28. Oktober 2020
28.10.2020
Mallorca Zeitung
Peggy, die Legende von der Playa

Adios, Peggy! Die Königin der Nacht tritt ab

Elke Mohn alias Peggy, die Königin der Nacht, hat sich nach 30 Jahren aus ihrer Kultkneipe zurück gezogen. Wir haben sie an einem ihrer letzten Abende in ihrer Bar in zweiter Linie an der Playa de Palma, zwischen dem Balenerio 1 und 2, besucht und den einen oder anderen Kümmerling zusammen getrunken. Ein feuchtfröhlicher Rückblick

28.10.2020 | 17:55
Peggy, die Königin der Nacht (rechts), zieht sich als Inhaberin ihrer Kultkneipe zurück.

Peggy ist da, wenn Peggy da ist. 30 Jahre konnte man sich auf diesen Grundsatz verlassen, wenn man die Wirtin der Kultkneipe „Königin der Nacht" in Arenal höchstpersönlich treffen wollte. Denn Peggy entscheidet stets selbst, wann sie wo auftaucht. Auch zu unserem Interview, das wir am vergangenen Montag in der kleinen Bar am Carrer del Germà Bianor in zweiter Linie zwischen Balneario 1 und 2 führen wollen. Für 21.15 Uhr sind wir verabredet, doch Elke Mohn alias Peggy kommt erst um kurz vor 22 Uhr – wie immer herausgeputzt, in einer weißen, ­engen Hose, dazu eine stylische Jacke im Flecktarn-Look, um den Hals ein riesiges Kreuz aus Metall. Ihre roten Haare hat sie zu zwei seit­lichen Zöpfen gesteckt – „wie die Pippi Langstrumpf", sagt die Kultwirtin.

Eine Legende an der Playa de Palma

„Peggy ist da, Peggy ist da", hören wir ­Giovanna ausrufen. Die 76-jährige Italienerin und gute Freundin von Peggy hilft seit rund vier Jahren in der Kneipe aus. Sie klingt ein bisschen wie ein Zeremonienmeister, der die Ankunft der Königin ankündigt. Und irgendwie stimmt das ja auch. Peggy ist die Königin der Nacht. Seit mehr als 30 Jahren gehört sie zum Nachtleben an der Playa de Palma einfach dazu, zunächst als Kellnerin an der Bierstraße, seit 1991 mit ihrer eigenen Bar. Nun soll damit Schluss sein. Peggy zieht sich als Bardame zurück. „Es reicht einfach, ich habe genug", verrät sie später im MZ-Interview.

Doch bevor wir sprechen können, begrüßt die Legende von der Playa ausgiebig zwei Gäste am Stehtisch vor dem Eingang. Es dauert nicht lange, bis die ersten zwei Kümmerling-Fläschchen der Königin serviert werden. „Trinkste ­einen mit? Nä? Gut, dann sind des meine – aber du zahlst!", raunzt Peggy in ihrer betont unfreundlichen Art der jungen Frau zu, die an ­diesem Abend ihren 25. Geburtstag bei Peggy feiert. Wirklich böse meint es Peggy aber nie. „Das ist eben meine Art – und dafür lieben die Leute mich", sagt die 75-Jährige, während sie die kleinen Fläschchen mit einem Nussknacker aufdreht. „Das mache ich schon immer so – sonst bekommste ja Gicht in den Fingern." Jetzt lächelt Peggy. „Hoch den Rock, rein den Stock", ruft sie mit ihrer kratzigen Stimme.

Zwei Schnäpse freihändig und auf einmal

Dann stellt Peggy die beiden Fläschchen vor sich auf den Tisch, beugt sich darüber und nimmt beide auf einmal mit dem Mund auf. Der Kopf kippt nach hinten und Peggy ext die Schnäpse freihändig weg. Es sollen an diesem Abend nicht die einzigen sein. Auch Stammgast Jens ist da, mit seinem Vater, der Peggy ebenfalls begrüßen will. Und das geht natürlich am besten mit ihrem Lieblingsgetränk auf Kosten der Gäste. „Wer zu mir kommt, muss mir erst einmal einen Kümmerling ausgeben – sonst kann er direkt wieder abhauen", sagt sie.

Seit 30 Jahren ist das Peggys Devise – und das war irgendwie auch der Grund dafür, dass die gebürtige Schwäbin ihre Bar in Arenal eröff­nete: „Bekannte haben mich damals gefragt, warum ich im Lokal eines Fremden schaffe und für den Bier und Schnaps verkaufe, statt es in meiner eigenen Bar zu tun und mir dort von den Gästen Kümmerlings spendieren zu lasse." Also übernahm sie die kleine Bar in ­Arenal. „Das war hier Sodom und Gomorra, eine total runtergekommene Bude", erinnert sich Peggy. „Es gab nur Klappstühle vom Campingplatz, überall waren Kakerlaken, und ich musste alles renovieren."

Eine Bar wie ein Museum

Heute wirkt das Lokal wie ein Museum. Kaum eine Stelle an den Wänden ist nicht behängt mit Fotos, Trikots, Zeitungsartikeln oder Autogrammkarten von Promis, die hier schon Schnäpse spendiert haben, wie Matthias Reim und Roberto Blanco. Dazwischen hängen Schürzen mit nackten Männerkörpern, auf ­denen Dildos befestigt sind. Peggy hat eine Schwäche für Phallussymbole. So thront auch auf dem Bierzapfhahn ein Plastikdildo, Flaschenöffner und andere Utensilien in der Bar haben die gleiche Form. Die Deko passt zu ­Peggys mitunter derben Art, sie wirft gern mit obszönen Kraftausdrücken um sich.

Leiser wird Peggy, als sie beim Blick auf die vielen Fotos in Erinnerungen schwelgt. Auf ei­nigen Schwarz-Weiß-Fotografien lächelt eine junge Peggy, die sich in Pose geworfen hat. „Ich war ja mal Model", erzählt sie stolz. „Wegen meiner schönen Augen standen alle auf mich." Für ­einen Friseursalon modelte sie das erste Mal. „Da war ich noch keine 18 Jahre alt", sagt Peggy. ­„Eigentlich hätten meine Eltern zustimmen müssen, doch ich war schon damals so, dass ich selbst über mein Leben bestimmte."

Später habe sie für die Illustrierte „Constanze" vor der Kamera gestanden. „Die heißt heute ,Brigitte'." Selbst das Fernsehen sei auf sie aufmerksam geworden. In einem „Tatort" spielte sie eine Tankstellenmitarbeiterin, die über­fallen wird. Zu diesem Zeitpunkt habe sie in Saarbrücken direkt neben jener Tankstelle gewohnt, in der die Filmcrew die Szene drehen wollte. Wie genau es dazu kam, dass am Ende sie vor der Kamera stand, daran kann sich Peggy heute nicht mehr so recht erinnern.

Woran sie sich dagegen noch genau erinnert, war ihre angebliche Liebschaft mit Jürgen Drews. Immer, wenn sie ihre Bar nachts zugemacht habe, sei sie noch in den Bierkönig oder den Megapark gegangen, wo sie regelmäßig auch auf Drews gestoßen sei. „Da traf dann die Königin der Nacht auf den König von Mallorca." Noch heute bezeichnet Peggy den Ballermann-Sänger als ihren „Stecher".

Ein Foto hinter der Theke zeigt die Mittvierzigerin am Eröffnungstag ihrer Bar. Neben dem Datum 1. April 1991 prangt eine 84 auf dem Bild. Das war freilich nicht die Zahl der Gäste, sondern die Anzahl der Kümmerling-Schnäpse, die Peggy an jenem Abend getrunken hat. „An normalen Abenden trinke ich nur so 30 bis 40 – je nach dem, wie viele Gäste da sind und wie ­viele ich bezahlt bekomme."

Zu Peggys Geburtstag gab's Champagner

Wie viele es am 8. März waren, weiß sie nicht mehr so genau. Eine Woche vor dem Lockdown hatte Peggy an diesem Tag rund 200 Gäste zu ­ihrem 75. Geburtstag eingeladen. „Es gab Champagner und tolles Essen für alle kostenlos", berichtet Peggy. „Nur die Kümmerlings, die ich an diesem Abend hatte, mussten natürlich meine Gäste zahlen." Mit Freude blickt sie auf diesen Abend zurück, der der schönste Moment in den vergangenen 30 Jahren gewesen sei. „Alle haben für eine Kreuzfahrt zusammengeschmissen", so Peggy, die regelmäßig im Winter ihre Bar zumachte und dann mit Aida & Co. über die Weltmeere schipperte. Wann sie nun ihre Geburtstags-Kreuzfahrt antreten kann, ist wegen der Corona-Krise noch ungewiss.

Bis dahin wird Peggy aber noch den einen oder anderen Abend in ihrer Bar verbringen. Denn auch wenn sie nun die Regentschaft offiziell abgibt und die Bar samt all der Erinnerungen, Fotos, Dildos und Fußballtrikots mittlerweile von einer befreundeten Gastronomin übernommen wurde, das Zepter gibt die Königin der Nacht noch lange nicht aus der Hand: „Ich werde auch weiterhin hier sein, wenn meine Fans es wünschen. Und dann trinke ich Kümmerling eben nicht mehr hinter, sondern vor der Theke." In diesem Sinne: Prost, liebe Peggy! Die Runde geht auf uns.

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