Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Meinung | Hinter den Bergen

Es piept wohl!

MZ-Kolumnist Xisco Xavier wundert sich über das blinde Vertrauen in Maschinen

SUVs nehmen den Autofahrern gern das Denken ab

SUVs nehmen den Autofahrern gern das Denken ab / Europa Press

Ganz viele tolle neue Mietautos bevölkern die mallorquinischen Straßen: SUVig aussehend, kräftig in der Statur, schön breit und fast allein denkende Automaschinen. Schöne Neue Welt! Sicher leiten diese den hier fremden Anmieter durch die unbekannten Straßenwelten Mallorcas.

Diese schönen halb oder voll elektrischen Mietautos nehmen dem Fahrer das Nachdenken quasi ab. Die Maschine sagt, wo es lang geht. Mit voller Konzentration folgt der Fahrer den Anweisungen des großartigen Bordcomputers. Denn der kennt sich aus, weiß, wo man ist, wo man gewesen sein muss.

Entspanntes Fahren ganz ohne viel eigenes Nachdenken

Sensationell bis in die letzte Gasse leitet die Maschine den folgsamen Lenker. Dieser gefesselt von der oft unbekannten Funktionsweise und den klaren Anweisungen, schaltet sein eigenes Hirn aus und folgt der allwissenden Maschine. Keine Panik. Denn die Maschine weiß ja schließlich Bescheid. Denkt man.

Befindet man sich nun in der besagten Gasse so breit, dass zwei Pferdekarren aneinander vorbeikönnen, warnt der schlaue Onlinefuchs seinen ahnungslosen Lenker mit einem stetigen Piepen vor den nahen Mauern. Schnell fährt man in der Mitte und schon ist Ruhe mit dem Piepmatz.

Nun kommt der Einheimische seines Weges mit seinem Karren ganz klein und schmal, wendig wie ein Pferd und begibt sich, den Schilder folgend, auf den entgegengesetzten Weg. Den Fußgängern wegen, haarscharf an der Mauer entlang, voll analog, frei von jeglichem Piep.

Google weiß den Weg

Der online Piepmatz jedoch, so blöd wie er ist, hält die Spur mitten in der Gasse. Denn schließlich Google hat gesagt, das ist der Weg. Nur Google, so blöd wie eine Maschine sein kann, hat die lokale Verkehrsumleitung nicht in seinem Programm. Und der Autolenker weiß von nichts, dass er sich entgegengesetzt in einer Einbahnstraße bewegt: Denn Google hat ja gesagt!

Schilder leiten den Weg. In jedem mallorquinischen Ort. Oft, der Notwendigkeit wegen, schnell verändert. Doch der ahnungslose Mietwagenfahrer entdeckt kein Schild. Seine Konzentration gilt dem Wissensgott Google und Co.

Aber nicht nur der ahnungslose Mietwagenfahrer, auch sein Kollege vom Drahtesel kennt keine Furcht. Rein in die Einbahnstraße, gegen die Fahrtrichtung oder ab in die Fußgängerzone. Schilder spielen keine Rolle. Denn schließlich: Google hat gesagt, dies ist der Weg!

Entweder ist dies Blödheit oder Respektlosigkeit. Auf jeden Fall: Es piept wohl!

Tracking Pixel Contents