Kochen, ein Nahrungsmittel auf einer Feuerstelle durch Hitze in Flüssigkeit gar werden lassen

Wenn ein Großteil der digitalisierten Bevölkerung online ist und sich von den Segnungen des Internets benebeln lässt, mag Angela Merkels Appell, wieder zur Besinnung zu kommen, im Kosmos (ver-)schallen: „Vor lauter Globalisierung und Computerisierung dürfen die schönen Dinge des Lebens wie Kartoffeln oder Eintopf nicht zu kurz kommen.“ Ein Pendant zu dieser ebenso herzlichen wie unwiderlegbaren Stellungnahme der ehemaligen Bundeskanzlerin lautet auf Mallorquinisch: „Gekochte Suppe verlängert das Leben“ (Sopa bullida alarga sa vida). Ebenso existiert eine inseleigene Version der viel zitierten deutschen goldenen Mitte, gemäß dem in der Reformationszeit entstandenen Ausdruck „Weder Fisch noch Fleisch“: „Eine Hälfte gebraten und die andere Hälfte gekocht“ (Mig de frit, mig de bullit).

Von der rumänischen Königin Elisabeth, die unter dem Pseudonym Carmen Sylva als Schriftstellerin tätig war, stammt die tiefgehende Reflexion über gefährliche Bündnisse: „Das Feuer macht das Wasser kochen. Aber das Wasser löscht das Feuer. Erwärme keinen Undankbaren, er wird dich auslöschen.“ Der mögliche Ablauf menschlicher Emotionen wird in einer mallorquinischen Redensart bis aufs Detail offengelegt: „Bosheit ist wie Milch: Wenn sie kocht, läuft sie über.“ (Sa malícia és com sa llet, que en bullir, vessa). Wie so oft kommt auch das Thema Reichtum oder Armut zur Sprache. Gemäß einem irländischen Sprichwort reicht gutes Aussehen allein nicht aus, um die eigene Familie ernähren zu können: „Schönheit bringt den Topf nicht zum Kochen.“ Aus der Feder des deutschen Schriftstellers Ludwig Börne stammt das abschließende Bonmot, welches schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts seine Gültigkeit besaß und bis heute nichts davon eingebüßt hat: „Reichtum macht ein Herz schneller hart als kochendes Wasser ein Ei.“