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Meinung | Kommentar

Hetze gegen Urlauber auf Mallorca: Habt Ihr sie noch alle?

Die Anti-Tourismus-Graffitis an den Häuserwänden der Insel sollte man nicht persönlich nehmen. Ärgerlich sind sie dennoch: Sie zeugen von einer schwer zu ertragenden mallorquinischen Selbstgerechtigkeit, findet MZ-Chef Ciro Krauthausen

Auf eine Wand am Mercat de l'Olivar gesprühtes, mit seiner Holocaust-Gleichsetzung schwer zu ertragendes Anti-Tourismus-Graffiti.

Auf eine Wand am Mercat de l'Olivar gesprühtes, mit seiner Holocaust-Gleichsetzung schwer zu ertragendes Anti-Tourismus-Graffiti. / B. Ramon

Vorweg: Von den Sauftouristen einmal abgesehen, muss kein Urlauber auf Mallorca befürchten, nicht mehr willkommen zu sein, gar angefeindet zu werden. Wer nun an Häuserwänden oder Autoscheiben liest „Tourists go home“, „Tourismus macht frei“ oder gar „Kill a tourist“, tut gut daran, es nicht persönlich zu nehmen – auch wenn das schwerfallen mag.

Es handelt sich um gezielte Provokationen einiger weniger Aktivisten. Die große Mehrheit der Bevölkerung – sogar der Protestbewegung gegen die Wohnungsnot und die Folgen des Massentourismus – teilt diese Hetze nicht.

Ärgern kann man sich natürlich trotzdem darüber. Weil diese Parolen so einfältig oder bösartig sind. Weil sie bekanntlich gehörig mediale Wellen schlagen können, was die Urheber ja auch bezwecken.

Vor allem aber, weil aus ihnen – wie auch aus anderen derzeitigen Aktionen und Äußerungen – eine schwer erträgliche Selbstgerechtigkeit spricht. Die so simple Aussage, die Touristen müssen weg, verstellt den Blick auf das System Tourismus und die Rolle, die wir alle darin spielen. Sie sucht die Schuldigen außerhalb der Insel und geht über Verantwortlichkeiten vor Ort hinweg, zum Beispiel dass an der Wohnungsnot neben ausländischen Käufern und Mietern mallorquinische Verkäufer und Vermieter mindestens ebenso schuld sind. Sie bezieht sich nur auf die Gegenwart der vollen Insel, nicht darauf, wie sie zu dem geworden ist, was sie ist.

Wie sonst kann man auf die Idee kommen, im Jahr 2024 - und sei es nur symbolisch - die Uhr zurückdrehen und den Ballermann 6 zurückerobern zu wollen, um dort womöglich auch noch Ball de Bot zu tanzen?

Übersetzung ins Spanische

Vaya por delante: aparte de los amigos de los excesos, ningún turista ha de temer que dejará de ser bienvenido en Mallora, y mucho menos que se le trate con hostilidad. Quien lea en las paredes o en las ventanillas de los coches „Tourist go home“, „Tourismus macht frei“ o incluso „Kill a tourist“ hace bien en no tomárselo como algo personal, aunque pueda resultar difícil.

Son provocaciones deliberadas de unos pocos activistas. La gran mayoría de la población –incluso del movimiento de protesta por la escasez de vivienda y las consecuencias del turismo de masas– no comparte semejante agitación.

Lo cual no quita poder enfadarse por ello. Porque estas consignas son tan simplonas o malintencionadas. Porque, como todos sabemos, pueden causar un gran revuelo mediático, lo cual es precisamente lo que pretenden sus autores. Pero, sobre todo, porque –al igual que otras acciones y declaraciones recientes– se caracterizan por una autocomplacencia difícil de soportar.

La afirmación simplista de que los turistas se han de marchar impide ver el sistema turístico como tal y el papel que todos jugamos en él. Busca culpables fuera e ignora responsabilidades en la isla, como el hecho de que los vendedores y arrendadores mallorquines tienen al menos tanta culpa de la escasez de vivienda como los compradores e inquilinos extranjeros (p. 4-5). Solo se refiere al presente de la isla abarrotada, no a su devenir.

¿Y si no, cómo se le ocurre a uno la idea de querer atrasar el reloj y reconquistar el Balneario 6 en Playa de Palma para allí posiblemente bailar Ball de Bot?

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