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Meinung | Inselstimmen

Letztes Bollwerk gegen die Egozentrik: Eine Paella isst man nicht alleine

"Ich mit mir", lautet heute vielfach das Lebensmotto. Nur beim spanischen Nationalgericht kommt man gar nicht darum herum, es mit anderen Menschen zu genießen, freut sich MZ-Kolumnistin Mercè Marrero

Bei einem Paella-Wettbewerb auf dem spanischen Festland.

Bei einem Paella-Wettbewerb auf dem spanischen Festland. / Fernando Gimeno / CAS Digital

Es gibt Chirurgen, die seit Jahren dank Robotik aus der Ferne operieren. Das verändert das Verhältnis zwischen Arzt und Patient, aber solange Leben gerettet werden, ist das ein Fortschritt. Wir können zu Hause alle beliebigen Delikatessen genießen, ohne mit irgendjemandem interagieren zu müssen. Früher gab es nur Pizza und einen Bottich Eis vor dem Fernseher. Heute lässt sich sehr viel mehr als Pizza und Chinesisch nach Hause liefern.

Wir können ein Konto eröffnen oder kündigen. Steuern zahlen. Uns bei der Sozialversicherung anmelden. Alles vom Sofa aus. Und wenn Probleme auftreten, hilft das Callcenter. Ich vermisse nicht den Beamten, der mich schlecht gelaunt bediente. Aber ich unterhielt mich durchaus gerne mit einem menschlichen Gegenüber.

Wir können die Möbel zu Hause selbst aufbauen, auch wenn das etwas Geschick erfordert. Wir müssen nur den Empfang quittieren und können Tage später per E-Mail eine Umfrage zur Zufriedenheit mit dem Kundenservice beantworten. Wir können zu Hause trainieren statt ins Fitnesszentrum zu gehen, mit Fitnessbändern und ein paar Gewichten. Ich mit mir, das ist heute das Lebensmotto.

Studieren, ohne Kommilitonen zu Gesicht bekommen

Wir können ein Universitätsstudium ablegen, ohne den Dozenten zu Gesicht zu bekommen oder Mitschriften mit Kommilitonen auszutauschen. Man kann sich die Zeit selbst einteilen, das ist das Gute. Aber leider fallen die Würfelspiele in der Mensa weg.

Heutzutage könnten wir beinahe leben, ohne dass wir mit anderen Menschen interagieren müssten.

Nur eine Paella, das geht nicht. Es gibt nur wenige Orte, die wirklich gut genug sind, um Reis mit Hummer oder Meeresfrüchten auch alleine genießen zu können. Man muss schon mindestens zu zweit sein, besser noch in einer größeren Gruppe zusammenkommen. Was dazu gehört, ist das gemeinsame Gespräch, anzustoßen, sich auszutauschen, zu lachen. Die Paella ist heute ein Zeichen des Widerstands.

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