14. Juli 2018
14.07.2018

Integration funktioniert nicht durch Räumungsbeschlüsse

14.07.2018 | 07:54

Erzähle mir die Vergangenheit, und ich werde die Zukunft erkennen." Was der chinesische Philosoph Konfuzius Hunderte Jahre vor Christus sagte, kommt einem unwillkürlich in den Sinn, wenn man sich durch Zeitungsarchive wühlt, um zur Entstehung von Son Banya auf Mallorca zu recherchieren. Jenem „Schandfleck der Ferieninsel", wie die Siedlung bei Son Ferriol oft genannt wird. Es ist grotesk, mehr als 50 Jahre alte Titel zu lesen, die jenen auf gespenstische Art ähneln, die in der aktuellen Inselpresse stehen. Sei es zum Mangel an Sozialwohnungen, zum Elend der Roma oder zum Widerwillen der Immobilieneigentümer, Wohnraum an gitanos zu vermieten. Und es mutet grotesk an, dass es tatsächlich Menschen gegeben zu haben scheint, die davon überzeugt waren, dass die Schaffung einer Barackensiedlung außerhalb der Stadt letztlich Probleme lösen, ja, Integration fördern könnte. Entgegen der Stimmen, die vor Gettoisierung warnten.

Oder war die Barmherzigkeit vorgeschoben? Ging es letztlich doch nur darum, die „Rasse der Zigeuner", wie in Franco-Spanien gern zu sagen gepflegt wurde, an einem Ort zusammenzupferchen, an dem sie weder den Bau der Flughafen-Autobahn störte, noch dem Blick der ankommenden Touristen ins Auge fiel? Darauf hin deutete die Vernachlässigung der Infrastruktur und der Sozialleistungen Son Banyas durch die Behörden schon wenige Jahre nach dem Siedlungsbau. Vermutlich, so kann man nur spekulieren, war es eine Mischung aus beidem.

Was der Blick in die Vergangenheit aber umso deutlicher zeigt, ist, dass Integration nicht funktionieren kann, wenn sie bedeutet, dass eine Ethnie mit Abrissbescheiden und Umsiedlungen dazu gezwungen wird, ihr Sein zu verändern, ohne ihr direktes Mitspracherecht zu geben. Und erst recht nicht, wenn nur wenig tatsächliche Unterstützung geboten wird. Das war damals der Fall, und es scheint heute in gewisser Weise ähnlich zu sein. Natürlich ist Integration der Roma wünschenswert und wichtig. Doch es kommt auf das Wie an. Es ist Zeit, endlich aus der Vergangenheit zu lernen!

Hintergrund: die Geschichte des Drogensupermarkts von Son Banya

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