Meinung
Bilanz nach dem Opening auf Mallorca: Was wird nun der Ballermann-Hit 2025?
Zudem wirkt der Ballermann endlich wie ein friedlicher und sicherer Partyort
Der Soziologe Sacha Szabo verglich den Besuch des Ballermanns in seiner Schrift „Ballermann. Das Buch“ einst mit dem Besuch eines Gottesdienstes. Der Bierkönig als Kathedrale, die Currywurst als Oblate, die Wodka Lemon Mischung als Messwein und der DJ als der Hohepriester. Alle singen die gleichen Lieder, alle tanzen im selben Takt.
Am vergangenen Wochenende reisten rund 20.000 Gläubige aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach Mallorca, um ihre Kirchen, Megapark und Bierkönig zu besuchen. Stellenweise wirkte das ganze wie ein Klassentreffen. Die da zusammenkommen, kennen sich seit Jahren und treffen sich immer wieder am gleichen Tresen. Die typischen Ballermann Besucher fühlen sich halt am wohlsten in der Horde Gleichgesinnter.
"Eine große Familie"
Rudel nennt Mia Julia ihre Fans. Und Füchse. Gar vom Fuchsrudel ist die Rede. Scheinbar wurde die Sängerin nicht darüber aufgeklärt, dass Füchse keine Rudel bilden. Sondern Einzelgänger sind. So wie die meisten Ballermann-Künstler. Jeder macht sein Ding, manchmal in brüchigen Allianzen. Freilich wurde das bei diesem Opening übertüncht durch die Euphorie des Neubeginns und ein Motto, das über allem schwebt. „Wir sind eine große Familie“.
Das Bild, das sich auf den Straßen bot, zeugt davon. Kaum Gewalt, viel Gebussel, Dauerumarmungen. Da war viel Liebe und Glück in den Gesichtern zu sehen an diesem Wochenende. Der Ballermann ist tatsächlich ein Frustventil. Ein Ort des friedlichen Feierns, in dem Klimawandel, Arbeitsstress, Krieg und Alltagssorgen keine Rolle spielen. Drei Tage klassenlos den Kopf durchspülen mit allerlei alkoholischen Erzeugnissen.
Ballermann endlich sicher
Die Bilanz des Wochenendes fällt dann auch positiv aus. Die Polizeipräsenz sorgte dafür, dass die Schinkenstraße weitgehend frei war von Trikot- und Drogenverkäufern. Ein gleiches Bild bot sich rund um den Megapark. Es stellte sich sogar ein gewisses Sicherheitsgefühl ein auf dem Heimweg.
Frieden und Harmonie und in Ruhe arbeiten, das ist eigentlich der Wunsch der meisten Ballermacher, aber es gibt wieder Schüsse aus einer altbekannten Richtung. So erklärte Ikke Hüftgold der Konkurrenz erneut den Krieg: „Ich bin eigentlich nur gekommen, um dem Megapark zu schaden“, sagte er gegenüber „DerWesten.de“ nach seinem Comeback-Auftritt am Sonntag. Was ihn da treibt, ist Spekulationsware. Wahrscheinlich geht es nur ums Polarisieren. Die Künstlerin Isi Glück ist im Management von Ikke Hüftgold und singt im Megapark. Er verdient also durchaus Geld mit dem Partykoloss.
Unabhängig von diesen Störfeuern dürften alle Clubs mit dem Opening mehr als zufrieden sein. Einlass-Stops gab es zeitweise überall und Eintrittspreise bis zu 50 Euro (für den Superstar Finch im Megapark) wurden klaglos hingenommen. Ebenso explodierende Alkoholpreise. So rief der Megapark stellenweise bis zu 29,40 Euro für den Liter Humpen Wodka-Kirsch auf. 60 Prozent mehr als vor Corona. Weniger getrunken wurde aber deshalb nicht.
Der Ballermann-Hit des Jahres
Ganz wichtig natürlich die Frage nach dem Ballermann Hit des Jahres. Neben der Nummer 1 aus Deutschland „Wackelkontakt“ von Oimara bleiben zwei Songs in Erinnerung: „SOS“ von Julian Sommer und „Tretboot“ von Almklausi und Zipfelbube.
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