29. September 2011
29.09.2011

Mehr Augenmerk auf häusliche Gewalt

29.09.2011 | 10:37

Eine Frau, die Mutter einer dreijährigen Tochter, springt aus dem Auto und stürzt sich von einer Autobahnbrücke. Die 34-jährige Bulgarin wird gleich von mehreren Autos überfahren. Am Tag darauf ist ein Gerichtstermin angesetzt, weil ihr Ex-Mann, ein bekannter deutscher Arzt auf der Insel, sie 2009 grün und blau schlug. Der Gerichtstermin wird aufrechterhalten, ihr Mann bekennt sich schuldig.

Viel mehr gesicherte Fakten zu diesem Drama gibt es nicht, und es ist müßig, über die Hintergründe zu spekulieren, wie es derzeit in der Insel-Community geschieht. Was in ihrer privaten Hölle wirklich geschah, wissen, wussten nur die unmittelbar Beteiligten; der Arzt und seine Tochter werden noch ihr Leben lang daran zu tragen haben.

Der fürchterliche Tod dieser Frau könnte aber dazu dienen, ein Phänomen stärker in den Fokus zu rücken, das zumindest in der deutschen Öffentlichkeit nur am Rande wahrgenommen wird: das der häuslichen Gewalt. In Spanien ist das anders. Hier wird seit nunmehr fast 15 Jahren über jeden Fall von prügelnden und tötenden Freunden, Geliebten oder Ehemännern Rechnung geführt, hier wird auch in den nationalen Medien jeder Mord aufmerksam registriert, hier werden für jedes Opfer Schweigeminuten gehalten, hier greifen Richter und Polizei meist sofort und hart ein, wenn auch nur der geringste Verdacht auf Misshandlungen vorliegt. Die Aufmerksamkeit ist so groß, dass zwischenzeitlich sogar der Eindruck entstehen konnte, dass häusliche, zumeist männliche Gewalt in Spanien häufiger vorkommt als in anderen Ländern.

Dem ist nicht so. In Deutschland dürfte es proportional mindestens genauso viele und wahrscheinlich sogar mehr dieser Fälle geben – nur werden sie dort noch nicht einmal statistisch erfasst.

Sich mit diesen Verbrechen auseinanderzusetzen, ist der erste Schritt, sie zu verhindern. Das gilt für die misshandelten Frauen, die ihren Männern Gewalt nicht nachsehen dürfen, aber auch für alle anderen. Hemmungen, in solchen Fällen rasch die Polizei zu informieren, haben schon zu oft tödliche Folgen gehabt.

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