Meinung | Inselstimmen
"Keine Verpflichtungen mehr": Wie Ministerpräsidentin Marga Prohens unverhofft die politische Rache gelungen ist
Die konservative Landeschefin zieht nur Vorteile aus der Entscheidung von Vox, den Rechtspakt auf den Balearen aufzukündigen, meint MZ-Kolumnist Mateu Ferrer

Marga Prohens bei einer Parlamentssitzung. / Manu Mieliezuk
Alles hat seine guten und seine schlechten Seiten. Das Ausscheiden aus den Regierungskoalitionen, die der Spanien-Chef von Vox, Chef Santiago Abascal, seinen Untergebenen in den Regionen abverlangt hat – während er sein Abgeordnetengehalt in vollem Umfang beibehält –, befreit die Balearen-Präsidentin von den programmatischen Verpflichtungen, die ihr Vox nach den Wahlen im vergangenen Jahr im Regierungspakt auferlegt hatte. Die Regierungspräsidentin ging damals ein Risiko ein wie kein anderer PP-Chef, als sie sich gegen die Aufnahme rechtsextremer Abgeordneter in ihr Kabinett aussprach. Ihre damalige Entschlossenheit wird nun belohnt.
Prohens ist von einer Last befreit, die sie persönlich als schwer empfand. Sie hat es öffentlich nicht eingeräumt, um keine Stimmen zu verlieren, aber die Politikerin aus der Gemeinde Campos fühlt sich wegen einer Frage der Generationenzugehörigkeit und aus einer gewissen Überzeugung heraus von dem ranzigen Patriotismus abgestoßen. Aber bis vergangene Woche hatte sie praktisch alle von Vox geforderten Kröten geschluckt.
Keine Verpflichtungen mehr
„Ich habe keine Verpflichtung mehr“ gegenüber Vox, so Prohens bei ihrer Pressekonferenz am vergangenen Freitag, sichtlich zufrieden. Auch bei der Nennung von Gabriel Le Senne hat sie ihre Zurückhaltung aufgegeben. Sie gehe davon aus, dass er aus dem Amt scheide, sagte Prohens und erklärte Le Senne für politisch erledigt, ohne dabei ihre Reißzähne zu verbergen. Der Noch-Präsident des Parlaments hat immer noch nicht verstanden, dass er sich selbst disqualifiziert hat, seit er ein Foto der von Putschisten im Bürgerkrieg ermordeten Aurora Picornell zerrissen hatte. Seine rechtskonservative Weigerung, die LGTBI-Fahne aufzuhängen, hat Prohens persönlich und ideologisch empört. Nun fordert sie seinen Kopf. Die Präsidentin kann sich freuen, dass Vox für eine Mäßigung der Politik sorgt. Und was noch besser ist: ohne politischen Preis.
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