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Palma im Jahr 2035: Ein Paradies für Besucher, die Hölle für die Einheimischen
Es gibt durchaus Gründe, pessimistisch in die Zukunft zu blicken, schreibt MZ-Kolumnist Jaume Garau

Urlauber in der Innenstaft von Palma (Aufnahme von 2023). / B. Ramon
Vergangene Woche hielt Palmas Bürgermeister eine Konferenz mit dem Titel „Palma 2035“ ab, in der er die Zukunft der Stadt in einem sehr optimistischen Ton präsentierte. Die derzeitige Entwicklung lässt auch folgenden, pessimistischeren Blick zu: Im Jahr 2035 wird der Flughafen einen neuen Rekord erreicht haben: 40 Millionen Passagiere. Das jährliche Tourismuswachstum von fünf Prozent hat Palma in einen permanenten Freizeitpark verwandelt. Jeden Tag legen fünf Mega-Kreuzfahrtschiffe, die jeweils 10.000 Passagiere befördern können, im Hafen an. Die Altstadt, die nur noch mit vorheriger Reservierung zugänglich ist, ist voller Urlauber, die in Warteschlangen Selfies vor der Kathedrale machen.
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Einheimische in Industriegebieten und Wohnwagen
Die Einheimischen sind in die ländlichen Gebiete geflüchtet, leben in Sozialwohnungen in umgewandelten Industriegebieten oder in Wohnwagen. Ihre ehemaligen Wohnungen werden als Hotels oder Ferienapartments vermietet – für 300 Euro pro Sommernacht. Die wenigen verbliebenen Einwohner Palmas zahlen Monatsmieten von über 3.500 Euro oder teilen sich Wohnungen mit anderen Familien. Das Viertel Santa Catalina, einst Heimat eines traditionellen Marktes, ist heute eine Ansammlung von Pop-up-Modegeschäften und Gourmet-Restaurants für Influencer.
Die Trinkwasserreserven haben kritische Werte erreicht. Meerwasser wird zu astronomischen Preisen entsalzt, während Hotels ihre eigenen Wasseraufbereitungs- und Recyclingsysteme betreiben. Die Bürger unterliegen einer strengen Rationierung: 50 Liter pro Person und Tag. Die Temperaturen erreichen regelmäßig 40 Grad, mit Hitzewellen, die kaum auszuhalten sind. Die wenigen klimatisierten Schutzräume sind überfüllt.
Ein Paradies für Besucher
Im Jahr 2035 ist Palma ein touristischer Themenpark – eine Stadt, die nicht mehr ihren Einwohnern gehört. Mallorca ist in ein exklusives Paradies für Besucher verwandelt worden – und in eine Hölle für diejenigen, die eine andere Insel und eine andere Stadt kannten. /pss
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