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Meinung | Inselstimmen

Die perfide Ryanair-Masche: Erst an Bord darf unkontrolliert gesoffen werden

Die jüngsten Forderungen nach einem Alkohol-Limit am Flughafen sind eine Frechheit, findet MZ-Kolumnistin

Symbolfoto einer Ryanair-Maschine

Symbolfoto einer Ryanair-Maschine / Ryanair

Wikipedia muss dringend aktualisiert werden. Es ist nicht hinnehmbar, dass die Definition von „Heuchler“ kein Foto von Ryanair-Chef Michael O’Leary enthält. Er reiht sich ein in die Gruppe illustrer, selbstgerechter Menschen, die mit den Balearen in Verbindung gebracht werden.

Laut O’Leary beginnen die betrunkenen Passagiere auf den Flügen unter anderem nach Ibiza schon vor der Sicherheitskontrolle mit ihrer Saufparty. Und mit ihrem alkoholgetränkten Hirn sorgen sie natürlich während des Flugs für Schwierigkeiten. Meistens passiert nichts, weil das Universum es nicht will, aber es kommt immer häufiger vor, dass Fluggäste zu einem anderen Airport umgeleitet werden, um Passagiere auszuladen, die den Alkoholtester sprengen würden. Deswegen schlägt O’Leary nun vor, die Menge an Alkohol zu begrenzen, die Fluggäste in Bars und Duty-free-Shops des Terminals kaufen können.

Keine Skrupel, Spirituosen zu verkaufen

Der Ryanair-Chef hat Nerven. Er fordert eine Begrenzung des Alkoholverkaufs am Airport, denkt aber nicht daran, auf seinen eigenen Flügen anzufangen. Er will weiterhin Wein, Wodka, Whisky und Gin in 37.000 Fuß Höhe verkaufen. Ich fliege regelmäßig zwischen Manchester und Ibiza. Ich habe erlebt, wie Mitreisende mit Gin Tonic in der Hand am Flugsteig ankamen, mit dem Gepäck überfordert waren und während des Flugs einen Drink nach dem anderen bestellten. Ich habe mich während der zweieinhalbstündigen Reise über Geschrei, Fast-Schlägereien und Kontrollverlust geärgert. Und die Kabinenbesatzung hatte keine Skrupel, weiter Spirituosen zu verkaufen, trotz der Beschwerden der nüchternen Passagiere.

O’Leary will ein Limit für den Alkoholverkauf am Boden, damit die Passagiere halb nüchtern an Bord eintreffen und es während des Flugs bei Freundschaftsgesängen und patriotischen Liedern bleibt, ohne dass es allzu viel Ärger gibt. Aufs Geschäft sollen andere verzichten, während seine Einnahmen weiter auf Höhenflug sind.

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