Es gibt Menschen, die immer von einem anderen Ort zu kommen scheinen als von dem, von dem sie eigentlich sind. Mein Onkel war einer von ihnen. Wir wussten, dass er aus Valencia stammte, aber er sah nicht so aus, obwohl wir auch nicht hätten sagen können, von wo er kam. Das verlieh ihm einen besonderen Charme, denn in meiner Kindheit war es das Größte, was man erreichen konnte, ein Ausländer zu sein. Damals gab es noch nicht viele von ihnen, aber wir konnten sie aufspüren und ihnen überallhin folgen, wobei wir ihre Gesten, ihre Umgangsformen, ja sogar ihre Sprache nachahmten. Als Kinder haben wir sogar Sprachen erfunden.

Zu einem engen Freund sagte ich: „Bu tor car car matañas spetros.“ Darauf antwortete er: „Prasi prasi ognivolas corripas.“

Meine Mutter brachte mich zum Hausarzt

Damals ging man noch nicht zum Psychologen, und so brachte mich meine Mutter, die mehrere dieser Gespräche mit angehört hatte, zum Hausarzt.

Der Mann tastete meine Lymphknoten ab und fragte mich dann: „Pora riba vísola?“ Ich antwortete: „Fotes cárrula.“

Der Arzt sagte, dass alles mit mir in Ordnung sei, außer, dass ich die Berufung zum Ausländer habe.„Aber er ist von hier!“, rief meine Mutter aus.

„Wäre er von woanders, würde er die gleichen Verhaltensweisen zeigen. Es ist eine Frage des Charakters“, sagte der Arzt.

Ich konnte es nicht erklären

Jedenfalls verschrieb er mir Vitamintabletten, die wir nicht kauften, weil sie zu teuer waren. Als wir die Apotheke verließen, blieb meine Mutter stehen, sah mir in die Augen und fragte mich, ob ich diese Manie, nicht von dort zu sein, wo ich herkomme, erklären könne. Ich sagte Nein, ich könne es ihr nicht erklären.

„Du scheinst nicht alle Tassen im Schrank zu haben“, schloss sie. Und sie hatte recht: Ich wirkte wirklich so, als hätte ich nicht alle Tassen im Schrank. Daran hat sich nichts geändert. Ich wäre immer noch lieber von einem anderen Ort als von dem, von dem ich herkomme.