Meinung
Kauf des Gesa-Gebäudes in Palma: Ob dieses Projekt mal nicht gegen die Wand gefahren wird?
Die Stadtverwaltung hat einen wichtigen Schritt getan. Aber das ist nicht mehr als ein Etappensieg, meint Patrick Schirmer Sastre

Wie es aktuell im Gesa-Gebäude aussieht - ein Rundgang nach der Übernahme durch das Rathaus / B. Ramon
Es ist fast auf den Tag genau acht Jahre her, als Redakteure der MZ gemeinsam mit einigen Lesern durch das Gesa-Gebäude geführt wurden. Die damals regierende linke Stadtverwaltung hatte einen Plan. Das auffällige und denkmalgeschützte Gebäude in Premiumlage am Strand zu kaufen – um daraus ein Kultur- und Innovationszentrum zu machen. Es sollte zum Teil einer damals geplanten und längst verworfenen "Achse der Kultur" im Neubaugebiet Nou Llevant werden. 12 bis 14 Millionen Euro, so die Schätzungen damals, dürfte das ganze kosten. In die Praxis umgesetzt wurde der Plan nicht.
Bis jetzt. Die rechte Stadtverwaltung hat endlich Nägel mit Köpfen gemacht und das Gebäude gekauft. Zwar für 30,5 Millionen Euro, aber immerhin: auch das PP-Vox-Bündnis plant hier im Wesentlichen ein Kultur- und Innovationszentrum. Keine Luxuswohnungen, kein Hotel. Das ist schonmal sehr positiv.
Mit Vorsicht genießen
Allerdings muss dieser Triumph mit Vorsicht genossen werden. Denn kürzlich wurde bekannt, dass die Stadtverwaltung plant, das neue Kulturzentrum an einen privaten Betreiber auszuschreiben. Und das sollte stutzig machen. Zum einen, weil dies schnell dazu führen kann, dass die örtliche Kunstszene zugunsten von prestigeträchtigen Großprojekten vernachlässigt wird. Gerade in Zeiten, in denen sich kaum ein Künstler das Leben auf der Insel noch leisten kann, wäre das ein fatales Zeichen.

B. Ramon
Zum anderen, weil die Gefahr groß ist, dass das Projekt schnell gegen die Wand gefahren wird – und dann "leider, leider" doch Luxuswohnungen in das Gebäude kommen. Denn Kulturprojekte, die von außen über die Insel gestülpt werden, haben hier kaum eine Chance.
Auf der Insel entstanden
Die Nit de l'Art, das Mallorca Live Festival, die Filmfestivals Evolution und Atlàntida, aber auch das Museum Es Baluard: Wenn man sich die großen Kulturevents - und institutionen auf der Insel anschaut, die überdauern, haben sie eines gemeinsam. Sie sind auf Mallorca entstanden, im Fall der Events langsam gewachsen und wurden von Menschen vorangetrieben, die vielleicht nicht unbedingt auf Mallorca geboren wurden, aber die hier verwurzelt sind.
Insofern ist der Kauf des Gesa-Gebäudes ein wichtiger Etappensieg. Aber auch nicht mehr.
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