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Meinung | Auf einen Cortado

Der Eigentliche

Besuch bei einem Schuhmacher auf Mallorca. Oder ist es doch ein Musiker? Eine Kolumne von Sabine Belz

In einer mallorquinischen Schuhwerkstatt.

In einer mallorquinischen Schuhwerkstatt. / Nele Bendgens

Es war ein Geheimtipp: Dieser Schuhmacher sollte die besten alpargatas anfertigen, nach Maß und von großer Haltbarkeit. Nicht mal teuer wären sie.

Im östlichen Landesinneren von Mallorca, einem Dorf, fand ich in einer engen Nebenstraße den Eingang zu seiner Werkstatt anhand der Hausnummer. Kein Schild, kein Hinweis. Die Tür stand offen. Ein intensiver Geruch von Leder drang durch die Tür; hier war ich richtig. Es gab keine Klingel und ich ging hinein. Und stand in einem mäßig beleuchteten langen, tief nach hinten führenden Gang, links und rechts flankiert durch deckenhohe Regale. Am Ende sah ich Licht, über den Arbeitstisch gebeugt einen Mann, der den Kopf nicht hob, mich vielleicht noch gar nicht wahrgenommen hatte.

 In den Regalen lagen links hoch gestapelt dicke Rollen mit Leder in vielen Naturfarben, aber auch gefärbte und sogar Reptilienhäute, das waren kleinere Rollen.

Auf der anderen Seite stapelten sich die Sandalen, nach Größen sortiert. Es dürften einige Hundert gewesen sein. Der üppige Ledergeruch war betäubend. Als ich näherkam, bemerkte er mich, hob den Kopf und schaute über seine halbe Brille zu mir hoch. Er mochte Mitte Vierzig sein und ich sah seinem Blick an, daß er Tag für Tag in diesem künstlichen Licht arbeitete. Jetzt erst hörte ich die Musik; deswegen hatte er mich nicht wahrgenommen. Es war eigenwillige Pop-Musik, die er während der Arbeit hörte.

Ja, er mache Sandalen nach Maß, alle zum Einheitspreis, Dauer eine Woche. Welches Leder ich denn wollte? Und welches Modell? Es gab drei zur Auswahl, nur diese. Alles schien ganz einfach. Er nahm Maß an meinem Fuß und notierte meine Daten.

Ich fragte ihn nach der ungewöhnlichen Musik. Er stutzte etwas und sah mich zum ersten Mal direkt an. Das sei seine Musik, er habe sie komponiert. Die Schuhwerkstatt habe er von seinem Vater geerbt, nun habe er deswegen nicht genug Zeit für seine Musik. Denn er sei - eigentlich - kein Schuhmacher, sondern Musiker!

Fortsetzung folgt

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