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Meinung | Inselstimmen

Blumentopf zu vermieten: Auf Mallorca gibt es kaum einen Meter, der nicht touristisch genutzt wird

Die Ausbeutung der Ressourcen der Insel hat absurde Züge angenommen, findet MZ-Kolumnist Joan Riera

Weg da, Katze: So ein Blumentopf kann auch touristisch genutzt werden.

Weg da, Katze: So ein Blumentopf kann auch touristisch genutzt werden. / Monika Skolimowska/dpa

Auf einem ländlichen Anwesen nahe Esporles wurden Parzellen an gestresste Insulaner vermietet, ähnlich den deutschen Schrebergärten. Der Inselrat allerdings hat das Business unterbunden, nachdem Nachbarn im Gebiet von Canet die Aktivitäten angezeigt hatten. Die geschäftstüchtigen Eigentümer der Finca hatten ihr Produkt mit dem Slogan angepriesen: „Reservieren Sie sich Ihr Stückchen Natur“. Die Mieter bekamen 150 Quadratmeter Fläche, um dort Erholung zu finden oder auch Feste zu feiern. Damit alles seine Ordnung hatte, wurden ein Mietvertrag geschlossen und die nötigen Steuern und Gebühren beglichen.

Kein Meter mehr frei

Wir haben sehr viel über die Wohnungsnot auf den Inseln gesprochen, und jetzt merken wir langsam, dass uns nicht nur Dächer über dem Kopf fehlen, sondern auch die Fläche rundum. Wir, die wir die Erfindung der Balearisierung für uns beanspruchen, kopieren jetzt die Honkongisierung. Das bedeutet, wir lassen keinen Meter mehr frei auf unserer Insel. Wir gehen von der ungezügelten Bauwut an der Küste zur Kolonialisierung des Inselinneren über. Während das Wachstum in Asien in die Höhe geht, wuchert es bei uns in die Breite. Mit demselben Ergebnis: der Überforderung der Bewohner, weil ihnen der Raum zum Leben fehlt. Das zeigt sich täglich auf den verstopften Straßen und in den überfüllten Zügen. Und nicht zuletzt an Orten, die der Naherholung dienen sollten.

Blumentopf zu vermieten

Bei all dem stellt sich der Runde Tisch für die Zukunft des Tourismus als das heraus, was er von Beginn an war: eine Fata Morgana. Diesen September waren auf den Balearen so viele Menschen gleichzeitig wie in keinem September zuvor. Am 9. September waren es 1.858.017 Menschen, gar nicht mehr so weit weg vom Allzeitrekord von 2.018.506 Personen am 31. August. Bald wird eine Werbung „den besten Schatten eines Johannisbrotbaums für 100 Euro am Tag“ anpreisen oder auch mitteilen: „Blumentopf zu vermieten“.

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