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Meinung | Auf einen cortado

An der Reihe sein

MZ-Kolumnistin Sabine Belz über die bemerkenswerte Geduld, zu der die Menschen auf Mallorca in der Lage sind

Supermarktkasse in Valencia.

Supermarktkasse in Valencia. / Manuel Bruque/Efe

Sie kennen das: man ist etwas in Eile, will schnell etwas besorgen im Supermarkt, aber an der Kasse steht eine ältere Dame. Eigentlich will sie bezahlen, sucht nach Kleingeld in ihrer Börse. Während sie sucht, plaudert sie mit der Verkäuferin, die sie kennt, über ihren Enkel, die Schule…und sucht….

Hinter ihr hat sich eine Schlange gebildet: zwei Handwerker, die sich einen bocadillo kaufen wollen und etwas zu trinken, ein Gruppe Schüler, die sich in der Pause etwas Süßes kauft: In der Schlange stehen nun sechs Personen, die ältere Dame sucht immer noch, lacht, plaudert - nur keine Eile. Manchmal dreht sie sich um lächelt in die Warteschlange… plaudert aber weiter. Die Verkäuferin wiegt unterdessen ihren Schinken ab, dann fehlt noch ein Stückchen Käse.

Die Schlange wird länger, man unterhält sich und wartet. Inzwischen sind wir acht.

Als einzige Ausländerin staune ich

Ich als einzige Ausländerin staune über die Gelassenheit der Wartenden. Niemand zeigt Ungeduld, drängelt, beschwert sich. Man wartet ab. Denn wer dran ist, hat das Vorrecht und alle anderen müssen warten. Wer dran ist, muss sich nicht beeilen, noch daran denken, dass hinter ihm zehn Menschen warten. Wer dran ist, dem gehört die Aufmerksamkeit der Verkäuferin und die Geduld der Wartenden.

Manchmal ist man dran, manchmal muss man warten - irgendwann gleicht es sich aus. Es scheint eine schweigende Übereinkunft zu sein, an die sich alle halten. Nie beschwert sich jemand, fordert zur Eile auf, schimpft. Alle warten gelassen. Es ist eine Form von Toleranz, die für mich ungewohnt ist, aber enorm das Leben erleichtert, es entspannt. Man lässt den anderen gelten. Und erwartet ein Gleiches. 

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