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Meinung | Strandgeflüster

Noch mehr Kreuzfahrtschiffe auf Mallorca: Ein Vergnügen auf Kosten der Umwelt

Die Kreuzfahrt-Branche boomt, das bekommt auch Mallorca zu spüren. MZ-Kolumnistin Jasmin Hickman steht diesem Urlaubstrend kritisch gegenüber

Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Palma.

Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Palma. / Europa Press

Aufgereiht wie an einer Perlenkette fahren die schwimmenden Vergnügungsparks an der Westküste Mallorcas vorbei. Manche Schiffe sehen aus wie Hochhäuser. Dass die überhaupt schwimmen können, frage ich mich, und wie es wohl ist, auf einem Kreuzfahrtschiff Urlaub zu machen? Für mich kam das nie in Frage, tausende Menschen auf engem Raum ist das Gegenteil von Erholung und macht mir eher Angst. Für andere ist aber genau das die Traumvorstellung eines Urlaubs. Das zeigen auch die Erhebungen der Hafenbehörde in Palma: Schon in der ersten Maiwoche dieses Jahres haben bereits 23 Kreuzfahrtschiffe in Palmas Hafen festgemacht. Das sind über 21 Prozent mehr, als im Vorjahr!

Kreuzfahrtschiffe sind schädlicher als Flugzeuge für die Umwelt

2025 werden 551 Schiffe mit rund 1,8 Millionen Passagieren in Palma erwartet. Zusätzlich zu den „normalen“ Touristen wohlbemerkt. Ich glaube, Palma werde ich wohl diesen Sommer meiden. Fragt man die modernen „Kreuzfahrer“ warum sie diese Art von Urlaub bevorzugen, werden neben den klassischen Argumenten wie die Auswahl an Restaurants, Swimmingpools, Entertainment-Programm und natürlich All-Inclusive vor allem: das Meer, die Natur und die frische Luft genannt. Das ist spätestens der Moment, wo ich mich leider nicht mehr zurückhalten kann. Kreuzfahrten sind mit Abstand die umweltschädlichste Art, zu reisen. Selbst Fliegen ist umweltfreundlicher. Scheinbar wissen das die wenigsten. Die schwimmenden Kleinstädte stoßen pro Passagier auf einer vergleichbaren Strecke mehr CO2 aus, als ein Flugzeug. Je nach Schiffstyp sogar doppelt so hoch! Die meisten Schiffe fahren auch heute noch mit Schweröl, einem der dreckigsten Kraftstoffe überhaupt. An Land ist Schweröl übrigens verboten, auf See nicht!

Nur langsam kommt Bewegung in die Schiffsbranche, auf umweltfreundlichere Antriebsstoffe umzusteigen

Erdgas oder Biokraftstoffe haben leider ebenfalls keine gute Umweltbilanz. Umweltverbände empfehlen den Reedereien deshalb grünen Wasserstoff wie Methanol und Ammoniak. Immerhin: Das neueste Schiff von TUI Cruises, die „Mein Schiff 7“, kann mit Methanol betrieben werden. Das Argument, dass man auf einer Schiffsreise „frische Seeluft“ genießen kann, fällt eindeutig unter den Begriff Seemannsgarn: Die gesundheitsschädliche Feinpartikelbelastung soll auf einer Kreuzfahrt 200-mal höher sein, als in natürlicher Umgebungsluft.

Unter welcher Flagge fährt der Ozeanriese eigentlich?

Zweifelhaft ist auch die Behauptung: Schiffstouristen seien gut für die Wirtschaft des Urlaubslandes. Zum einen bleiben viele beim Anlegen einfach an Bord, zum anderen geben die Touristen kaum Geld aus an Land, da sie an Bord meist All-Inclusive gebucht haben. Das Geld der Urlauber bleibt also an Bord! Auch in Bezug auf die Steuern. Viele Kreuzfahrtschiff-Konzerne lassen die Schiffe in sogenannten „Billigstaaten“ wie Malta, Bahamas oder Liberia registrieren. Dadurch sparen die Firmen jährlich hunderte Millionen Euro an Steuern. Ein weiterer Vorteil der „Billigflaggen“: An Bord gelten die niedrigen Arbeits- und Sicherheitsstandards der Billigstaaten.

Damit sich in der Kreuzfahrtbranche etwas in Richtung Umweltbewusstsein ändert, ist vor allem der Urlaubsgast gefragt. Sie haben die Wahl, welches Schiff und welche Reederei Sie buchen. Also fragen Sie doch mal vor der Buchung nach Kraftstoffart, Müllvermeidung und unter welcher Flagge das Schiff fährt. Lassen Sie sich das Ruder nicht aus der Hand geben!

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