 2019 zu. Als Franchise-Nehmer von „Von Poll Immobilien" sind die ­beiden in ihrem Büro in Llucmajor seither für den Südosten der Insel zuständig. „Das erste Jahr lief richtig gut", so Brummund.

Doch dann kam das Coronavirus auf die ­Insel. „Immobilien-Anfragen brachen in kürzester Zeit komplett ein." Da auch die beiden ­Immobilienmakler ihr Büro mit Beginn des Lockdowns im März schließen mussten und damit auch keine Besichtungen möglich waren, sei kein einziger Kunde mehr gekommen.

Nun zahlte es sich aus, dass Brummund auch weiterhin sein Unternehmen in Deutschland hatte, das er zwischenzeitlich komplett übernommen hatte. Mit Beginn der Corona-Zeit seien hier die Anfragen in die Höhe geschnellt: „Die Nachfrage nach Online-Shops und virtuellen Marktplätzen war plötzlich ­riesig." Viele Unternehmen und Existenz­gründer setzen seit der Pandemie vermehrt auf das Online-Geschäft. Um alle Anfragen beantworten zu können, arbeitete der 48-Jährige nun mehr denn je.

Da Schulen und Kitas lange Zeit geschlossen waren, kümmerte sich Saskia Brummund derweil vor allem um die Kinder. „Während Aaron am Laptop Unterricht hatte, bastelte und backte ich mit Lia", so die gelernte Personalfach­kauffrau. „Das klappte eigentlich alles ganz gut – auch wenn wir nicht auf Spielplätze durften." Nur Saskias Mutter machte der Familie Sorgen. Denn die 67-Jährige hatte Ende Februar einen Herzinfarkt und sollte eigentlich operiert werden. „Doch während des Lockdowns wurde die OP immer wieder abgesagt." Erst im Juni konnte Saskia mit ihrer Mutter wieder ins Krankenhaus. „Die Ungewissheit, wie schlimm es um meine Mutter bestellt ist, war wirklich zermürbend." Glücklicherweise stellte sich nach der langen Zeit heraus, dass die Seniorin keinen Stent gesetzt bekommen musste.

Mittlerweile hat sich die Seniorin erholt, und auch die Immobiliengeschäfte des Schwiegersohns laufen wieder an – wenn auch ver­ändert: „Wir haben heute mehr Spanier als ­Kunden, die ihre Ferienwohnungen zur Langzeitmiete anbieten wollen." Bereut hat die Drei-Generationen-Auswanderertruppe den Schritt, nach Mallorca zu gehen, bisher nicht. Auch ­Corona habe nichts daran geändert. „Und wo sollten wir denn auch hin? Corona ist ja überall – und hier fühlen wir uns richtig wohl, gut aufgehoben und sicher", so Roy Brummund.

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