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Sophie Mono

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Kommentar zum Pride-Week-Eklat: Auf der Insel liegen die Nerven blank

In der angespannten Lage muss man zusehen, die Streitthemen nicht weiter zu befeuern, meint Sophie Mono

Kristin Hansen organisiert die Pride Week. | FOTO: J. F. MESTRE Frank Feldmeier

Es kriselt auf Mallorca. Bei den Gastronomen und Hoteliers, weil sie es kaum schaffen, fähiges Personal zu beschaffen, da der angespannte Wohnungsmarkt die Saisonkräfte von außerhalb abschreckt. Auch große Teile der Bevölkerung schauen mit Anspannung zu, wie Wohnraum immer teurer wird und Immobilien fast nur noch für ausländische Käufer erschwinglich sind. Gleichzeitig steigt die Gereiztheit, weil die Insel schon Mitte Juni rappelvoll ist.

Staus, überfüllte Parkplätze, Buchten und Stadtzentren sowie die Rückkehr der bei vielen unbeliebten exzessiven Saufurlauber in den Partyhochburgen haben auch in die Post-Corona-Realität von Mallorca gefunden. Dann die Probleme am Flughafen, die Sorgen der Umweltschützer, die lächerliche Farce beim Cursach- und beim Konfetti-Prozess, die Inflation – kurzum: Die Nerven liegen auf der Insel aktuell in vielerlei Hinsicht blank.

All das sollte man bedenken, wenn man als Ausländer ein Großevent wie die Pride Week organisiert und sich öffentlich und wertend zu vermeintlichen Insel-Wirklichkeiten äußert. Hätte sich die deutsche Kristin Hansen ein wenig damit beschäftigt, wo es auf Mallorca gerade brennt, was die Menschen hier beschäftigt und wie sie leben – sie hätte sich selbst so manches Fettnäpfchen und ihren Landsleuten einen gewissen Fremdschämfaktor erspart. Vor allem aber hätte sie den Fokus nicht von einem Ereignis abgelenkt, das wichtig für die LGTBIQ-Community und ihren Stand auf der Insel ist. Ebenfalls ein sensibles Thema – umso mehr ist hier Fingerspitzengefühl gefragt.

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