Meinung | Der normale Wahnsinn
Auswandern nach Mallorca? Bleibt weg!
MZ-Kolumnist Ingo Wohlfeil findet klare Worte für digitale Nomaden und andere Neu-Residenten

Ein Traum für zu viele, als Mallorca vertragen kann - Arbeiten im Homeoffice am Strand / Freepik
„Hallo! Wir ziehen demnächst fürs Homeoffice nach Mallorca und suchen zu Viert (38, 33, 6, 8) eine Bleibe bis 2000 Euro, möglichst Nähe Palma. Gerne PN.“
In letzter Zeit lese ich immer häufiger solche Anfragen auf diversen Mallorca-Seiten auf Social Media. Vor zehn Jahren hätte ich solche Posts höchstwahrscheinlich überlesen, aber mittlerweile triggert mich das.
FÜRS HOMEOFFICE! Ernsthaft?
Mittlerweile kommentiere ich schlecht gelaunt solche Gesuche; „Mallorca hat keinen Wohnraum mehr und leider auch nicht auf Euch gewartet. Das spanische Festland hat ganz schöne Ecken. Viel Erfolg dort!“ Ich weiß, das erschüttert diejenigen, die wirklich ihren Traum verwirklichen wollen und mit Wohnungsangeboten rechnen. Und dann das. Zuerst reagieren die so Bedachten perplex, dann werden sie beleidigend.
Work-Life-Balance auf Kosten der einheimischen Bevölkerung
Doch es gibt einen einfachen Grund für mein Handeln: Wir sind schon viel zu viele unproduktive Deutsche auf der Insel, die Wohnraum für die wirklich arbeitende Bevölkerung blockieren. Selbst in der düstersten Ecke Palmas gibt es kaum mehr eine Wohnung unter 1000 Euro. Selbst die Gettos werden langsam gentrifiziert. Vermietet werden Keller, Balkone oder die Abstellkammer. Deshalb werden die Insulaner auch immer saurer auf uns. Und das sollte man den Menschen mit Abwanderungsgedanken nochmal möglichst schroff klarmachen: wenn ihr nicht gerade Koch, Kellner, Skipper, Fliesenleger oder RCD-Mallorca-Spieler seid, dann ändert Eure Träume. Zieht nicht nach Mallorca. Es ist der schlechteste Zeitpunkt ever. Euer Work-Life-Balance-Wunsch macht die Insel unbezahlbar für diejenigen, die hier geboren wurden. Mallorquiner, die gezwungen sind, Mallorca zu verlassen, weil ihr besser zahlt.
Was muss das für ein Gefühl sein, aus der Heimat vertrieben zu werden?
Meine Großmutter könnte darüber erzählen, wenn sie noch leben wäre. Sie ist 1945 zu Fuß von Plauen (Sachsen) nach Oldenburg (Niedersachsen) gelaufen. Das sind über 500 km Fußmarsch. Auch wenn der Vergleich Rote Armee gegen Deutsche Auswanderer etwas krass daher kommt, der Effekt ist der gleiche. Menschen werden entwurzelt.
Bis die Wohnungsbauprojekte der Regierung greifen, werden wohl noch einige Jahre vergehen und deshalb ist jetzt die Zeit, Nein zu sagen. Nein, zum Umzug aus Gründen der vermeintlichen Steigerung der persönlichen Lebensqualität. Das ist schlicht und ergreifend Egoismus. Mallorca hat genug Probleme, bitte werdet nicht das nächste. Als Touristen seid ihr nach wie vor willkommen, als Umsiedler seid ihr es nicht. Nicht einmal bei den alteingesessenen deutschen Residenten.
Xisco XavierDie Welt in Not!
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