24. Juni 2010
24.06.2010

Bildungsmisere: Sprechen wir über die Lehrer

24.06.2010 | 11:29

Wieder einmal sind die Grundschulen der Balearen bei einer spanienweiten Studie durchgefallen. Jede Diskussion darüber muss den Hinweis enthalten, dass Lehrer einen sehr schwierigen Beruf ausüben, gerade auf den Inseln unter schwierigen Bedingungen. Doch eine Gesellschaft muss von Lehrern viel verlangen. Sie tragen oft entscheidend dazu bei, wie glücklich eine Kindheit sein darf, und ob Lehrinhalte zu Leidenschaft oder Allergie führen.

Daher befremdet, wenn zum Beispiel ein ganzes Dorf vom Bürgermeister abwärts verzweifelt darauf wartet, dass eine zertifizierte pädagogische Tieffliegerin endlich pensioniert wird, weil sie nur so vom Direktorsessel der örtlichen Schule entfernt werden kann. Wenn ein „Pädagoge" sich an seinen in Marmor gehauenen Lehrerposten klammert, indem er aus seiner Freistellung jeweils nur für die Ferien zurückkehrt, mit der Folge, dass die Schüler in jedem Quartal eine andere Ersatzkraft vor sich haben. Wenn ein Direktor Schülern das Gatter buchstäblich vor der Nase zuknallt und absperrt, sobald sie eine Sekunde zu spät kommen. Wenn kaum noch ein Kind mit den (neuen) Lehrern einer anderen Dorfschule aufs Sommercamp fahren will, worauf die Veranstaltung „wegen mangelnden Interesses" gestrichen wird. Wenn eine Englisch-Lehrerin dermaßen miserabel Englisch spricht, dass neunjährige Schüler sie korrigieren. Wenn Schularbeiten mit grammatikalischen Fehlern ins Haus flattern – in den Korrekturnotizen der Lehrer! Und wenn Vorsprachen bei der Schulinspektion keine Folgen haben, weil man dort Kollegen nicht wehtun will.

Im regionalen Ministerium könnte man zumindest einige Problemherde identifizieren, indem man Statistiken mit kritischem Auge liest (sofern die Schule einem das beigebracht hat ?). Wenn etwa schlagartig mehrere Eltern ihre Kinder aus einer bestimmten Dorfschule nehmen, müsste die Alarmglocke schrillen. Die Bildungsmisere hat viele Ursachen. Einem Kollektiv, das gerne Noten vergibt, sich aber erfolgreich dagegen wehrt, selbst benotet zu werden, sollte nicht erlaubt werden, sich aus der Debatte zu stehlen.

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