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Meinung | Kommentar

Faule Spanier oder verwöhnte Deutsche? Schluss mit dem alten Vorurteil

Jetzt, wo die Saisonkräfte auf Mallorca für mehrere Monate die Füße hochlegen, könnte man ihnen vorwerfen, arbeitsscheu zu sein. Doch wer genauer hinschaut, merkt, dass man den Menschen damit Unrecht tut - erst recht als verwöhnter Arbeitnehmer in Deutschland, findet MZ-Redakteurin Sophie Mono

Im Sommer arbeiten bis zum Umfallen, im Winter erholen: Die Realität vieler Saisonarbeiter auf Mallorca

Im Sommer arbeiten bis zum Umfallen, im Winter erholen: Die Realität vieler Saisonarbeiter auf Mallorca / B. Ramon

Sie gehören zu Mallorca wie die Touristenmassen am Flughafen. Die Saisonarbeiter, die jeden Winter aufs Neue im spanischen Arbeitsamt Schlange stehen. Als Deutscher mag man in einem ersten Impuls die Nase rümpfen über die Mentalität der fijos discontinuos, die ohne mit der Wimper zu zucken damit planen, allwinterlich dem Staat auf der Tasche zu liegen. Zu Unrecht. Wer glaubt, dass Saisonkräfte aus Faulheit im Winter dem Nichtstun frönen, irrt. Es wird Zeit, sich von dem alten Vorurteil der arbeitsscheuen Spanier zu lösen.

Armutszeugnis für die Tourismusbranche

Wer in den Sommermonaten hinter die Kulissen des florierenden Tourismusgeschäfts blickt, erkennt, dass dieses vor allem auf der harten Arbeit der saisonal Angestellten aufbaut. Viele Insulaner, aber vor allem auch Zugezogene vom Festland oder aus Lateinamerika, sind sich für kaum einen Knochenjob zu schade. Monatelang wird geackert bis zum Umfallen, Privat- oder Familienleben existieren zwischen Mai und Oktober praktisch nicht. Dass sie selbst oft den Arbeitsschutz mit illegalen Abkommen mit den Chefs unterwandern, um mehr zu arbeiten, als ihnen guttut, weil sie das Geld für den Winter brauchen, ist ein Armutszeugnis für die Tourismusbranche.

Es zeigt aber auch, dass es den Menschen nicht an Arbeitswillen mangelt, sondern an systemischer Unterstützung. 20.000 Euro durchschnittliches Bruttojahresgehalt, kein Kindergeld, 22 Urlaubstage – auch das ist Realität auf Mallorca. Wer an das deutsche System gewöhnt ist, ist verwöhnt und sollte sich vorschnelle Kritik an spanischen Saisonkräften verkneifen. Die Winterpause sei ihnen gegönnt.

Übersetzung ins Spanische

Forman parte de Mallorca, al igual que las masas de turistas. Los trabajadores de temporada que cada invierno vuelven a hacer fila en las oficinas de empleo. Como alemana, uno podría, de entrada, fruncir el ceño ante la mentalidad de los fijos discontinuos, quienes sin pestañear cada invierno planean vivir a costa de los subsidios estatales. Lo cual sería una injusticia. Ya va siendo hora de enterrar el viejo prejuicio de los españoles reacios al trabajo. Quien eche un vistazo entre bastidores al próspero negocio turístico en los meses de verano, reconocerá que este se sostiene principalmente sobre el arduo trabajo de los empleados de temporada. Muchos isleños, pero sobre todo también quienes llegan desde la península o de América Latina, no rechazan ningún trabajo pesado. Durante meses, trabajan hasta caer rendidos; la vida privada o familiar prácticamente no existe entre mayo y octubre. Que incluso, muchas veces, pasen por alto las normas de protección laboral mediante acuerdos ilegales con los jefes para trabajar más de lo saludable, porque necesitan el dinero para el invierno, es un triste reflejo de la industria turística. Pero también demuestra que no es falta de voluntad de trabajo, sino falta de apoyo sistémico. Un salario bruto anual promedio de 20.000 euros, ninguna ayuda por hijo y 22 días de vacaciones – también esa es la realidad en Mallorca. Quienes están acostumbrados al sistema alemán, están mimados y deberían abstenerse de criticar a los trabajadores de temporada. Que disfruten de su descanso invernal.

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