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Meinung | Auf einen Cortado

Hexen auf dem Hexenberg?

MZ-Kolumnistin Sabine Belz hat den "Puig des bruixes" auf Mallorca bestiegen

Sicht auf den Hexenberg (Puig des bruixes) auf Mallorca

Sicht auf den Hexenberg (Puig des bruixes) auf Mallorca / Sabine Belz

Er ragt deutlich sichtbar heraus mit seinem hellen, schroffen Karst-Gestein, das im Sonnenlicht manchmal weiss erscheint. Kaum Büsche oder gar Bäume wachsen dort, das gibt ihm etwas Abweisendes, Kaltes. Dabei ist er "nur" 300 m hoch, der Hexenberg (Puig des bruixes), alles sieht nach einem leichten Aufstieg aus.

Das Geröll auf dem Weg fordert solide Schuhe, Wanderschuhe, nicht Turnschuhe oder gar Sandalen, dazu ist das Gestein zu scharf und spitz.

Es war ein sonniger Vormittag, ideal für eine Aufstieg auf diesen kleinen Berg nicht weit vom Berg Randa im Norden der Ortschaft Llucmajor. Ein frequentierter Weg schien es nicht zu sein, und auch keine Radler waren auf dieser Strecke unterwegs, die in Serpentinen hinaufführte, zunehmend steiler und enger. So leicht wie behauptet war der Aufstieg doch nicht. Man musste gut aufpassen, nicht abzurutschen. Aber der Blick in die Ebene bis hin zur Insel Cabrera lohnte die Mühe, man sah die weitläufigen, verborgenen Fincas umgeben von endlosen Trockensteinmauern: ländliches, friedliches Mallorca.

Der Gipfel des hexenberges kommt nur langsam näher

Der Gipfel des hexenberges kommt nur langsam näher / Sabine Belz

Leichter Nieselregen

Nach einer knappen Stunde - wir hatten erst etwa die Hälfte erreicht - setzte leichter Nieselregen ein. Der Weg wurde feucht und rutschig, nun musste man noch mehr aufpassen. Steiler ging es nun auch hinauf, man schritt nicht mehr, man stieg. Als die Spitze in Sicht kam, fehlten nur noch ein paar Höhenmeter. Es galt eine tiefe Spalte zu überbrücken; mit einem kräftigen Sprung sollte das möglich sein. Angesichts des feuchten Untergrunds zögerte ich. Dann sah ich auf der anderen Seite des Zwischenraums im Fels befestigt ein Aluminiumschild mit einer Inschrift auf Catalàn: "Wir werden dein Lachen immer vermissen, Daniel!" Unfälle, so hörte ich später, seien nicht selten auf diesem angeblich so leicht zu besteigenden Berg.

Die Legende um den Hexenberg besagt, daß dort Hexen (bruixes) ihr Unwesen treiben und passierende Fahrzeuge und Reiter am Vorbeifahren hindern. Seit der letzte König (Jaume III, XIV. Jahrhundert) auf Drängen der Bauern dort ein eisernes Kreuz aufstellte, hörte der Spuk auf.

Aber manchmal verteidigen sie vielleicht doch noch "ihren" Berg.

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