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Unvergessliche Momente auf Mallorca? Wenn die "Erlebnis-Blase" uns mehr stresst als entspannt
Über die Krux mit den "emotionalen Geschenken" und der Jagd nach besonderen Erfahrungen. Eine Kolumne der "Diario de Mallorca"-Kollegin Pilar Garcés

Energiegeladene Show: Das neue Programm im Lío. / Starpress
Die Notwendigkeit, aus jedem Moment ein unvergessliches Erlebnis zu machen, das exakt dem unvergesslichen Erlebnis von Tausenden anderer Menschen gleicht, hat eine große Erlebnis-Blase hervorgebracht. Emotionale Geschenke, nennt man sie auch. Man geht nicht mehr einfach auswärts essen, man genießt eine gastronomische oder önologische Erfahrung. Das bedeutet, dass der Kellner entweder viel zu viel oder gar nicht mit dir spricht und dass du fünfzehnmal so viel für das Essen bezahlst.
Aber ein einfacher Abend reicht nicht aus, um die Erwartungen eines Suchtkranken nach besonderen Anlässen zu erfüllen. Deshalb bietet man dir an, an einem Abgrund zu essen, auf einem Baum, mit verbundenen Augen, mit zwanzig nackten Fremden am Tisch zu sitzen oder der Zerlegung eines Thunfischs beizuwohnen. Einen Tag lang Schäfer auf einem abgelegenen Berg sein, Hummer fischen, in der Wüste im Freien schlafen oder Yoga auf einem Surfbrett praktizieren.
Irgendetwas muss man ja tun
Wenn du Luxusautos magst, wird dir angeboten, einen ganzen Tag lang einen Ferrari zu fahren. Springe mit dem Fallschirm, von einer Klippe, von einer Brücke. Lerne, Sushi zu machen, male ein Bild, während du einen Aperitif genießt, nimm an einer Wermutverkostung teil oder braue dein eigenes handwerkliches Bier. Nimm an einer geführten Fahrradtour durch dein eigenes Viertel teil oder an einer Route der Poetinnen im Nachbarviertel, du wirst schon etwas lernen.
Geh zu einem geheimen Dinner, bei dem du weder weißt, was es gibt noch wo es stattfindet, oder zu einem Überraschungskonzert, bei dem du nicht weißt, wer singen wird. Denn irgendetwas muss man ja tun. Schon das Verlangen, in diesen Ferien die Beine hochzulegen, lässt dich gestresst im Internet nach den zahlreichen angebotenen Freizeit- und Sportaktivitäten suchen, während dein auf dem Sofa liegendes Kind sich auf elf Wochen Auszeit freut und sagt: „Technisch gesehen ist nichts tun schon etwas tun, oder?“
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