Meinung

Die Tourismus-Weltmacht Mallorca begrenzt den Tourismus

Weniger ist mehr: Das neue Tourismusgesetz ist tatsächlich ein großer Wurf, findet MZ-Chef Ciro Krauthausen

Die balearische Ministerpräsidentin Francina Armengol, am Freitag in Palma.

Die balearische Ministerpräsidentin Francina Armengol, am Freitag in Palma. / Sergio G. Cañizares / Efe

Faktische Beschränkung der Gästebetten, gesetzliche Auflagen zur Kreislaufwirtschaft, Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Beschäftigten im Tourismus: Auch wenn sich vieles davon erst in der Praxis beweisen muss, ist der balearischen Linksregierung mit dem neuen Tourismusgesetz ein großer Wurf gelungen. Er lässt sich in drei Worten zusammenfassen: Weniger ist mehr.

Francina Armengol und die von ihr angeführte Linksregierung tragen damit nicht nur der Klimakrise Rechnung, sondern auch einer seit vielen Jahren auf Mallorca geführten Diskussion, ob es nicht besser wäre, das Geschäftsmodell, mit dem diese Inseln wohlhabend geworden sind, grundlegend umzubauen - hin zu etwas weniger, im Zweifel auch zahlungskräftigeren Urlaubern.

In der Hochsaison zu voll

Dass es besonders auf Mallorca und Ibiza zumindest in der Hochsaison zu voll geworden ist, ist auf den Inseln schon lange partei- und branchenübergreifender Konsens – die Pandemie und die mit ihr einhergehenden Schockwellen angesichts der Folgen eines zeitweiligen Wegfalls der touristischen Monokultur haben diese Erkenntnis nur noch gefestigt.

Das neue Tourismusgesetz zieht daraus die Konsequenz und wird entsprechend breit von fast allen gesellschaftlichen Akteuren mitgetragen. Dort, wo Widerstände zu erwarten waren, werden Zugeständnisse gemacht. Bei den Gewerkschaften, mit der Verbesserungen der Arbeitsbedingungen der Zimmermädchen, vor allem aber bei den Hoteliers: Wer seine Gästebetten reduziert, darf ausbauen und damit seine Gewinnspanne erhöhen.

Diese Möglichkeit haben die privaten Ferienvermieter nicht, entsprechend kritisch war denn auch am Freitag ihre Reaktion. Aber auch diese faktische Beschränkung der Ferienvermietung dürfte von der Regierung beabsichtigt sein und ist angesichts der Wohnungsnot wohl auch konsensfähig. Gewissermaßen im Vorbeigehen schiebt die Regierung damit der weiteren Spekulation mit Ferienimmobilien einen Riegel vor.

Und so wollen Mallorca und die Nachbarinseln über das Instrument der genehmigten Gästebetten nun tatsächlich die Zahl der Urlauber reduzieren. Die Tourismus-Weltmacht Balearen beschließt, den Tourismus zu begrenzen – es ist tatsächlich eine bemerkenswertes Signal, dass da in die Welt gesandt wird. Weniger ist mehr.