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Meinung | Kommentar

Fünf-Sterne-Plus-Hotels sind gelebter Sozialkundeunterricht

Luxus-Herbergen wie das von der US-Kette Four Seasons neu eröffnete Hotel Formentor müssen der Öffentlichkeit weiter zugänglich bleiben. Die Gesellschaft hat ein Recht darauf zu erfahren, wie es dort zugeht, findet MZ-Chef Ciro Krauthausen

Ein Türschild im neuen Hotel Formentor.

Ein Türschild im neuen Hotel Formentor. / Ciro Krauthausen

Auf Mallorca gibt es derzeit 104 Fünf-Sterne-Hotels oder sogar mehr. Auch in der Spitzenkategorie dieser Häuser, dort wo fünf Sterne nicht mehr ausreichen, um all den Komfort zu messen, werden es mehr. Nun ist mit der Verwandlung des fast 100-jährigen Hotel Formentor in ein nagelneues Four-Seasons-Resort noch ein weiteres Haus hinzugekommen.

Es gesellt sich in dieser Kategorie zum Belmond La Residencia, zum St. Regis Mardavall oder zum Hotel Cap Rocat, wo bereits ähnliche Zimmerpreise aufgerufen werden. Im Hochsommer kann eine Übernachtung hier schnell das Monatsgehalt eines Normalverdieners kosten. Die Gäste sind längst nicht mehr nur noch Europäer, es kommen Reiche aus aller Welt, aus den USA, aus Lateinamerika, aus dem Mittleren Osten.

Auswärtige, weniger begüterte Besucher werden in diesen Enklaven häufig schon an der Pforte abgewiesen. Das ist schade und sollte nicht ohne Weiteres hingenommen werden. Die Gesellschaft hat ein Recht darauf, zu erfahren, was wahrer Luxus bedeutet, wie es sich in solchem Wohlstand lebt, was für Ressourcen dafür aufgebra(u)cht werden. Jeder sollte sich dort mal für einen Moment umsorgen lassen können.

Das ist dann gewissermaßen angewandter Sozialkundeunterricht, und zwar unabhängig davon, ob er nun aus kapitalismuskritischer oder kapitalismusfreundlicher Perspektive erfolgt. Im Falle des Hotel Formentor, das in seiner Geschichte immer auch der mallorquinischen Gesellschaft verbunden war, sollten wir deswegen die Hoteldirektorin bei ihrem Versprechen beim Wort nehmen, Wege zu finden, dass die Türen dort auch weiterhin geöffnet bleiben.

Übersetzung ins Spanische

En Mallorca hay en la actualidad 104 hoteles de cinco estrellas o quizás incluso más. También en la categoría superior de estos establecimientos, donde cinco estrellas ya no bastan para medir todo el confort, la oferta sigue creciendo. Ahora, con la transformación del casi centenario Hotel Formentor en un flamante Four Seasons Resort, se suma otro establecimiento más a esta lista, uniéndose en esta categoría al Belmond La Residencia, al St. Regis Mardavall o al Hotel Cap Rocat, donde ya se aplican precios por habitación similares.

En pleno verano, una noche aquí puede costar fácilmente el sueldo mensual de un trabajador promedio. Los huéspedes ya no son solo europeos, sino que llegan ricos de todo el mundo, de Estados Unidos, de Latinoamérica, de Oriente Medio.

Los visitantes menos adinerados con frecuencia son rechazados en la puerta de estos enclaves. No deberíamos aceptarlo. La sociedad tiene derecho a saber qué significa el verdadero lujo, cómo se vive en semejante prosperidad, qué recursos se utilizan y derrochan para ello. Todos deberíamos poder darnos el lujo de ser atendidos allí alguna vez.

Sería, en cierto modo, una clase práctica de ciencias sociales, independientemente de que se aborde desde una perspectiva crítica o favorable al capitalismo. En el caso del Hotel Formentor, que en su historia siempre ha estado vinculado a la sociedad mallorquina, damos por buena la promesa de la directora que dice buscar fórmulas para mantener abiertas las puertas.

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