Meinung | Kommentar

Urlaub in einer Touristenhochburg: Reisen ist wie Fleisch kaufen

Die Zeit, in der man einfach unbekümmert an einen Ort reisen kann, ohne sich Gedanken zu machen, was der Tourismus dort anrichtet, sind vorbei, meint Patrick Schirmer Sastre

Massen drängen sich an einem Aussichtspunkt in einer südspanischen Stadt.

Massen drängen sich an einem Aussichtspunkt in einer südspanischen Stadt. / MZ

Es fällt mir erst am zweiten Tag auf. Direkt gegenüber dem Hotel hängt das Schild an einem Balkon. Das Viertel dieser südspanischen Stadt sei „gegen den Massentourismus“ und wolle „bewohnbar bleiben“. Was mache ich hier eigentlich, denke ich. Ein paar Tage Urlaub mit meinen Jungs und dann das? Will ich wirklich hierbleiben?

Bin ich gemeint?

Es sind Gedanken, die mich schon tags zuvor beschlichen hatten: Will ich wirklich Teil dieser Massen sein, die sich durch die engen Gassen schieben, auf der Suche nach einem Ausblick, der sich nicht wirklich lohnt? Richten sie sich an mich, diese mit Fotos versehenen Schilder an der Plaza, die mir in mehreren Sprachen ein Tapas-Menü versprechen – zwei Gläser Wein inklusive? Fühlt sich überhaupt jemand angesprochen von den Straßen voller Souvenir-Shops? Von diesen Häusern, in denen alles darauf hindeutet, dass hier keiner mehr wirklich länger als ein paar Tage lebt. Hätte man dafür nicht einfach den Bus an die Playa de Palma nehmen können?

Man hätte es wissen können

Zugegeben: Man hätte das alles vorher wissen können. Mit ein bisschen Recherche. Mit ein wenig Urlaubsplanung. Aber Planung ist nicht so mein Ding. Erst recht nicht im Urlaub. Aber man kann das nicht mehr machen. Ich kann das nicht mehr machen: irgendwohin fahren. Einfach so. Reisen ist wie Fleisch kaufen, denke ich. Als Verbraucher muss ich mich damit auseinandersetzen, was ich da konsumiere. Ich schaue gedankenverloren auf das Plakat am Balkon. Eine Sache denke ich aber nicht: „Die sollen froh sein, dass ich hier mein Geld ausgebe.“ Nein, das müssen sie nicht.

No me doy cuenta hasta el segundo día. El cartel está colgado en un balcón justo enfrente del hotel. Pone que el vecindario de esta ciudad del sur de España está „en contra del turismo de masas“ y quiere „seguir siendo habitable“. ¿Qué estoy haciendo aquí?, pienso. ¿Unos días de vacaciones con mis hijos y luego esto? ¿De veras quiero quedarme aquí?

Son pensamientos que ya me habían asaltado el día anterior: ¿Realmente quiero formar parte de estas multitudes que se abren paso por las estrechas calles en busca de una vista que en realidad no merece la pena? ¿Se dirigen a mí esos carteles cargados de fotos en la plaza que en varios idiomas me prometen un menú de tapas, con dos copas de vino incluidas? ¿Atraen a alguien las calles llenas de tiendas de souvenirs y estas casas donde todo apunta a que nadie vive en ellas más que unos pocos días? ¿Para eso no podría haber cogido el autobús hasta la Playa de Palma?

Admito que podría haber sabido todo esto de antemano. Con un poco de investigación y un poco de planificación de las vacaciones. Pero la planificación no es lo mío. Especialmente no en vacaciones. Pero eso ya no se puede hacer. Yo, ya no lo puedo hacer: viajar a algún sitio, sin más. Viajar es como comprar carne, pienso. Como consumidor, he de pensar en lo que estoy consumiendo. Miro el cartel del balcón, ensimismado. Eso sí, una cosa no la pienso: „Deberían alegrarse de que gaste mi dinero aquí“. No, no tienen por qué hacerlo.

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