Meinung | Inselstimmen
Antoni Canyelles
Fiese Masche mit dem Residentenrabatt: Es gibt immer noch Piraten im Mittelmeer
Wie Fährunternehmen die Vergüngstigungen für die Inselbewohner ausnutzen, ist fast schon kriminell, meint MZ-Kolumnist Antoni Canyelles

Eine Fähre m Hafen von Palma. / B. RAMON
Heute wollte ich Fährtickets kaufen, um die Familie zu besuchen, und wie jedes Mal, wenn ich die Website der Reedereien des balearischen Oligopols aufrufe, überkommt mich das Grauen: 800 Euro für eine Überfahrt von etwas mehr als einer Stunde zwischen Alcúdia und Ciutadella für vier Personen und ein Auto? Ich versichere, ich habe nicht die Option „Privatyacht mit Champagner“ angekreuzt.
Ein Bombengeschäft
Aber natürlich liegt der Trick darin, dass 75 Prozent dieses absurden Preises vom Staat übernommen, also von uns allen mit unseren Steuern bezahlt werden. Ein Bombengeschäft für die Unternehmen, die die Preise nach Belieben in absurde Höhen treiben können, in der Gewissheit, dass es immer ein Sicherheitsnetz gibt, das ihre Gewinne garantiert. Viele kleine Geschäfte würden sich wünschen, so wirtschaften zu können. Aus Neugier – und um meine Empörung zu verarbeiten – habe ich mir angesehen, was eine Fähre anderswo in Europa kostet. In Dänemark, wo die Kaufkraft nun doch ein wenig höher ist als hier, kann man mit der Familie und dem Auto für 18 Euro verreisen. Fazit: Es gibt immer noch Piraten in unserem geliebten Mittelmeer.
Ja, ich bin empört
Wenn diese Preise real wären – ohne Subventionen oder Rabatte –, könnte sich niemand leisten, mit der Fähre zu reisen. Aber die Reedereien wissen, dass sie nicht wirklich auf dem Markt konkurrieren, sondern um die Gunst der Verwaltung. Solange der Staat, also wir alle ihnen die Party finanzieren, können sie die Preise weiter aufpumpen, ohne dass ihnen jemand auf die Finger haut. Ja, ich bin empört. Denn wir reden hier nicht von einem Luxus, sondern von einem essenziellen Transportmittel zwischen den Inseln. Was eine öffentliche Dienstleistung sein sollte, ist zu einer Gelddruckmaschine für einige wenige geworden – auf Kosten ihrer Mitbürger. Klar zum Entern unserer Geldbeutel! Uns bleibt nur, zu zahlen oder unseren Frust in Rum zu ertränken … falls wir uns den noch leisten können.
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