Meinung
Kommentar: Todesstürze auf Mallorca - Das ist kein Spektakel, das ist echt
In der Debatte um Balconing sollten die Menschen im Vordergrund stehen, nicht der Tourismus und schon gar nicht die Häme

Der junge Brite in Magaluf, kurz vor seinem Tod. / DM
Es sind drastische Bilder, sowohl die Aufnahme aus Magaluf als auch die vom Sprung an den Malgrats-Inseln vor Santa Ponça auf Mallorca. Junge Männer, die aus Übermut oder im Drogenrausch den Tod finden. Gefilmt von Augenzeugen, der eine vor den Augen seiner Partnerin und seinem kleinen Sohn. Nur wenige Stunden nach den Vorfällen kursierten die Bilder schon durch die sozialen Medien.
Es sind Aufnahmen, die nicht jeder sehen sollte. Aber vielleicht ist es auch nicht so verkehrt, dass sie verfügbar sind. Denn in der ganzen abstrakten Balconing-Debatte vergisst man manchmal, wie brutal solche Unfälle sind.
Die Häme muss aufhören
Und vielleicht hilft es zu verhindern, dass die Häme in Zukunft aufhört. Auf Mallorca sagt man seit Jahren scherzhaft: "Bevor nicht der erste Brite beim Balconing ums Leben kommt, packe ich die Badehose nicht aus." Will heißen: "Der Sommer hat begonnen." Andere führen eine Art WM-Rangliste über den Sommer: Welche Nationalitäten stellen am Ende des Sommers die meisten Toten? Andere rufen "Selbst schuld!", und denken, dass damit das Thema zur Genüge behandelt ist.
Das ist krank. Das ist pervers. Und das ist unmenschlich. Den Tod eines meist jungen Menschen zum Anlass zu nehmen, sich zu belustigen, zeugt von einem Mangel an Respekt und Sensibilität, der nicht vertretbar ist. Die jungen Männer, die da sterben, sind Söhne, Brüder, Partner, beste Freunde, Arbeitskollegen.
Es sollte nicht ums Image gehen
Auch der häufig geäußerte Vorwurf, diese Unfälle sorgten für ein schlechtes Image für den Tourismus auf der Insel, sollte nachrangig sein. Denn ja, irgendwo stimmt das schon. Aber sollte es nicht vor allem darum gehen, so etwas in Zukunft zu verhindern? Dass nicht noch mehr junge Menschen am Morgen auf der Insel landen und wenige Stunden später tot sind oder - diejenigen, die Glück haben - fürs Leben gezeichnet. Und zwar nicht für das Image der Insel, sondern einfach für diese Menschen selbst?
Die Präventionskampagnen und die angedrohten Bußgelder haben bislang wenig geholfen, die Häme war niederträchtig. Vielleicht bleibt uns am Ende tatsächlich nichts anderes übrig, als die Bilder anzuschauen. Um uns in Erinnerung zu rufen, dass Balconing und ähnliche riskante Aktionen echte Konsequenzen im echten Leben haben.
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