08. Januar 2019
08.01.2019
BLOGS

Rechtsnachhilfe

Ein neuer Satire-Beitrag im Blog Mallorcapriolen von Heinz Joachim Rogel

08.01.2019 | 17:27
Kiko Mestre und Blanca Pou nach dem Erhalt ihrer Materialien.

Im Folgenden wird ein Telefongespräch zwischen Alexander Menendez, dem Referenten des US-Justizministers Matthew Whitaker, Washington, und dem spanischen Ermittlungsrichter Ignat Queso, Palma, schriftlich wiedergegeben. Mit Rücksicht auf diejenigen Leser des MALLORCA MERKUR, die des Spanischen nicht mächtig sind, wurde das Gespräch ins Deutsche übertragen.

QUESO: Ja, hallo.
MENENDEZ: Hier ist das Büro des Justizministers der Vereinigten Staaten. Spreche ich mit dem spanischen Ermittlungsrichter Ignat Queso in, äh, Palma?
QU: Das bin ich, ja. Worum geht es?
M: Unser Justizminister, Mr. Whitaker, interessiert sich sehr für die Umstände, unter denen es Ihnen gelungen ist, die Fake-News-Journaille auf Ihrer Insel unter Kontrolle zu kriegen.
QU: Ich nehme an, Sie beziehen sich auf die Beschlagnahmung von Mobiltelefonen, Computern und anderer Unterlagen hiesiger Journalisten, die ich veranlasst habe.
M: Genau. Zuvor eine allgemeine Frage: Gehe ich recht in der Annahme, dass es auch in Spanien diese sogenannte Pressefreiheit gibt?
QU: Richtig.
M: Und dass sich also die Journalisten in Spanien genauso wie bei uns hier in den USA weigern können damit rauszurücken, von wem sie ihre erstunkenen und erlogenen Fake News zugesteckt kriegen?
QU: So steht es jedenfalls in unseren Gesetzen. Nennt sich "journalistisches Berufsgeheimnis" (kichert amüsiert).
M: Und trotzdem dürfen Sie diesen Feinden des Volkes so einfach die Mobiltelefone und Computer abnehmen und nachgucken, wer die Ratten sind, die sie mit den Fake News versorgen?
QU: Also ich persönlich nicht. Dafür haben wir hier die Nationalpolizei.
M: Ist das so was wie unser FBI?
QU: Vermut ich mal, ja.
M: Und wie gehen Sie da so vor?
QU: Na ja. Ich lasse die Kerle erst mal telefonisch überwachen, dann werden sie vorgeladen und ihre Mobiltelefone werden konfisziert und anschließend gehen die Polizeibeamten mit meiner Vollzugsanordnung in die Redaktionsräume.
M: Heilige Scheiße! Entschuldigung, das ist mir eben so rausgerutscht... Und wie geht's dann weiter?
QU: Wenn die Redakteure sich danach auf die Hinterbeine stellen und mich anzeigen, wegen Rechtsbeugung oder Hausfriedensbruch oder irgendeinem anderen Quatsch, dann kriegen die halt den konfiszierten Krempel wieder ausgehändigt. Versiegelt und mit der schriftlichen Garantie, dass wir da nicht reingeguckt haben (lacht herzhaft).
M: Genial! Wenn unser Chef das dem Präsidenten erzählt, wird er sofort vom geschäftsführenden zum richtigen Justizminister befördert. Und für den Feind des Volkes hat die letzte Stunde geschlagen. Und Amerika wird wieder großartig.
QU: (seufzt) In Spanien braucht's zur Großartigkeit leider'n bisschen mehr. Zum Beispiel den Weltmeistertitel im Fußball.

auf Twitter teilen
auf Facebook teilen

Mallorca-Themen von A bis Z

Mallorca-Themen von A bis Z

MZ-Artikel, geordnet nach Themengebieten

Alphabetische Liste: Von Air Berlin über Kongresspalast bis Wandern

 

Gut essen auf Mallorca

Restaurants auf Mallorca

Welches Restaurant darf es sein?

Die Insel kulinarisch entdecken - Restaurant-Empfehlungen in Palma de Mallorca, im Osten, Südosten oder Südwesten von unserer Gastro-Autorin Martina Zender

 

Empfohlene Links: Inselradio 95,8 | Mallorca mal 365 |